Energiepreise Thüringer Porzellanhersteller fürchten Untergang der Branche

Die Thüringer Porzellanhersteller fürchten den Untergang der Branche. Trotz guter Auftragslage stehen die Firmen in Kahla und Volkstedt aktuell auf der Kippe. Die hohen Energiepreise machten eine Produktion in Deutschland unmöglich, warnt auch der Bundesverband Keramische Industrie.

"Unter den aktuellen Bedingungen wird es in einem Jahr keine Porzellanproduktion mehr geben." Das sagt der Geschäftsführer von Kahla-Porzellan, Daniel Jeschonowski. Die Gaspreise, die er für nächstes Jahr angeboten bekommt, seien 700 bis 900 Prozent höher als die bisher gezahlten.

Dabei ist Porzellanfertigung sehr energieintensiv. Vom Umsatz floss bisher demnach jeder fünfte Euro in die Energiekosten, also 20 Prozent. Andere Branchen lägen bei drei Prozent, meint Jeschonowski. Er befürchtet, dass Dachziegelhersteller, Düngemittelproduzenten und Zementwerke vor dem gleichen Problem stehen.

Becherglasieranlage in der Produktionshalle der Kahla Porzellan GmbH, 2015
Für das kommende Jahr sehen die Porzellanhersteller schwarz für ihr "weißes Gold". Bildrechte: dpa

Warum Gas und nicht Elektroofen?

Dass Gas benötigt wird, liegt am komplizierten Herstellungsprozess. Beim sogenannten Glattbrand werden sehr hohe Temperaturen gebraucht. "Es braucht gut 1.400 Grad und es darf kein Sauerstoff im Ofen sein, damit das Porzellan weiß wird", sagt die Vertriebsleiterin der Porzellanmanufaktur in Volkstedt, Ingrid Barth. 30 Stunden müsse der Ofen die Temperatur halten. In der Zeit wird mit der Abwärme geheizt und Wasser erwärmt, um Energie zu sparen.

"Den Glühbrand bei nur 900 Grad machen wir schon im Elektroofen", sagt Barth. Porzellanfiguren in Volkstedt und die Hohlkörper für Seltmann Weiden - Volkstedt gehört zur Unternehmensgruppe Seltmann Weiden - werden zusammen gebrannt. Ein zweiter Gasofen ist seit einem Jahr bestellt. Ob er wie geplant noch in diesem Jahr angeheizt werden kann, sei fraglich.

Farbenprächtige Eisvögel und einen Specht, gefertigt aus Porzellan
Eisvögel und Specht stammen aus Volkstedt. Bildrechte: dpa

Volle Bücher in Reichenbach

"Die Auftragslage ist gut", sagt Annett Geithe von der Porzellanmanufaktur Reichenbach. Die Manufaktur müsse die Gasumlage jedoch auf die Produkte umschlagen, sagt die Chefin.

Ihr Liefervertrag für Gas läuft noch recht lang. Ein oder zwei Jahre könne sie dann die Preise halten, wenn das Gas zu den vertraglich festgelegten Konditionen geliefert werden kann. Es müsse zielgerichteter gefördert werden, weniger nach Branche, mehr nach einzelnen Betrieben, sagt Annett Geithe.

Bald nicht mehr konkurrenzfähig

Für nächstes Jahr könne der Preis für Gas ums Zehnfache steigen, heißt es bei Kahla-Porzellan. Wenn die Kosten auf die Produkte umgelegt würden, kaufe keiner mehr Thüringer Porzellan, teilten die Produzenten übereinstimmend mit.

Klassische Tänzerin im Spitzenkleid, aufgenommen in der Porzellanmanufaktur Sitzendorf
Diese Tänzerin im Spitzenkleid stammt aus der Porzellanmanufaktur Sitzendorf. Bildrechte: dpa

Dabei sparen Fabriken schon, wo es geht. In Kahla brennt der Ofen nur jede dritte Woche. In der Manufaktur in Volkstedt geht die Abwärme in Warmwasser und Heizung. Bis Jahresende laufen die Verträge mit den Gasversorgern. Danach sehen die Porzellanhersteller schwarz.

Kritik an der Politik

Das Entlastungspaket setze die falschen Prioritäten, meinen alle drei Thüringer Porzellanhersteller. Auch der Bundesverband der Keramischen Industrie kritisiert das Paket. Die Betriebe in Deutschland seien mit Gasumlage und nationalem CO2-Preis gegenüber anderen Ländern benachteiligt, so der Verband.

Teller kommen aus einem Ofen.
Bei Eschenbach-Porzellan in Triptis gehen zum Jahresende die Lichter aus. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Eschenbach-Porzellan in Triptis konnte den Energiepreisen bereits jetzt nicht mehr standhalten. Das Unternehmen muss am Ende des Jahres schließen.

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MDR (gh,mab)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 09. September 2022 | 19:00 Uhr

82 Kommentare

knarf2 vor 12 Wochen

ZP-HB64:Die Grünen haben sich ihre Regierungszeit sicher anders vorgestellt als in einen Krieg hineingezogen zu werden.
Als absolute Kriegsgegner hätten sie nicht mit Waffen einen Krieg zu unterstützen sondern eher nein sagen wie damals Schröder.Bevor jetzt jemand auf die Idee kommt man könne das nicht vergleichen:Krieg ist Krieg auch wenn wir so tun als würden wir nicht dran teilnehmen!

martin vor 12 Wochen

@hfl: Nanu, normalerweise wird 'den da oben' doch angeblich planloses Handeln vorgeworfen. Nun sollen auch langfristige Planungen keine gute Idee sein?

martin vor 12 Wochen

Ihren Beitrag '.... darf man hier nicht diskutieren...' halte ich für ausgewachsenen Blödsinn.

Einzig richtig erscheint mir, dass nicht die Energiewende sondern der Putin'sche Angriffskrieg das Problem ist.

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