Ermittlungen gegen Gothaer Drogenhändlerring Rechtsanwalt soll in illegale Geschäfte mit Neonazi-Rockern verwickelt sein

Ein Rechtsanwalt aus Hessen hat nach Informationen von MDR THÜRINGEN einem Gothaer Neonazi-Drogenhändlerring beim Kauf von Immobilien geholfen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Geldwäsche in 42 Fällen vor.

Teilnehmer werden von Polizisten vor dem Veranstaltungsgelände Hotel Neisseblick an der Grenze zu Polen kontrolliert.
Ein Gothaer Neonazi-Drogenhändlerring wurde nach Recherchen von MDR THÜRINGEN von einem hessischen Rechtsanwalt beim Immobilienkauf unterstützt. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Paul Sander

Ein Rechtsanwalt aus Hessen soll den mutmaßlichen Gothaer Neonazi-Drogenhändlerring maßgeblich unterstützt haben. Das ergaben Recherchen von MDR THÜRINGEN. Demnach soll Dirk Waldschmidt über eine Firma seiner Lebensgefährtin eine Immobilie für die Neonazi-Rocker in Gotha gekauft haben. Dort sollte ein zweites Bordell der Rechtsextremisten entstehen, die in der Stadt bereits ein Bordell eröffnet hatten.

Beim Kauf 2020 trat der Anwalt mit Vollmacht für die Immobilienfirma auf. Tatsächlich soll er im Auftrag der sogenannten Turonen gehandelt haben, einer rechtsextremen Bruderschaft, die den Drogenhändlerring geführt haben soll.

Geldwäsche in 42 Fällen

Nach Recherchen des MDR wirft die Staatsanwaltschaft dem Anwalt Geldwäsche in 42 Fällen und gewerbsmäßigen Drogenhandel in drei Fällen vor - davon einer gepaart mit Erpressung. Waldschmidt hatte offenbar neben der Geldwäsche die Aufgabe, das Turonen-Netzwerk juristisch zu schützen - so die Ermittler. Die Geldwäsche soll nach MDR-Recherchen über zwei Firmen abgewickelt worden sein. So soll Waldschmidt Gelder aus dem Drogenhandel der Rechtsextremen als Gehälter an mutmaßliche Bandenmitglieder gezahlt haben.
Das Geld soll dann zurück in die Bordelle, die Szene oder den Drogenkauf geflossen sein. Außerdem soll Waldschmidt dem NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben über Monate Zuwendungen in Höhe von 450 Euro pro Monat gezahlt haben.

Seit Ende Februar in Untersuchungshaft

Ende Februar war die Polizei mit einer großangelegten Razzia in drei Bundesländern gegen den mutmaßlichen Neonazi-Drogenhändlerring vorgegangen. Über 500 Beamte waren dabei im Einsatz. Die Ermittler beschlagnahmten Drogen, zahlreiche Waffen und 120.000 Euro in bar. Auch Waldschmidts Wohnung und Kanzlei in Hessen wurden durchsucht.
Seitdem sitzt der Rechtsanwalt gemeinsam mit sieben weiteren Verdächtigen in Untersuchungshaft. Der Jurist war bereits bei Veranstaltungen der Neonazi-Kleinstpartei "Der III. Weg" aufgetreten und hatte Funktionen in der hessischen NPD inne. Seine Verteidigerin Nicole Schneiders sagte dem MDR auf Anfrage, ihr Mandant sei kein Rechtsextremist. Zu den Vorwürfen der Geldwäsche äußerte sie sich nicht.

Netzwerk "Bruderschaft Thüringen" Bei der "Bruderschaft Thüringen" handelt es sich um ein Neonazi-Netzwerk, zu dem laut Verfassungsschutz, die Gruppen "Turonen" und "Garde 20" gehören. Nach einer groß angelegten Razzia Ende Februar sitzen acht Beschuldigte in Untersuchungshaft. Ihnen wird organisierter Drogenhandel und Geldwäsche vorgeworfen.

Quelle: MDR THÜRINGEN, pow

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Exakt - Die Story: Gegen den Staat – die Netzwerke der Neonazi-Anwälte | 19. Mai 2021 | 20:45 Uhr

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