Rauchender Schornstein
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Der Redakteur | 07.12.2023 Wohin wendet man sich, wenn der Nachbarschornstein qualmt?

07. Dezember 2023, 18:01 Uhr

Rauchzeichen sind die teuersten Kommunikationsmittel. Das Verfeuern von nicht zugelassenen Brennstoffen oder gar Müll kann ordentlich Bußgeld kosten und mehr. Und verräterisch ist nicht nur der Rauch.

Thomas Becker
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Rauchzeichen sind die teuersten Kommunikationsmittel. Das Verfeuern von nicht zugelassenen Brennstoffen oder gar Müll kann ordentlich Bußgeld kosten und mehr. Und verräterisch ist nicht nur der Rauch.

Rauch steigt an einem Herbstmorgen im Gegenlicht der Sonne aus dem Schornstein eines Wohnhauses auf. 10 min
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Dr. Gerhard Fuchs, Leiter des Umweltamtes im Kreis Sömmerda, im Gespräch mit MDR-Redakteur Thomas Becker über unsachgemäß betriebene Öfen und rußende Schornsteine.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 07.12.2023 15:41Uhr 10:28 min

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Ruß verrät die Art der Brennstoffe

Wenn wir davon ausgehen, dass freundliche Ansprachen nichts gebracht haben, ist das Umweltamt des Kreises oder der Stadt der richtige Ansprechpartner. Die Behörde beauftragt den zuständigen Schornsteinfeger, der sich die Feuerungsanlage, den Schornstein und das Brennmaterial anschaut. Wer nun glaubt, dass sich mit dem Rauch auch die Beweise verflüchtigt haben, der irrt. Es gibt zum Beispiel Ascheschnelltests, die Hinweise geben auf die Art der Brennstoffe. Auch der Ruß im Kamin ist verräterisch, selbst wenn der Schornsteinfeger "nur" zum Fegen kommt.

Die Rußentwicklung kann der Schornsteinfeger aus seiner Erfahrung heraus sehr gut deuten.

Dr. Gerhard Fuchs, Leiter des Umweltamtes im Kreis Sömmerda

Sind die Hinweise eindeutig, schaffen Laboruntersuchungen Klarheit. In der Regel reicht es aus, wenn das Umweltamt den Betreiber der Anlage noch einmal eindringlich schriftlich darüber informiert, was in den Ofen gehört und was nicht. Hilft das nicht oder der Verstoß ist mehr als nur ein Versehen, passiert genau das Gleiche wie bei zu schnellem Fahren auf der Straße. Es wird ein Bußgeldverfahren eingeleitet, das mit der Erkenntnis enden kann, dass das Qualmen noch teurer ist als das Rasen.

Wer weiterqualmt, muss zahlen

Der Einsatz von nicht zugelassenen Brennstoffen in Kleinfeuerungsanlagen kostet in Thüringen zwischen 100 und 1.000 Euro Bußgeld, wer es trotz Untersagung nicht lässt und einfach weiterqualmt, ist dann auch schnell im § 325 des Strafgesetzbuches unterwegs, der neben Geld- auch Haftstrafen vorsieht. "Bei grob pflichtwidrigem Verstoß gegen vollziehbare Anordnung, Auflage oder Untersagung" schafft man es laut Thüringer Bußgeldkatalog, aus einem Bußgeld- ein Strafverfahren zu machen.

Wie gefährlich ist das eigentlich?

Müllverbrennung im heimischen Ofen ist nicht nur verboten, sondern auch dumm. Anders kann man die mutwillige Schadstoffbelastung des eigenen Wohnumfeldes nicht nennen. Nicht umsonst haben echte Müllverbrennungsanlagen teure Filter. Das Institut für Hygiene und Umwelt der Stadt Hamburg hat Holzaschen aus Kleinfeuerungsanlagen genauer untersucht und zeigt auf 40 Seiten, was unten rauskommt, wenn man oben ungeeignetes Material verfeuert: behandeltes oder lackiertes Holz, Kunststoffe, Schuhe und andere Dinge, die nicht in den Ofen gehören.

Bereits kleine Mengen reichen aus, um beträchtliche Schadstoffmengen freizusetzen, in der Asche und auch in der Luft. Dorthin gelangen toxische organische Verbindungen wie Dioxine/Furane (PCDD/F) und polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie hohe Konzentrationen an umweltrelevanten Schwermetallen.   

Bereits kleine Mengen an mitverbrannten belasteten Holzchargen oder Beimengungen wie zum Beispiel Verpackungsmaterial oder Kunststoffe können die Schadstoffgehalte in der Luft beträchtlich erhöhen.

Institut für Hygiene und Umwelt der Stadt Hamburg

Es ist also nicht nur ein bisschen Qualm, der irgendwann vom Winde verweht wird. Das Gleiche gilt auch für die Asche. Schon das Verbrennen von behandelten Holz- oder Spanplatten kann zu erheblichen Giftkonzentrationen in der Asche führen. Der alte Fensterrahmen zum Beispiel, der so wunderbar trocken ist.

Neben den bereits für die Luft thematisierten Schadstoffen haben die Hamburger Analysten auch reichlich Arsen gefunden. Das sollte man wissen, bevor man die Asche aus seinem "Öko"-Holzofen im heimischen Öko-Beet unterhebt.

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 07. Dezember 2023 | 16:40 Uhr

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