Trockenheit Mehr Wasser für die Apfelstädt: Probebetrieb startet im Kreis Gotha

Am Mittwoch startet ein Probebetrieb, der den Fluss Apfelstädt im Landkreis Gotha mit mehr Wasser versorgen soll. Talsperren sollen bei Bedarf mehr Wasser in das Flussbett abgeben. Die Trockenheit des Flusses ruft seit zwei Jahren Umweltschützer und Anwohner auf den Plan.

Ein Fluss führt wenig Wasser.
Seit Jahren ist der Wasserpegel der Apfelstädt im Sommer niedrig. Bildrechte: Quelle/Rechte: MDR/Robert Müller

Für den von Trockenheit geplagten Fluss Apfelstädt (Landkreis Gotha) zeichnet sich eine Lösung ab. Ab Mittwoch soll ein Probebetrieb der Talsperren starten, bei dem bei Bedarf mehr Wasser in das Flussbett abgegeben wird. Das teilte die Thüringer Fernwasserversorgung (TFV) am Dienstag mit. Die Pläne wurden am Dienstagabend vor Ort vorgestellt.

Konkret geht es um die Talsperren Schmalwasser und Tambach-Dietharz. Sie sollen im niederschlagsstarken Winterhalbjahr weniger Wasser abgeben. Das dadurch zusätzlich zur Verfügung stehende Wasser soll dann in den sommerlichen Trockenperioden in die Apfelstädt fließen.

Ergebnisse sollen jährlich aufgearbeitet werden

Der Probebetrieb wurde laut Fernwasserversorgung mit dem Landkreis Gotha und dem Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz (TLUBN) abgesprochen. Auch der Landesanglerverband und die Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" seien eingebunden gewesen, hieß es. Der Probebetrieb soll mit einem Monitoring umfassend dokumentiert werden. Die Ergebnisse werden laut Fernwasserversorgung jährlich aufgearbeitet.

Bürgerinitiative zeigt sich zufrieden

Nach einer emotionalen Debatte im Bürgerhaus in Apfelstädt zeigte sich der Vertreter der Bürgerinitiative, Rico Heinemann, zufrieden mit dem Weg, der jetzt eingeschlagen wurde. Die 400 Liter/Sekunde mehr Wasser aus den Talsperren für die Apfelstädt seien ein guter Anfang. Man sei zufrieden, dass nach jahrelangem Kampf Bewegung in das Thema komme. In weiteren Gesprächen solle aber auch die rechtliche Frage der Wassernutzung durch die TFV für den Betrieb der Westringkaskade für die Stromversorgung noch einmal auf den Tisch kommen, forderte Heinemann.

Streit eskaliert seit Jahren

Die Trockenheit der Apfelstädt hatte in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Umweltschützer und Anwohner auf den Plan gerufen. Erst im Juni hatte die Bürgerinitiative "Lebensraum Apfelstädt" Anzeige bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Gotha erstattet. Grund waren die geringe Wasserabgabe aus den Talsperren Ohra, Schmalwasser und Tambach-Dietharz. Zuvor konnte im Januar eine Anhörung im Thüringer Landtag keine Annäherung der Konfliktparteien im Streit um die Wasserabgabe erreichen.

Grund für den Streit ist, dass kurz hinter dem Quellgebiet der Apfelstädt das Wasser gestaut wird. Zwischen Tambach-Dietharz und Luisental sind zwischen 1905 und 1993 insgesamt drei Talsperren gebaut worden, aus denen Teile von Thüringen mit Trinkwasser versorgt werden: Die Ohra-Talsperre, die Schmalwasser-Talsperre und die Talsperre Tambach-Dietharz.

Seit 2020 wird ein Teil des Wassers der Tambacher Talsperre für die Stromproduktion genutzt. Weil die damit betriebenen Wasserkraftwerke abseits des Flusses liegen, fließt das für den Betrieb der Turbinen genutzte Wasser nicht zurück in die Apfelstädt. Seitdem eskaliert der Streit um das Wasser immer mehr. Die Bürgerinitiative fordert, mehr Wasser in die Apfelstädt zu leiten, damit der Fluss nicht trockenfällt. Durch den Wassermangel im Fluss sei der natürliche Lebensraum der Apfelstädt gefährdet.

Mehr zur Apfelstädt

MDR (kk,jn)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 06. September 2022 | 19:30 Uhr

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