Energieabhängigkeit Möglicher Gasstopp: Porzellanhersteller aus Rudolstadt fürchtet gravierende Folgen

Bei der Volkstedter Porzellanmanufaktur drohen die Öfen auszugehen, wenn nicht mehr genug Gas fließt. Gleichzeitig mahnt der Verband der Thüringer Wirtschaft, dass Ostdeutschland stärker vom Gas aus Russland abhängig sei als westdeutsche Bundesländer mit dem Gaslieferanten Norwegen.

Teller, Tassen und Schalen laufen in der Produktion der Porzellanfabrik BHS tabletop in Schönwald im Landkreis Wunsiedel (Oberfranken) durch einen Ofen, in dem die Glasur eingebrannt wird
Falls weniger Gas für den Ofen kommt, fürchten die Rudolstädter massive Folgen für den Betrieb. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Der Porzellanhersteller "Aelteste Volkstedter Manufaktur" aus Rudolstadt fürchtet gravierende Folgen im Falle eines Stopps der Erdgasversorgung. Ohne Gas für den Brennofen könne nicht mehr produziert werden, heißt es von dem Unternehmen. Und vereinfachte Kurzarbeit könne anders als während der Corona-Pandemie nicht angeboten werden.

Rohware steht zum Bemalen und Brennen bereit in der ältesten Porzellanmanufaktur Volkstedt in Rudolstadt.
Die Gründung der Manufaktur geht ins 18. Jahrhundert zurück. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Jörg Thiem

Die Auftragslage der Porzellanfabriken Christian Seltmann, zu der die Volkstedter Manufaktur gehört, ist den Angaben nach aktuell gut. Schon im Februar sei ein zweiter erdgasbetriebener Brennofen für Volkstadt in Auftrag gegeben worden, der im Herbst in Betrieb gehen soll.

Zum Klicken: Wie Bestatter mit der Gasunsicherheit umgehen

Auch die Branche der Bestattungsunternehmen braucht viel Energie - zur Einäscherung der Leichen. Momentan denken die meist kommunalen Krematorien in Thüringen zwar bereits über Preiserhöhungen wegen gestiegener Mehrkosten nach. Wie der Bestatterverband Thüringen mitteilte, hätten die meisten Bestattungsunternehmen beim Gas aber noch eine Festpreisbindung teils bis ins übernächste Jahr. Preiserhöhungen bei Bestattungen mit Einäscherung gibt es daher derzeit nicht auf breiter Front.

Die Angst im Osten sei "real"

Schon zu Beginn der Woche äußerte der Verband der Wirtschaft Thüringens die Sorge vor einem Ausfall russischer Energielieferungen. Verbandssprecherin Ute Zacharias sagte MDR THÜRINGEN, die ostdeutschen und Thüringer Firmen seien stärker als die westdeutschen Unternehmen abhängig von russischem Gas und Öl.

Die westdeutschen Bundesländer würden mehr von Norwegen beliefert. Die Sorgen und Ängste der Unternehmern seien daher durchaus real. Zacharias forderte die Politik auf, für Lösungen zu sorgen. Am Ziel, erneuerbare Energien auszbauen, müsse zwar festgehalten werden. Aber es sei jetzt schnelles Handeln nötig, damit Wirtschaft und private Haushalte bei der Energieversorgung im Winter abgesichert seien.

Appell der Unionssprecher in Ostdeutschland

Zuvor hatten die wirtschaftspolitischen Sprecher der fünf ostdeutschen CDU-Landtagsfraktionen in einem Schreiben die Bundesregierung davor gewarnt, dass ein Energielieferstopp der ostdeutschen Wirtschaft schweren Schaden zufügen könne. Deshalb müssten die Laufzeiten von Kohle- und Atomkraftwerken verlängert werden, so die Forderung aus der Union.

Die Sorge vor einem russischen Gasstop ist auch das aktuelle Thema bei MDRfragt.

Diagramm zum Thema: Gaslieferstopp aus Russland – Angst davor
Viele Menschen ändern schon jetzt ihr Verhalten - beispielsweise beim Duschen. Mehr dazu bei MDRfragt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Claudia Reiser - MDRfragt-Redaktionsteam, im Studiogespräch 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR (dst)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 28. Juli 2022 | 11:30 Uhr

5 Kommentare

Ostfussballfan73 vor 27 Wochen

"Wer mehr Sonne und Wind will, muß mehr Gaskraftwerke bauen." ... kann man machen, sozusagen als "peaker" ... muss aber nicht unbedingt überall gelten, Dezentralisierung und Innovation sind gefragt. Vor allem bei den Speicherlösungen. Als Beispiel möchte ich die Amsterdam Arena nennen ... für mich eine der innovativsten Lösungen.

Hobby-Viruloge007 vor 27 Wochen

Nicht zu vergessen, in den nächsten Monaten werden noch das Steinkohle und Ölembargo gegen Russland wirksam.
Aber die AKWs werden weiterhin abgeschaltet.

Woher soll dann die Energie für die Industrie kommen?

Hobby-Viruloge007 vor 27 Wochen

Der Porzellanhersteller wird bei den örtlichen Stadtwerken und nicht in Russland Energie einkaufen.

Der strategische Fehler ,sich von einem Lieferanten sehr abhängig zu machen , stammt aus der Merkelzeit. Wer mehr Sonne und Wind will, muß mehr Gaskraftwerke bauen. Wer das Gas dann überwiegend aus Russland kauft macht sich abhängiger. Wer dann Russland mit Sanktionen überzieht, bekommt dass, was wir gerade sehen.

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