Handwerk Vom Automobilmanager zum Sattler in der eigenen kleinen Werkstatt

Nach 30 Jahren Automobilindustrie suchte Christian Rippel nach einem neuen Lebensziel. Und fand es in einem selten gewordenen Beruf, der ihn nun voll und ganz ausfüllt.

Ein Sattler bei der Arbeit
An der Nähmaschine bekommt das Material seine endgültige Form. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

In der kleinen Werkstatt von Christian Rippel geht es eng zu. Auf gerade mal 25 Quadratmetern hat er seine Sattlerwerkstatt eingerichtet. Zwei Regale, Schneidetisch und Nähmaschine - fertig. Hier lebt der Sattlermeister seit dem Frühjahr 2022 seinen Traum von der eigenen Werkstatt. "Ich wollte mein Leben ändern", sagt er.

"Ich war in der ganzen Welt unterwegs und habe trotzdem nichts davon wirklich gesehen." 30 Jahre tourte Christian Rippel über alle Kontinente, als Manager in der Automobilindustrie. Für viele bekannte Marken bereitete er die Produktion neuer Modelle mit vor, besuchte dafür Produktionsstätten auf der ganzen Welt.

Meisterbrief seit über 20 Jahren

Seinen Meister im Sattlerhandwerk hat er schon im Jahr 2000 erfolgreich abgelegt. Damals nutzte er die Gelegenheit, als es im eigenen Unternehmen einmal nicht so gut lief. Er ließ sich beurlauben und machte den Meisterlehrgang in acht Monaten. "Ich habe mich schon immer für alte Autos begeistern können", so der Sattlermeister.

Ein Sattler bei der Arbeit
Christian Rippel bereitet Kunstleder für eine Sitzbank vor. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Allerdings wollte er nicht an Motoren herumschrauben. Ihn reizte mehr die Inneneinrichtung mit ihren verschiedenen Materialien. Nach zwei Jahren in den USA, wo er an BMW-Modellen arbeitete, begann das Umdenken. Er schmiedete Pläne mit seiner Familie, kaufte den kleinen Hof in Liebengrün im Saale-Orla-Kreis und begann, das alte Bauernhaus umzubauen.

Seltener Beruf und große Nachfrage

Im Februar richtete er die Werkstatt ein, schon bald bekam er die ersten Anrufe von Interessenten aus der Region, die Aufträge für ihn hatten. Seitdem, sagt er, steht das Telefon nicht mehr still. Denn sein Beruf ist selten geworden in der Region. Die Nachfrage aber ist groß von Leuten, die Arbeiten an Autos, Motorrädern und Booten zu vergeben haben. Oder an Möbeln.

Ein Sattler bei der Arbeit
Klassische Sattlerarbeit: verschiedene Materialschichten werden aufeinandergeklebt. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Auf der Nähmaschine liegen große Kunstlederstücke, mit denen Christian Rippel alte Sessel wieder auf Vordermann bringen will. Oft, so erzählt er, bringen die Leute auch ganz alte Erinnerungsstücke, die aber einen großen ideellen Wert haben. Dann gehen die Auftraggeber mit leuchtenden Augen und einem aufpolierten Erbstück wieder nach Hause.

Altes Handwerk trotz moderner Technik

In seiner Werkstatt verbindet der Sattlermeister klassisches Handwerk mit neuer Technik. Auf dem Schneidetisch steht ein Lasergerät, mit dem Christian Rippel individuelle Motive in die Materialien brennen kann. Die Gestaltung erledigt er mit dem Computer. Das fertige Motiv wird dann auf die altbewährte Art weiterverarbeitet.

Ein Sattler bei der Arbeit
Christian Rippel richtet den Laser für die Motivbrand ein. Bildrechte: MDR/Andreas Dreißel

Rippel schneidet, klebt und näht, bis ein fertiges Produkt auf dem Tisch liegt. Was vom Material übrig bleibt, fliegt nicht in die Tonne, sondern wird aufgehoben und bekommt eine zweite Chance, zum Beispiel als Geldbörse oder Schlüsseletui. Auch die sind ganz individuell auf die Kundenwünsche zugeschnitten. Neue Ideen zeigt der Sattlermeister in den sozialen Netzwerken und sorgte damit von Anfang an für eine wachsende Kundenzahl.

Lebenstraum mit ganz eigenen Öffnungszeiten

Mit seiner Werkstatt hat sich Christian Rippel einen Lebenstraum erfüllt. Auch, wenn er jetzt weniger verdient als zu seiner Zeit als Automobilmanager. "Man wird nicht reich, aber die Prioritäten liegen jetzt woanders", sagt er. Und meint damit, dass er jetzt gesünder lebt und weniger Stress hat. Dafür hat er mehr Zeit für seine Familie und die drei Hunde auf dem Hof.

Mit einem Augenzwinkern zeigt er auf das Schild mit den Öffnungszeiten an der Tür. "Ich mache erst um 14 Uhr auf und dafür bis zum Abend. Ich genieße die Zeit am Vormittag. Ich koche gern und danach geht es in die Werkstatt." Dafür können seine Kunden bis spät abends hereinschauen. Gerade für Berufstätige ist das bequem, erst recht, wenn sie von weiter her kommen.

Im nächsten Jahr will Christian Rippel in Liebengrün ein Oldtimertreffen veranstalten. Ein Event für den kleinen Ort, und auch eine Chance auf neue Kunden für die kleine Werkstatt.

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MDR (adr/tt)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN Journal | 14. September 2022 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

Ostthueringerin vor 1 Wochen

Danke für den interessanten Einblick. War spannend zu lesen. Schade, dass die Sattlerei nur einen Facebook-Auftritt und keine HomePage hat. Alles Gute für die Zukunft beim Leben dieses Traumes.

kleinerfrontkaempfer vor 1 Wochen

Mit entsprechender finanzieller Absicherung, vor allem im Alter, ist so was relativ "gefahrlos" machbar.

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