Fingerarthrose Was tun, wenn jeder Handgriff schmerzt?

Millionen Deutsche leiden unter Schmerzen durch Arthrose. Besonders häufig betroffen sind die kleinen Gelenke der Finger, vor allem bei Frauen. Doch die Abnutzung kann aufgehalten werden und Symptome wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen lassen sich mit gezielten Therapien erfolgreich lindern.

Knöpfe öffnen oder schließen oder den Haustürschlüssel umdrehen: Mit Arthrose in den Fingergelenken werden alltägliche Aufgaben zur ständigen Herausforderung. Damit die Bewegungen der Gelenke reibungslos funktionieren, müssen Knorpel und Knochen wie geschmiert zusammenarbeiten. Doch je älter wir werden, umso mehr nutzt sich der Knorpel ab. Die Folge: Knochen reibt auf Knochen und das verursacht Schmerzen, Entzündungen und Gelenkschwellungen. Auch die Beweglichkeit ist eingeschränkt und es fehlt die Kraft, ein fester Griff etwa beim Öffnen einer Flasche wird nahezu unmöglich.

Warum das besonders ältere Frauen trifft, ist medizinisch noch nicht geklärt. Die gute Nachricht: Mit einer frühzeitigen Behandlung lässt sich das Fortschreiten der Arthrose aufhalten, und auch die Beschwerden bekommt man im wahrsten Sinn des Wortes wieder gut in den Griff. Die wichtigste Botschaft: Mit der Therapie nicht zu lange warten, denn ist das Gelenk einmal zerstört, lässt sich das nicht mehr rückgängig machen!

Orthese gegen Rhizarthrose aus dem 3D-Drucker

Der Daumen ist aufgrund seiner großen Beweglichkeit besonders anfällig für Arthrosebeschwerden. Vor allem Frauen über 50 leiden darunter. Häufig ist das sogenannte Daumensattelgelenk von einem Verschleiß betroffen. Helfen können dann individuell angepasste Orthesen.

Orthese Eine Orthese ist ein orthopädisches Hilfsmittel. Es wird getragen, um Gelenke und Muskeln zu stützen. Zu den Hilfsmittel gehören Bandagen, Schienen und auch Korsette.

Die neueste Generation dieser Daumenorthesen kommt aus dem 3D-Drucker. Mit einem 3D-Scan wird die Hand genau ausgemessen. Dazu ist es wichtig, dass sie bereits mit einer Übergangsorthese korrigiert wurde, um weitere Fehlstellungen mit der neuen Orthese zu verhindern. In nur fünf Minuten ist die Messung erledigt. Diese neue Fertigungsmethode ist schneller und vor allem viel genauer, erklärt Orthopädiemeisterin Alexandra Liebe vom Sanitätshaus Liebe in Wernigerode: "Durch den Scan erhalte ich die Hand und die Orthese so, wie sie an der Hand sein sollte. Und das ist eigentlich viel besser, als einen Gipsabdruck zu machen, da passieren Fehler."

Osteuropa

3-D-Drucker 2 min
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Schneller angefertigt – aber noch nicht im Hilfsmittelkatalog

Für die bisherigen Orthesen aus Karbon waren viele Arbeitsschritte und Kundenbesuche nötig und es mussten aufwendige Gipsabdrücke gemacht werden. Bei der neuen Technologie fällt das alles weg. Die Printorthese hat auch optische Vorzüge. Aber sie sieht eben nicht nur besser aus: "Die neuartige  Orthese ist an der Hand flexibler, weil sie aus flexiblerem Material ist", weiß Orthopädiemeisterin Alexandra Liebe. Außerdem ist sie haltbarer und kostet zudem "nur" genauso viel wie das Vorgängermodell aus Karbon. Doch noch ist die neue Technologie nicht im Hilfsmittelkatalog der Gesetzlichen Krankenkassen gelistet.

Mit der richtigen Ernährung Beschwerden lindern

Da Arthrose häufig mit starken Entzündungen einhergeht, kann eine anti-entzündliche Ernährung helfen. Dazu sollte man weitestgehend auf Fleisch und Kuhmilch-Produkte verzichten, beides fördert Entzündungen. Schuld daran ist die Arachidonsäure. Sie ist vor allem in Schweinefleisch und den meisten Wurstsorten enthalten. Aus ihr werden im Körper entzündungsfördernde Signalstoffe gebildet.

Stattdessen sollte viel frisches Gemüse auf dem täglichen Speiseplan stehen. Auch pflanzliche Öle mit viel Omega-3-Fettsäuren wirken gegen die Entzündungen, sie sind besonders reichlich enthalten in Raps- und Leinöl und in grünem Blattgemüse, Leinsamen, Soja oder Walnüssen. Eine Besserung der Beschwerden stellt sich meist schon nach drei bis Wochen ein.

Bewegung beugt Schmerzen vor

Auch wenn es im ersten Moment nicht sehr verlockend klingt: Gegen Schmerzen hilft Bewegung. Für viele Patienten ist das ein Teufelskreis, denn je mehr Schmerzen sie haben, umso weniger werden die Finger bewegt und durch das Schonen schreitet die Arthrose immer weiter fort. Doch durch sanfte Bewegungen wird die Durchblutung gefördert, die Knorpel können wieder mit wichtigen Nährstoffen versorgt werden.

Selbsthilfeprogramm von Handtherapeut Reiner Grimm: Handbad mit weißen Bohnen

Das Motto lautet: Richtig belasten, statt falsch zu entlasten. Arthrose-Schmerzen sind häufig bewegungsabhängig. Um die Fingergelenke trotzdem möglichst schmerzarm bewegen zu können, hilft Wärme. Dazu etwa ein Kilogramm getrocknete weiße Bohnen in einer Schüssel in der Mikrowelle erwärmen. Dann die Hand in die Schüssel eintauchen und die Finger sanft gegen den Widerstand bewegen. Das regt die Durchblutung an und fördert die Beweglichkeit.

Wichtig ist dabei, dass die Bewegungen gelenkschonend und achsengerecht ausgeführt werden, wie die Experten das nennen. Das bedeutet: Man sollte nicht zu viel Kraft aufwenden müssen und die Bewegungen sollten möglichst in natürlichen Bewegungsbahnen verlaufen. Ideal ist es, sich das einmal vom Therapeuten zeigen und erklären zu lassen. Eine Linderung der Beschwerden tritt in leichten Fällen schon nach wenigen Tagen ein. Bei akuten Entzündungsschüben helfen übrigens eher kühlende Auflagen mit Quark oder einfachen Kühlkompressen, sie sollten nur nicht zu eisig sein.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 11. März 2021 | 21:00 Uhr

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