Israelische Soldaten beziehen Stellung
Israelische Soldaten beziehen Stellung an der Grenze zum Gaza-Streifen. Bildrechte: picture alliance/dpa/AP | Ilan Assayag

Krieg in Israel Israel riegelt Gazastreifen ab

09. Oktober 2023, 18:02 Uhr

Die israelische Armee hat nach eigener Aussage wieder die Kontrolle über die von der radikalen Hamas attackierten Grenzgebiete und riegelt jetzt den von der Hamas beherrschten Gazastreifen ab. Zudem greift die israelische Armee Ziele im Libanon an. Seit Beginn der Kämpfe starben mehr als 1.100 Menschen. Für Entsetzen sorgen Berichte über ein Massaker bei einem Festival. Dazu kommen Geiselnahmen, auch Deutsche sind in der Hand militanter Palästinenser. Israel mobilisierte 300.000 Reservisten.

Die israelische Regierung hat nach dem Großangriff der islamistischen Hamas angeordnet, den Gazastreifen komplett abzuriegeln. Verteidigungsminister Joav Galant kündigte einen Lieferstopp für Strom, Lebensmittel und Treibstoff an.

Am Montagmittag hatte die israelische Armee gemeldet, sie habe die Kontrolle über die von der Hamas angegriffenen Grenzorte auf israelischem Gebiet zurückerlangt. Zuvor war noch von mehreren umkämpften israelischen Ortschaften die Rede und 1.000 bewaffneten Palästinensern in Israel. Das israelische Militär mobilisierte am Montag rund 300.000 Reservisten. Das ist die größte Mobilisierung ihrer Geschichte in so kurzer Zeit.

Zudem werden nach israelischen Angaben vom Wochenende Dutzende Israelis im Gazastreifen festgehalten. Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich unter Verschleppten auch deutsche Staatsangehörige befinden, die einen israelischen und deutschen Pass haben.

Israel greift Ziele im Libanon an

Wie das Militär mitteilte, griff Israel zudem mit Kampfhubschraubern Ziele im Libanon an. Soldaten hatten zuvor eigenen Angaben nach mehrere bewaffnete Verdächtige erschossen, die vom nördlichen Nachbarland aus nach Israel vorgedrungen waren. Man suche nach weiteren Verdächtigen, hatte das Militär mitgeteilt. Nach israelischen Medienberichten kam es zu Schusswechseln. Das israelische Fernsehen berichtete, Einwohner im Norden des Landes seien angewiesen worden, in Schutzräumen zu bleiben.

Die eng mit dem Iran verbündete Schiitenorganisation Hisbollah dementierte eine Beteiligung an dem Vorfall, auf den Israel mit Beschuss von Zielen im Süden des Nachbarlandes reagierte. Sicherheitskreise im Libanon vermuten, dass militante Palästinenser hinter dem Angriff auf Israel stehen. Die Hisbollah hatte am Sonntag die Verantwortung für einen Raketenbeschuss aus dem Südosten Libanons auf israelisches Grenzgebiet übernommen. Israel und der Libanon befinden sich offiziell im Kriegszustand.

Kämpfe dauern an

Den israelischen Angaben zufolge wurden bei den palästinensischen Angriffen ungefähr 700 israelische Zivilisten und Soldaten getötet. Bei den Gegenangriffen starben nach Palästinenserangaben mehr als 400 Menschen.

Laut israelischer Armee wurden die Bombardements auf Ziele im Gazastreifen in der Nacht zum Montag fortgesetzt. Kampfjets, Hubschrauber, Flugzeuge und Artillerie hätten mehr als 500 Ziele der Hamas und der militanten Palästinensergruppe Islamischer Dschihad beschossen. Der Einsatz dauere an. Die USA kündigten an, zur Unterstützung Israels einen Flugzeugträger und weitere Kriegsschiffe ins östliche Mittelmeer zu verlegen.

Entsetzen nach Berichten über Massaker bei einem Festival

In Israel und international für Bestürzung sorgen Berichte, wonach Hamas-Kämpfer beim Angriff am Samstag auf ein Musikfestival in der israelischen Negev-Wüste ein Blutbad angerichtet haben soll. Überlebende berichteten in sozialen Netzwerken von einem Massaker, bei dem bewaffnete Angreifer wahllos um sich gefeuert hätten.

Nach Angaben des Rettungsdienstes Zaka wurden allein auf dem Festivalgelände 260 Menschen ermordet. Sanitäter berichteten von unvorstellbaren Szenen. Israelischen Medien zufolge sollen mehrere Frauen vergewaltigt worden sein, bevor sie getötet oder verschleppt wurden.

Viele ausländische Touristen sitzen fest

Nach mehreren internationalen Fluggesellschaften wie United Airlines, Delta, Air France und Lufthansa stellte nun auch die chinesische Hainan Airlines ihre Flüge nach Tel Aviv ein. Viele Staaten, darunter Deutschland, reagierten mit Reisewarnungen für Israel. Viele Touristen, die vor dem Angriff der Hamas nach Israel eingereist waren, haben nun ein Problem, wieder in die Heimat zu kommen. Erste Staaten wie Rumänien und Polen fliegen Staatsangehörige mit Sondermaschinen aus.

Die Hamas hatte ihre Angriffe am Samstagmorgen gestartet und Tausende Raketen auf Ziele in Israel abgefeuert. Das israelische Sicherheitskabinett rief den Kriegszustand aus, die Armee reagierte mit Vergeltungsschlägen.

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Jerusalem im Mai 2021: Israelische Polizisten mit festgenommenen Palästinensern nach Zusammenstößen auf dem Tempelberg Bildrechte: picture alliance/dpa | Ilia Yefimovich

EU und Deutschland stoppen Entwicklungshilfe für Palästinenser

Nach den Hamas-Terrorangriffen in Israel setzt die Europäische Union alle Zahlungen an die Palästinenser aus. EU-Erweiterungskommissar Oliver Varhelyi zufolge stehen alle Projekte auf dem Prüfstand. Er schrieb beim Kurznachrichtendienst X: "Das Ausmaß des Terrors und der Brutalität gegen Israel und seiner Bevölkerung ist ein Wendepunkt." Damit sind Hilfen von insgesamt 691 Millionen Euro vorerst eingefroren. Ähnlich reagierte Deutschland. Entwicklungsministerin Svenja Schulze zufolge werden die Zahlungen "vorübergehend ausgesetzt". Ein Großteil der rund zwei Millionen Menschen im weitgehend abgeriegelten Gazastreifen lebt in Armut und ist auf Hilfe angewiesen.

dpa, AFP (ans)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 09. Oktober 2023 | 09:00 Uhr

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