Slowakei: Kuciak-Mord Prozessauftakt im Mordfall des Journalisten Kuciak

Heute beginnt der Prozess im Mordfall des Investigativ-Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten, die Anfang 2018 in ihrem Haus erschossen wurden. Angeklagt ist unter anderem ein Unternehmer. Der Gerichtsprozess wird voraussichtlich mehrere Monate dauern.

Der Mord am Journalisten Jan Kuciak und seiner Verlobten Martina Kušnírová am 21. Februar 2018 überschattet bis heute die slowakische Politik. Angeklagt sind der Unternehmer Marian Kočner als mutmaßlicher Auftraggeber und drei vermutliche Organisatoren und Ausführende des Doppelmordes. Ein geständiger Mittäter hat der Polizei wertvolle Informationen geliefert und bekommt dafür ein eigenes Verfahren mit einer voraussichtlich milderen Strafe. Der Gerichtsprozess dürfte mehrere Monate dauern und international zum bislang meistbeachteten Verfahren in der Slowakei werden.

Auftragsmord sehr wahrscheinlich

Der 27-jährige Jan Kuciak und seine Verlobte Martina Kušnírová waren am 21. Februar 2018 in ihrem Haus im westslowakischen Dorf Velka Maca erschossen worden. Die slowakischen Behörden gehen von einem Auftragsmord aus, da der Journalist zuletzt zu Korruption in Politik und Wirtschaft recherchiert hatte.

Jan Kuciak war vielen unangenehm

Trauernde Menschen stehen an einem Sarg, ein Priester spricht ein Gebet.
Jan Kuciak wurde im März 2018 in seinem Heimatdorf im Nordwesten der Slowakei beigesetzt. Bildrechte: imago/CTK Photo

Kuciak hatte mehrere komplizierte Fälle von Steuerbetrug aufgedeckt, die auf dem Internet-Nachrichtenportal "aktualne.sk" veröffentlicht worden waren, für das Kuciak seit 2015 arbeitete und das zum Verlag Ringier Axel Springer Slovakia gehört. Im Visier der Recherchen des slowakischen Journalisten war auch der nun angeklagte Unternehmer und frühere Kandidat für das Oberbürgermeisteramt von Bratislava, Marian Kočner. Es ging dabei unter anderem um auffällige Überweisungen im Zusammenhang mit Luxusimmobilien.

Regierungspartei stand im Fokus der Recherchen

Aus der Redaktion hieß es, Kuciak habe "viele einflussreiche Leute und Gauner" mit seinen Recherchen gestört. So berichtete der Journalist über dubiose Geschäftsbedingungen von Unternehmern mit der damaligen größten Regierungspartei, der sozialdemokratischen Smer, deren Parteichef der damalige slowakische Premier Fico ist. In Verdacht geraten war dabei zuletzt sogar der Innenminister Robert Kalinak, der sämtliche Vorwürfe zurückwies. Kalinak hatte sich zuletzt über die Arbeit von investigativen Journalisten beschwert.

Investigativ-Journalismus im Land boomt

Eine direkte Verbindung zwischen dem Mord und slowakischen Politikern hat sich bisher jedoch nicht bestätigt. Tibor Macák, Generalsekretär der Vereinigung der Europäischen Journalisten (AEJ), sagte dem MDR in einem Interview, dass nach dem Mord die Zahl der Investigativjournalisten in der Slowakei gestiegen ist und viele politische und unternehmerische Skandale bekannt geworden sind. In Gedenken an Jan Kuciak haben slowakische Medienvertreter ein Investigativ-Zentrum gegründet, das seinen Namen trägt. Das "ICJK" soll Korruption, organisiertes Verbrechen und deren Verflechtungen zu Politik aufdecken.

Kuciak-Mord bringt Veränderungen im Land

Nach dem Mord an Jan Kuciak gab es große Demonstrationen im ganzen Land. Mehrere Politiker, darunter auch der damalige Regierungschef Robert Fico, waren zurückgetreten. Es wurde eine neue Regierung gewählt. Die neue Präsidentin des Landes, Zuzana Čaputová, steht für die moralische Erneuerung, die sich viele Slowaken inzwischen dringend wünschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL FERNSEHEN | 30. März 2019 | 19:30 Uhr

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