Ein Krankenhaus von außen.
Das Krankenhaus in Sonneberg ist Teil des Klinikverbundes Regiomed. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Medizinische Versorgung Regiomed vor Zerschlagung? - So kämpft der Klinikkonzern in Thüringen ums Überleben

19. April 2024, 09:10 Uhr

Eine Zerschlagung des insolventen Klinikkonzerns Regiomed mit Krankenhäusern in Thüringen und Franken wird immer wahrscheinlicher. Wie Hauptgeschäftsührer Michael Musick MDR THÜRINGEN sagte, gibt es für jede der zahlungsunfähigen Gesellschaften Interessenten.

5.000 Menschen bangen um Jobs

Seit Anfang des Jahres bangen rund 5.000 Menschen in Südthüringen und dem benachbarten Oberfranken um ihre Jobs. Der Regiomed-Konzern mit Krankenhäusern, Rettungsdiensten, Seniorenheimen und mehreren Medizinischen Versorgungszentren hat für einen Großteil seiner Gesellschaften Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

Seit April läuft das Hauptverfahren. Drei Monate lange hatten die Mitarbeiter mit dem sogenannten Insolvenzausfallgeld ihren Lohn von der Arbeitsagentur bekommen. Das hat Regiomed finanziell etwas Luft verschafft.

Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung? In solch einem Verfahren wird kein externer Insolvenzverwalter eingesetzt. Dessen Aufgaben übernimmt der Unternehmer beziehungsweise der Geschäftführer selbst. Zur Aufsicht der Eigenverwaltung wird ein Sachverwalter eingesetzt.

Aktuell kommt das Geld wieder vom Unternehmen und die Sorgen bei den Beschäftigten werden wieder größer. Das zumindest beobachtet Medinos-Betriebsrat George Beuchel. "Nachdem es seit Januar mit dem Lohn funktioniert hat, waren die Mitarbeiter fürs Erste beruhigt. Und jetzt wird es langsam spannend. Wir fragen uns, wie es mit uns weitergeht. Bleiben wir in kommunaler Hand oder gehen wir in die Privatisierung. Was ist mit unseren Standorten?", beschreibt Beuchel die Gemütslage.

80 Kündigungen bei Regiomed "im normalen Rahmen"

Seit der Insolvenz haben seit Januar etwa 80 Mitarbeiter gekündigt. Das ist laut Beuchel erstaunlich wenig und liegt bei der Größe des Unternehmens in normalem Rahmen. Das könne sich aber schlagartig ändern. "Wir warten auf den Tag, an dem uns der neue Investor präsentiert wird, und danach werden die Mitarbeiter entscheiden, ob sie bei der Stange bleiben oder das Weite suchen", sagt Beuchel.

Wenn wir schließen müssten, würden wir eine große Lücke hinterlassen."

George Beuchel Betriebsrat

Regiomed-Betriebsrat hofft auf kommunale Träger

Allein bei der Medinos Kliniken GmbH sind im Landkreis Sonneberg 750 Jobs betroffen. Das Krankenhaus hat sich mit einem Herz-Katheter-Labor auf Gefäßerkrankungen spezialisiert. Die Patienten kommen nicht nur aus den Kreisen Sonneberg und Hildburghausen, sondern auch aus Coburg oder Lichtenfels in Bayern. "Wenn wir schließen müssten, würden wir eine große Lücke hinterlassen", sagt Betriebsrat Beuchel. Er hofft, dass es bei einer kommunalen Trägerschaft bleibt. So hätten kleinere Häuser wie die in Sonneberg und in Neuhaus am Rennweg noch eher eine Überlebenschance.

Ein Mann auf einem Krankenhausflur.
Betriebsrat George Beuchel hofft auf eine gute Zukunft für die Regiomed-Beschäftigten. Bildrechte: MDR/Bettina Ehrlich

Investorengespräche für einzelne Gesellschaften

Für die einzelnen Gesellschaften laufen gerade Investorengespräche. Die gute Nachricht von Hauptgeschäftsführer Michael Musick ist, dass es für jedes der Unternehmen Interessenten gibt. Allerdings liefen die Gespräche sehr unterschiedlich. "Manche gut, manche aber auch schlecht. Weil immer wieder neue Sachverhalte auf den Tisch kommen, auf die wir in der Tiefenprüfung stoßen. Das sind Themen die jetzt nicht nur drei, vier, fünf Jahre alt sind, sondern teilweise auch mal 20 Jahre zurückliegen", sagt Musick.

Generell gebe es bei den Investoren ein ständiges Kommen und Gehen. Anfangs sei das Interesse sehr groß gewesen. "Dann sind einzelne Investoren abgesprungen und neue wieder dazugekommen. Aber ich denke, das hängt momentan auch ganz stark mit den politischen Rahmenbedingungen zusammen", spielt Musick auf die geplante neue Krankenhausfinanzierung des Bundes an.

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch im Büro.
Regiomed-Hauptgeschäftsführer Michael Musick erwartet eine Umstruktuierung des Konzerns. Bildrechte: Regiomed-Kliniken GmbH

Leider sei diese Finanzierung immer noch nicht geklärt. Und das mache es für Regiomed als Verbund nicht einfacher. Wenn für jede Gesellschaft andere Betreiber gefunden werden, wird eine Zerschlagung des Konzerns immer wahrscheinlicher. "Mir ist die gesamte regionale Medizinstrategie viel wichtiger. Und die ist für mich nicht vom Träger abhängig", sagt der Hauptgeschäftsführer.

Die Betreiber könnten auch künftig medizinisch miteinander kooperieren. So müssten "einrichtungsübergreifende Kooperationsmodelle" vereinbart werden. Nur so könnten die Menschen in der ländlichen Region noch gut medizinisch versorgt werden. Aber den Regiomed-Konzern "eins zu eins wie wir ihn kennen" werde es dann nicht vermutlich mehr geben.

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MDR (bee/mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. April 2024 | 19:00 Uhr

19 Kommentare

Huxley vor 4 Wochen

Jetzt jammern sie mal nicht so rum....
Eine reine Zahl sagt überhaupt noch nichts über die Qualität aus und im Vergleich zu den DDR Kliniken hat ja wohl das Gesundheitssystem heute selbst für einen Bürgergeldempfänger mehr zu bieten als die DDR Kliniken.

Ich empfehle den MDR Artikel: "Gesundheitswesen der DDR: Vom Elend der Krankenhäuser".... da viel glaube ich der Begriff 'Charme eines Kriegslazaretts'.

kleinerfrontkaempfer vor 4 Wochen

Man folgt nur dem Gesetz der Serie.
Seit 1990 wurden im Beitrittsgebiet von 266 Krankenhäusern bereits 93 geschlossen.
Im ländlichen Raum wird sich das weiter und mit aller Härte fortsetzen.
Die Berliner Vorgabe Gewinne zu erwirtschaften in einem 2-Klassen-KV-System und neuer "Krankenhausreform" wird die Kommunen und freigemeinnützigen KRankenhäuser an den Rand des Zusammenbruchs führen.

Mediator vor 4 Wochen

An diesem Beispiel sieht man mal wieder wie komplex der Gesundheitssektor ist. Auch wenn jeder sich ein Krankenhaus um die Ecke wünscht kann es dass leider nicht geben, weil sich das kein Mensch leisten kann und in solchen kleinen Häusern allenfalls eine Basisversorgung möglich wäre.

Wie schon weiter unten angesprochen macht eine Spezialisierung in Zentren durchaus Sinn, denn wer will sich schon von einem Arzt behandeln lassen, der sich freut, dass er endlich mal so einen Fall behandeln dard, den er alle Jubeljahre sieht.

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