Ermittlungen laufen auf Hochtouren Corona-Demo in Schmalkalden: Teilnehmer greifen Polizei an

Bei einer nicht angemeldeten Corona-Demonstration in Schmalkalden haben Demonstranten am Montagabend drei Polizisten umringt, bedroht, angegriffen und schließlich verletzt. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.

Corona-Demo Schmalkalden: Übergriff auf Polizei
Das Foto soll eine Rangelei zwischen Polizei und Demonstranten am Montagabend in Schmalkalden zeigen. Bildrechte: MDR/privat

Demonstranten gegen Corona-Auflagen haben in Schmalkalden drei Polizisten angegriffen und verletzt. Nach Angaben der Polizeiinspektion Suhl hatte sich am Montagabend zunächst ein Mann gegen eine Kontrolle gewehrt und die Umstehenden aufgefordert, das Geschehen zu filmen. Ein weiterer Mann mischte sich daraufhin ein, ging erst verbal gegen die Beamten vor und schlug dann unvermittelt einem Polizisten mit der Faust gegen den Hals. Weitere Beamte eilten zu Hilfe.

Innerhalb kurzer Zeit wurden die Beamten von einer Menschenmenge umringt und direkt bedroht. Auch eine Frau wurde handgreiflich. Die Polizisten mussten sich mit Reizgas verteidigen. Aus Sicherheitsgründen zogen sie sich kurz darauf zurück. Zwei Beamte wurden verletzt und mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Bei der nicht angemeldeten Demonstration gegen die Corona-Regeln auf dem Altmarkt hatten sich etwa 60 Menschen versammelt.

Landespolizeidirektion fühlt sich nicht verantwortlich für den Angriff

Die Thüringer Landespolizeidirektion (LPD) fühlt sich nach Angaben eines Sprechers nicht verantwortlich für den Angriff auf drei Polizisten bei einer Demonstration in Schmalkalden. Wie die LPD auf Anfrage von MDR THÜRINGEN mitteilte, schätzen die regionalen Polizeibehörden Demonstrationslagen grundsätzlich selbstständig ein. Wenn sie es für notwendig erachten, fordern sie Verstärkung bei der Landespolizeidirektion in Erfurt an. Das habe die Landespolizeiinspektion in Suhl, die für Schmalkalden zuständig ist, nicht getan.

Hintergrund ist, dass die angegriffenen Polizisten nur zu viert waren und die normale Kleidung der Schutzpolizei trugen. Zur gleichen Zeit waren in Weimar bei einer ähnlichen Demonstration etwa 100 Beamte mit spezieller Schutzausrüstung im Einsatz. Die Landespolizeidirektion weist Kritik, dass die Einsätze schlecht geplant waren, von sich. Bei ähnlichen unangemeldeten Demonstrationen in Südthüringen seien weitere Polizisten im Einsatz und daher nicht für die Demonstration in Schmalkalden verfügbar gewesen.

Videos kursieren in den Sozialen Netzwerken

Mehrere Videos, die den Vorfall zeigen sollen, werden derzeit in den Sozialen Netzwerken verbreitet. So kursiert beim Kurznachrichtendienst Twitter ein Video, das drei Polizisten zeigt, die von einer schimpfenden Menschenmenge umzingelt werden. Die Beamten haben einen der Demonstranten festnehmen wollen. Die Demonstranten beschimpfen die Polizisten unter anderem als "Merkel-Faschisten" und greifen sie schließlich an. Die aufgebrachte Menge schreit immer wieder: "Faschismus" und "Kaminski verrecke". Gemeint ist damit Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski. Ein Polizist geht bei dem Angriff zu Boden, steht kurz darauf wieder auf.

Bei einer nichtangemeldeten Corona-Demonstration in Schmalkalden haben Demonstranten am Montagabend drei Polizisten umringt, bedroht, angegriffen und schließlich verletzt.
Bei der Auseinandersetzung zwischen Polizei und Demonstranten in Schmalkalden haben viele Menschen Videos gemacht, die nun in den Sozialen Netzwerken verbreitet werden. Bildrechte: MDR/privat

Das auf Twitter verbreitete Video zeigt, wie es offenbar den Demonstranten gelingt, ein Funkgerät und eine Polizeimarke zu greifen, beide Gegenstände werden hinter einen Zaun geworfen. Am Ende entscheiden sich die Polizisten für den Rückzug, die aufgebrachte Menge brüllt "Schämt euch!"

Weitere Videos, die auf Whatsapp verbreitet werden, zeigen den Übergriff aus anderen Perspektiven. In einem Video ist eine ältere Frau zu sehen, die ihre Augen zusammenkneift. Ein anderes, ebenfalls bei Whatsapp kursierendes Video zeigt, dass sie zuvor offenbar versucht hat, die Polizisten mit ihrem Regenschirm zu attackieren.

Erste Reaktionen auf den Vorfall in Schmalkalden

Die Linken-Fraktion im Thüringer Landtag hat den Angriff von Demonstranten auf Polizisten in Schmalkalden scharf verurteilt. Abgeordnete Katharina König-Preuss sagte, die Hemmschwelle der Coronaleugner sinke weiter. Die Coronaleugner agieren nach Ansicht von König-Preuss skrupellos. Kritik an einzelnen Corona-Maßnahmen seien in einer Demokratie völlig legitim. Man könne diese aber auch artikulieren, ohne andere Menschen zu gefährden, so die Linken-Abgeordnete.

Der Thüringer Innenminister Gregor Maier hat sich inzwischen ebenfalls zu Wort gemeldet. Bei Twitter schreibt er: "Unerträgliche Szenen in #Schmalkalden, die das Gewalt- und Hasspotenzial von #Querdenken zeigen. Ermittlungen laufen auf Hochtouren, um Aggressoren habhaft zu werden. Rechtsstaat muss konsequent gegen Radikalisierung und Hass vorgehen."

Auch die Grünen-Fraktion im Thüringer Landtag verurteilt den Angriff auf Polizisten. Die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Madeleine Henfling, sagte, die in den sozialen Netzwerken kursierenden Videos zeige "die zunehmende Radikalisierung der Querdenker*innen", aber auch, "dass wir konsequent gegen Querdenker*innen vorgehen müssen, die durch ihr Verhalten die Gesundheit der Beamt*innen, wie auch der gesamten Gesellschaft gefährden". Kritik sei nachvollziehbar und dürfe überall geäußert werden, dabei und dadurch dürften jedoch keine anderen Menschen gefährdet werden.

CDU-Abgeordneter Raymond Walk sagte, er sei empört. Dass niemand einschreite zeige deutlich, wie verkommen die Sitten von Corona-Gegnern geworden seien. Der Anstieg der Gewalt in den vergangenen Jahren sei insgesamt alarmierend. Nach Angaben von Walk sind im vergangenen Jahr 227 Thüringer Polizisten im Einsatz angegriffen worden. Das sind 38 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Quelle: MDR THÜRINGEN/the

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Regionalnachrichten | 27. April 2021 | 13:00 Uhr

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