Russland Jakutsk – die kälteste Stadt der Welt

Jakutsk ist die kälteste Großstadt der Welt. Acht Monate dauert der Winter und die Temperaturen fallen an manchen Tagen auf minus 60 Grad Celsius. Dennoch leben in der russischen Stadt etwa 300.000 Menschen.

Blick auf einen hölzernen Turm der ehemaligen Stadtmauer.
Bildrechte: IMAGO

Wer sich einmal so richtig durchfrieren lassen will, sollte ins russische Jakutsk reisen. Im tiefsten Sibirien am Fluss Lena gelegen, ist der Ort die kälteste Großstadt der Welt. Jakutsk ist auf Permafrostboden gebaut, der niemals auftaut. Der Winter dauert dort lange acht Monate, von Oktober bis Mai. Im Dezember und Januar ist es stets besonders eisig, dann sind minus 45 Grad die Regel, aber auch minus 60 Grad sind an manchen Tagen durchaus möglich. Trotzdem leben etwa 300.000 Menschen in der Stadt und trotzen der ewigen Kälte.

Jakutsk
Jakutsk: eine junge und moderne Stadt in Sibirien Bildrechte: IMAGO

Besondere Attraktion in Jakutsk: das Maultrommelmuseum

Jakutsk ist eine relativ junge Stadt. 1643 soll sie von russischen Siedlern, die ausgezogen waren, um Sibirien zu erkunden, gegründet worden sein. Seither war Jakutsk Ausgangspunkt zahlreicher Expeditionen ins Innere Sibiriens.

Viele Sehenswürdigkeiten hat die 5.000 Kilometer von Moskau entfernt liegende Stadt aber nicht zu bieten. Nur wenige architektonische Zeugnisse haben in der kleinen Altstadt die extremen Witterungsbedingungen überstanden. Mit einer einzigartigen Attraktion kann Jakutsk allerdings aufwarten: mit einem Maultrommelmuseum. Das Museum besitzt eine reiche Sammlung von Maultrommeln aus aller Welt und veranstaltet auch regelmäßig Konzerte. Die Maultrommel gehört zu den Nationalinstrumenten Jakutiens.

Ostrog-Turm in Jakutsk
Eines der wenigen architektonische Zeugnisse in Jakutsk: ein Holzhaus, das einst zur Stadtmauer gehörte. Bildrechte: IMAGO

Auf dem Markt in Jakutsk

Will man in der harten sibirischen Kälte seinem Alltag nachgehen, muss auf jeden Fall die Kleidung stimmen – wie etwa bei den Händlern auf dem Markt der Stadt. Die Verkäufer tragen mehrere Lagen Kleidung übereinander und dicke Stiefel aus Elchfell. Frauen hingegen bevorzugen Stiefel aus Rentierfell, die am Schaft mit bunten Borten verziert sind.

Haendler Jakutsk
Fischhändler auf dem Markt in Jakutsk Bildrechte: IMAGO

Tiefgefroren: Fisch, Fleisch und Milch

Der Markt hat jeden Tag geöffnet. Es wird Gemüse feilgeboten, tiefgefroren natürlich. Ansonsten aber jede Menge Fisch und Fleisch: Rentier, Pferd, Rind und Schneehase. In Jakutien werden tatsächlich vorwiegend tierische Produkte verzehrt, fett und kalorienreich, damit man nicht "einfriert". Gedanken um die Kühlkette muss sich niemand machen: Das tief gefrorene Fleisch kann bis zur Zubereitung auf dem Balkon abgestellt werden. Vom Fisch ganz zu schweigen – man kann ihn einfach unter den Arm klemmen, nach Hause transportieren und ebenfalls in der Kälte abstellen. Milch gibt es auf dem Markt auch. Sie liegt in einer Kiste in massiven Blöcken. Ein Liter aus heimischer Produktion kostet umgerechnet nur etwas mehr als ein Euro.

Markt Jakutsk
Tiefgefrorene Milch auf dem Markt in Jakutsk Bildrechte: IMAGO

Schulfrei erst ab minus 45 Grad

Die extreme Kälte und der Permafrostboden bringen freilich etliche Schwierigkeiten mit sich. Die Häuser in Jakutsk müssen auf Betonstelzen errichtet werden, damit sie den Permafrostboden nicht durch Auftauung destabilisieren. Das Bauen wird dadurch extrem kostspielig. Auch die Trinkwassergewinnung ist nicht so einfach, denn schließlich müssen Brunnen gebohrt werden, die die hunderte Meter dicke Eisschicht durchdringen. Wichtig auch: Motoren dürfen bei den extremen Temperaturen nie ausgehen, weil sie sonst nicht wieder anspringen würden. Schulfrei gibt es in Jakutsk übrigens erst unterhalb von minus 45 Grad.

Jakutsk - Die kälteste Stadt der Welt

Jakutsk gilt als kälteste Stadt der Welt. Acht Monate dauert der Winter und die Temperaturen fallen auf -60 Grad Celsius. Dennoch leben in der Stadt etwa 300.00 Menschen und trotzen der Kälte.

Jakutsk
Jakutsk – im tiefsten Sibirien am Lena-Fluss gelegen – ist die kälteste Großstadt der Welt. Bildrechte: IMAGO
Jakutsk
Jakutsk – im tiefsten Sibirien am Lena-Fluss gelegen – ist die kälteste Großstadt der Welt. Bildrechte: IMAGO
Blick auf einen hölzernen Turm der ehemaligen Stadtmauer.
Die Stadt ist schon fast 400 Jahre alt. 1643 soll sie offiziell gegründet worden sein... Bildrechte: IMAGO
Ostrog-Turm in Jakutsk
Leider haben nur wenige architektonische Zeugnisse  - wie hier das alte Stadttor – die Zeit und die harten Witterungsbedingungen überstanden. Bildrechte: IMAGO
Haendler Jakutsk
Will man in der harten sibirischen Kälte seinem Alltag nachgehen, muss auf jeden Fall die Kleidung stimmen – wie etwa bei dieser Marktverkäuferin. Bildrechte: IMAGO
Markt Jakutsk
Milch, tiefgefroren, gewissermaßen am Stück, auf dem Markt. Der Liter Milch aus heimischer Produktion kostet nur etwas mehr als einen Euro. Bildrechte: IMAGO
Gefrorene Tiere
Und beim Fleisch muss man sich im Winter keine Gedanken um die Kühlkette machen. Das tief gefrorene Stück kann bis zur Zubereitung zu Hause auf dem Balkon abgestellt werden. Bildrechte: IMAGO
Gefrorene Fische
Vom Fisch ganz zu schweigen – so ein schönes Exemplar frisch vom Markt kann einfach unter den Arm geklemmt und nach Hause transportiert werden. Bildrechte: IMAGO
Eishöhle
Im Übrigen kommen auch Kunstfreunde in Jakutsk auf ihre Kosten. Wie etwa hier bei einer Eisskulpturenausstellung im "Königreich des ewigen Eises". Bildrechte: IMAGO
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 09. Dezember 2020 | 21:45 Uhr

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