Zwei Monate nach Anschlag Ermittlungen und Prozess: Wie es nach dem Attentat in Halle weitergeht

Während die Ermittlungen nach dem Anschlag in Halle noch laufen, bereitet sich das Land schon auf den Prozess vor. Dieser findet in Halle oder Magdeburg statt. Derweil droht auch Innenminister Stahlknecht weiter Ärger.

Fotos der Landgerichte in Halle und Magdeburg.
Halle oder Magdeburg – wo der Prozess stattfindet ist noch offen. Bildrechte: imago/Christian Schrödter/MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Untersuchungen gegen den Attentäter von Halle, Stephan B., sind auch zwei Monate nach dem Anschlag noch nicht abgeschlossen. Das erklärte ein Sprecher des Generalbundesanwalts, der die Ermittlungen leitet. Erst wenn sie beendet sind, wird ein Termin für die Anklageerhebung festgelegt.

Halle oder Magdeburg – wo findet der Prozess statt?

Nach dem Eingang der Anklage wird dann entschieden, wo der Prozess durchgeführt wird. Klar ist, die Gerichtsverhandlung findet in Sachsen-Anhalt statt. Zur Auswahl stünden bislang das Justizzentrum in Halle und das Landgericht in Magdeburg, sagte ein Sprecher des Oberlandgerichts Naumburg.

Die Magdeburger "Volksstimme" berichtet, dass in der Landeshauptstadt für das Frühjahr 2020 bereits ein Gerichtssaal geblockt sei. Dabei soll es sich um die frühere Bibliothek im Landgericht Magdeburg handeln. Nach Angaben des Gerichtssprechers ist dies der größte Saal, der in Sachsen-Anhalt zur Verfügung steht. Man rechne mit einer größeren Anzahl an Nebenklägern, so der Sprecher.

Attentäter hat gestanden

Der Rechtsterrorist Stephan B. hatte am 9. Oktober versucht, in der halleschen Synagoge ein Massaker anzurichten. Er scheiterte an einer verschlossenen Tür und erschoss vor dem Gotteshaus eine Passantin und einen Mann in einem Dönerladen. Im nahen Wiedersdorf verletzte er anschließend zwei weitere Menschen schwer.

Kurz nach dem Anschlag wurde er gefasst und hat die Taten inzwischen gestanden. Laut Bundesanwaltschaft hat der 27-Jährige aus Benndorf bei Eisleben dabei auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv eingeräumt.

Anzeige gegen Innenminister Stahlknecht

Weiterhin offen ist auch, ob gegen Innenminister Holger Stahlknecht ermittelt wird. Er war wegen des fehlenden Polizeischutzes für die Synagoge am Tag des Anschlages angezeigt worden. Oberstaatsanwältin Heike Geyer sagte MDR SACHSEN-ANHALT, dass noch kein förmliches Ermittlungsverfahren eröffnet worden sei. Derzeit werde auf Unterlagen aus dem Landeskriminalamt gewartet, zur Sicherheitseinschätzung für die Synagoge. Diese Dokumente würden ausgewertet. Erst dann könne entschieden werden, ob sich aus der Anzeige ein Anfangsverdacht ergibt.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 11. Dezember 2019 | 17:30 Uhr

5 Kommentare

Denkschnecke vor 40 Wochen

"Aber ich glaube nicht, weil er eine bestimmte Tür beschädigt hat." Ich hoffe, Sie hoffen so wie ich, dass dieser Attentäter angemessen verurteilt wird. Weil er verssucht hat, so viele Juden wie möglich zu töten, und zwei Menschen tatsächlich erschossen hat und zwei weitere schwer verletzt.
Die von Ihnen erwähnte Sachbeschädigung können Sie da getrost vergessen.
Diese Tür ist (nur) deshalb wichtig, weil sie und nur sie zig Todesopfer verhindert hat.

Immen weiter verdrehen bis es passt vor 40 Wochen

Mal sind sie....
psychisch gestört,
unreif,
traumatisiert,
bildungsfern,
betrunken,
unter Drogen,
missverstanden,
kulturbedingte Handlungsweise,
religiöse Eigenheiten
usw.
Sie sind niemals selber schuld!
Bin gespannt ob eines zu trifft. Aber ich glaube nicht, weil er eine bestimmte Tür beschädigt hat.

Denkschnecke vor 40 Wochen

Komishce Probleme haben die beiden ersten Kommentatoren. Erst einmal ist mit dem "Land" die Verwaltung gemeint, die für eine derartige Tat und der zu erwartenden Zahl von Nebenklägern einen passenden Gerichtssaal finden muss.
Ich werde ja den Verdacht nicht los, dass eine Reihe von Zeitgenossen versuchen, diese beispiellose Tat (in Punkto Anzahl der tatsächlichen, vor allem aber beabsichtigten Opfer, geplantem Vorgehen und der Absicht, eine bestimmte Gruppe von Mitbürgern zu treffen) als singuläres Ereignis kleinzureden, während die selben Leute in Köthen oder Chemnitz eine Weltverschwörung am Werk sahen mit dem Ziel, Deutsche auszulöschen.

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