Problemfall Innenstadt Magdeburg: Der "Hassel" soll leben

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Stadtzentren stecken in der Krise. Dabei ist ihre Bedeutung für Städte immens. Auch Magdeburgs Ausgehviertel um den Hasselbachplatz hat Probleme. Trotz größter Anstrengungen von Gewerbetreibenden und vielen Ideen ist die Situation angespannt. Nun hat die Stadt zum zweiten Mal eine "Hasselmanagerin" angestellt. Reicht das?

Hasselbachplatz in Magdeburg 2008 am Abend
Der Hasselbachplatz in Magdeburg ist derzeit Verkehrsknotenpunkt und Ausgehviertel in einem. Bildrechte: dpa

Es ist nicht leicht für eine Stadt, wenn die Innenstadt leidet. Magdeburg weiß das nur zu gut. Jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, einmal mehr. Zu vielen Tageszeiten wirkt die Stadt wie ausgestorben – auch der sonst so belebte Hasselbachplatz scheint derzeit oft leer. Strenge Auflagen machen den vielen Bars, Clubs und Restaurants am "Hassel" zu schaffen.

Trotz der schweren Zeiten weigern sich die meisten von ihnen, aufzugeben. Von außen ist nicht immer sichtbar, dass hinter vielen Eingangstüren umgebaut wird. Viele Gastronomen nutzen die Coronazeit, um etwas Neues auszuprobieren, wenigstens Essen zum Mitnehmen anzubieten. Spürbar ist: Es geht längst nicht mehr nur ums wirtschaftliche Überleben. Es geht auch um den Kiez.

Doch viele sind frustriert. Weil trotzdem Kunden wegbleiben. Weil sie finden, dass in der Öffentlichkeit ein schlechtes Bild gezeichnet wird. Weil all die Mühe manchmal einfach keine Früchte trägt.

Es wäre schön, wenn hier nicht alles schlecht geredet wird, sondern mehr gezeigt wird, was der Platz bieten kann. Aber natürlich ist es gerade sehr hart, gerade mit dem zweiten Lockdown.

Mariya Shapochka, Barbetreiberin am Hasselbachplatz

"Städte sollten alles dafür tun, um ihre Zentren lebendig zu halten"

Mit dieser Situation, sagt Urbanistikforscher Frank Eckardt, steht der "Hassel" nicht alleine da. Weltweit hätten Städte Probleme, ihre Zentren lebendig zu halten. Und das schon vor Corona. Eckardt nennt als Gründe dafür den Onlinehandel und fehlende Aufenthaltsqualität.

Blick über den Hasselbachplatz mit seinen kreuzenden Straßenbahnschienen hinein in die Sternstraße.
Trotz riesiger Bemühungen der Läden und Gastronomen haben viele Innenstädte und Ausgehviertel nicht erst seit Corona mit Problemen zu kämpfen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Sind Stadtzentren überhaupt wichtig, wenn die Einwohner sie nur noch wenig nachfragen? Ja, sagt Frank Eckardt, denn Stadtzentren seien Wirtschaftsfaktor und ein Ort, um sich begegnen. Außerdem sorgten sie für kulturelles Angebot. Unter einem toten Stadtzentrum leide die ganze Stadt. Deshalb sollten Städte alles tun, was möglich ist, um das Zentrum zu erhalten. Dafür sollte sich die Stadt Wünsche und Bedürfnisse der Bevölkerung anhören und diese versuchen, umzusetzen.

Das Projekt "Dialog Zukunft Innenstadt"

Magdeburg ist derzeit mit den Einwohnern im Gespräch darüber, wie die Innenstadt künftig gestaltet werden soll. Unter dem Motto "Dialog Zukunft Innenstadt" läuft schon seit 2019 ein Projekt, bei dem alle Magdeburger mitmachen konnten. Zentrale Fragen waren:

  • Wo ist die Mitte?
  • Was macht die Innenstadt besonders?
  • Wo gibt es Handlungsbedarf?
  • Wie sieht unsere Innenstadt der Zukunft aus?


Die Antworten und Ideen werden derzeit ausgewertet.

Die Stadt hatte in diesem Jahr außerdem versucht, mit dem Projekt "Freiraumlabor" etwas Neues auszuprobieren. 150.000 Euro wurden dafür ausgegeben, um den Nordabschnitt des Breiten Weges zu beleben. Das Projekt wurde allerdings wenig angenommen und soll auch nicht wiederholt werden.

"Hassel": Image des Viertels kränkelt

Ein Teil der Innenstadt ist der Hasselbachplatz, der eine besondere Rolle einnimmt. Dem einstigen Ausgehviertel der Stadt blieben zuletzt zunehmend Kunden und Feierwillige weg. Viele gaben an, sie störten sich an der Atmosphäre. Besonders diskutiert: Die vielen Spätis und alkohltrinkenden Jugendlichen auf der Straße. Es sei laut und dreckig geworden, sagen einige, abends wirke die Stimmung manchmal bedrohlich oder aggressiv.

Die Statistiken der Polizei scheinen den subjektiven Eindruck nicht zu bestätigen. Trotzdem ist die Präsenz von Ordnungsamt und Polizei durch eine neue Stadtwache erhöht worden. Laut Frank Eckardt sind die Gründe, warum Ausgehverhalten sich ändert, ohnehin vielfältig und nicht an einem einzelnen Grund auszumachen. Trotzdem ist ein kränkelndes Image für einen Platz wie den "Hassel" ein Problem.

Ausgehviertel Magdeburg Was Passanten zum Hasselbachplatz denken

Immer wieder wird über die Zukunft des "Hassels" in Magdeburg diskutiert. Was denken eigentlich die Menschen vor Ort?

Eine junge Frau steht vor einer Hauswand und lächelt.
Sarah Kriener: "Der Hasselbachplatz könnte schöner sein. Hier gibt es sehr viel Verkehr. Gefühlt ist hier sehr wenig Leben. Schöne Cafés oder Sitzgelegenheiten fehlen gerade, könnte aber auch an Corona liegen. Manchmal finde ich es nicht so angenehm, wenn sich große Gruppen zusammenrotten die betrunken sind. Aber dem kann man mit einladender Atmosphäre und schönen Sitzmöglichkeiten bestimmt entgegenwirken. An sich hat der Hasselbachplatz großes Potential und gerade deshalb müsste man Bars, Kulturschaffende und Betriebe gerade besser finanziell unterstützen!" Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine junge Frau steht vor einer Hauswand und lächelt.
Sarah Kriener: "Der Hasselbachplatz könnte schöner sein. Hier gibt es sehr viel Verkehr. Gefühlt ist hier sehr wenig Leben. Schöne Cafés oder Sitzgelegenheiten fehlen gerade, könnte aber auch an Corona liegen. Manchmal finde ich es nicht so angenehm, wenn sich große Gruppen zusammenrotten die betrunken sind. Aber dem kann man mit einladender Atmosphäre und schönen Sitzmöglichkeiten bestimmt entgegenwirken. An sich hat der Hasselbachplatz großes Potential und gerade deshalb müsste man Bars, Kulturschaffende und Betriebe gerade besser finanziell unterstützen!" Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein junger Mann mit Rucksack lächelt in die Kamera. Im Hintergrund Bäume und eine Straße.
Tom Dietl: "An sich ein sehr schöner Platz, wo wir auch gerne mit Freunden zusammenkommen. Schade ist, dass hier viel getrunken wird und sich dann teilweise auch entsprechend verhalten wird. Wenn hier alles schließen müsste, das wäre sehr schade. Der Hassel ist ein wichtiger Platz für die Stadt, den man auch nutzen sollte." Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Eine Passantin mit schwarzer Jacke, lila Schal und blauem Rucksack am Hasselbachplatz.
Gabriella: "Es ist ein bisschen traurig, dass gerade viel geschlossen ist. Der Stadt würde vieles fehlen, viel Leben, gerade für die jungen Menschen, wenn das hier zu wäre." Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Zwei ältere Frauen mit glücklichem Gesichtsausdruck stehen vor einem Laden am Hasselbachplatz.
Barbara Peklow (links im Bild):
"Wir sind ja keine Partygänger mehr, deswegen bekomme ich vom Hassel gar nicht so viel mit abends. Ich glaube, es macht nicht so vieles zu, viele Läden renovieren ja gerade oder ziehen einfach nur um, wie zum Beispiel der Edeka. Dann wird's wieder schön. Aber mir ist der Hassel teilweise zu dreckig. Deswegen bin ich nicht so gerne hier."
Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Ein Mann mit grauem Bart steht vor dem großen Verkehrskreisel am Hasselbachplatz und lächelt.
Anwohner, will anonym bleiben:
"Der Hasselbachplatz ist für mich das Zentrum und Kneipenviertel der Stadt. Und natürlich vermischt sich hier alles, alle Einwohner der Stadt treffen sich hier. Ich lebe auch hier in der Nähe. Natürlich würde der Stadt viel fehlen, wenn hier vieles schleißen müsste. Dann würde weniger gesellschaftliches Leben stattfinden. Ich mag die kompakte, große Auswahl an Freizeitaktivitäten hier. Was manchmal schwierig hier ist, ist ab einer gewissen Uhrzeit ein etwas unangenehmes Klientel und die große Verunreinigung, die hier abends teilweise stattfindet."

Quelle: MDR/ls
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Hasselbachmanagement soll Image-Problem lösen

Die Stadt Magdeburg hatte Anfang 2020 deshalb für den Hasselbachplatz extra die Stelle des Hasselbachmanagements geschaffen und investiert jährlich immerhin 55.000 Euro in diesen Posten. Aufgabe des Hasselbachmanagements ist es, Kneiper, Laden- und Hausbesitzer zu vernetzen und Imagearbeit zu leisten. Dazu gehört viel Kommunikation: zuhören, Bedürfnisse bündeln, Konzepte ausarbeiten sowie zwischen Stadt, Anwohnern und Gewerbetreibenden vermitteln.

Die erste Hasselmanagerin, Alena Hertrich, warf bereits nach wenigen Monaten das Handtuch, obwohl sie vielversprechend gestartet war. Erste Projekte hatten begonnen. Sie ging zu früh, um wirklich sagen zu können, ob ihre Konzepte aufgegangen wären. Über die Gründe ihres Abgangs schweigt sie bisher. Stadt und Gewerbetreibende bedauern ihren Weggang. Immer wieder hatten Gerüchte über interne Kommunikationsprobleme und geplatzte Konzepte die Runde gemacht. Aber letztlich ist niemand bereit, öffentlich Genaueres sagen.

Neue Managerin: Weniger Verkehr am "Hassel"

Die neue Hasselmanagerin Marianne Tritz beginnt ihren Job am ersten Dezember. Sie wirkt hochmotiviert, bezeichnet sich als geschult in Kommunikation und Umgang mit Menschen, und hat sowohl kurzfristige als auch langfristige Pläne für den Hassel. Neben einer Eventreihe will sie gemeinsam mit allen Ansässigen Konzepte entwickeln, die funktionieren können. Damit will sie dafür sorgen, dass der "Hassel" wieder das Gesicht der Stadt wird.

Langfristig überlegt sie, ob für den "Hassel" eine Verkehrsumleitung infrage kommt. Weniger Verkehrsknotenpunkt, mehr Ausgehviertel könne ein Konzept sein, das dem "Hassel" gut tut, meint sie. Vorbilder dazu gebe es in anderen Großstädten. Als größte Herausforderung sieht sie, die verschiedenen Positionen unter einen Hut zu bekommen und die Menschen zu Veränderungen zu motivieren. Dazu will sie jetzt netzwerken und nach Möglichkeit alle Beteiligten ins Boot holen.

Marianne Tritz, die neue Hasselmanagerin von Magdeburg
Marianne Tritz ist die neue Hasselmanagerin von Magdeburg. Sie beginnt ihren Job am ersten Dezember. Bildrechte: Marianne Tritz

Neues Zentrum für Dialog und Vielfalt

Anfang 2021 zieht die neu gegründete Initiative "Platzmachen" in die Räume, in denen bisher das Café Central zu Hause war. Das ehemalige Café Central soll neben einem Aufenthaltsraum mit Kicker und Bar zu einem Zentrum für Stadtgestaltung, Kunst und Kultur, politische Bildungs- und Netzwerkarbeit, sowie Anlaufstelle und Beratungsangebot werden. Geplant sind neben dem Normalbetrieb unter anderem Workshops, Jamsessions, Beratungsangebote und Austauschforen. Dabei soll auch ein interkulturelles Verständnis gefördert werden.

Für mich persönlich ist der "Hassel" urbanes Zentrum der Stadt. Hier treffen alle aufeinander. Das macht den "Hassel" aus. Die dabei entstehenden Konflikte müssen nicht negativ sein.

Lea Russell, Mitbegründerin der Initiative "Platzmachen"

So soll ein Angebot für alle entstehen, unabhängig vom Geldbeutel. Es sei wichtig, hierbei nicht nur auf wirtschaftliche Aspekte zu achten. Im Gegenteil: Gentrifizierung sei eher eine Gefahr für den "Hassel", so die Initiative "Platzmachen". Finanziert werden soll das Projekt durch Spendengelder, Fördermittel und Einnahmen der Hausbar, die von Besuchern genutzt werden kann.

Ich denke, Menschen, die sowieso schon häufig von Benachteiligung betroffen sind, wie etwa Geflüchtete oder Wohnungslose, einfach vom Platz zu verdrängen ist nicht die Lösung.

Tilman Kloss, Mitbegründer der Initiative "Platzmachen".

Eine junge Frau und ein junger Mann sitzen im Dunkeln auf einer Bank und lächeln in die Kamera
Lea Russell und Tilman Kloss von der Initiative "Platzmachen". Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Fehlt der Stadt ein klares Konzept?

Der ein oder andere Magdeburger mag die Pläne von "Platzmachen" unrealistisch finden. Die neue Hasselmanagerin jedenfalls zeigt sich sehr interessiert an den Ideen der Gruppe und möchte nach eigener Aussage schnellstmöglich mit ihr in Kontakt treten. Auch Mariya Shapochka von der Bar "Kartell" am Hasselbachplatz und Mitglied der Interessensgemeinschaft "Hassel" begrüßt die Pläne der neuen Initiative. Am "Hassel" gelte es ohnehin, zusammenzuhalten, findet sie.

Shapochka sagt, es sei schade, dass so viel Negatives über den Platz berichtet werde, denn es gebe so viele gute Ideen. Menschen würden gute Angebote schaffen. Um alles am "Hassel" besser bekannt zu machen, fehle es der Stadt an einem klaren Konzept, was der "Hassel" denn sein solle, vermutet sie. Von der Stadt kämen widersprüchliche Aussagen, wie der Platz genutzt werden sollte.

Mariya Shapochka von der Magdeburger Bar "Kartell" und Mitglied der IG Hassel steht vor der Eingangstür des Kartell.
Mariya Shapochka von der Bar "Kartell" am Hasselbachplatz und Mitglied der Interessensgemeinschaft Hassel hofft, dass die Stadt eine klare Idee für den Hassel entwickelt. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Mal sagen sie: 'Bänke abbauen', dann 'Bänke aufbauen und alles begrünen. Einmal: 'Den Hassel als Verkehrsknotenpunkt nutzen', dann 'Den Hassel als Ausgehviertel gestalten.' Da erkennt man keine klare Entscheidung der Stadt, da besteht keine Einigkeit, was der Platz am Ende sein soll.

Mariya Shapochka von der Bar "Kartell" am Hasselbachplatz und Mitglied der Interessensgemeinschaft Hassel

Belastung der Läden durch Corona

Denn eigentlich, sagt Shapochka, seien genug Möglichkeiten da und es gebe positive Entwicklungen. Neue Läden siedelten sich an, langsam entstehe ein größeres Angebot für Familien. Die Läden hätten während Corona Innovationen geschaffen und ihr Angebot entwickelt.

Corona sei aber eine extreme Belastung für viele: "Gerade ist es wirklich sehr, sehr hart, jetzt im zweiten Lockdown. Manche Läden werden das vielleicht nicht überleben. Aber es kommen auch neue Läden und Initiativen hierher", sagt Shapochka.

Ausgehviertel Magdeburg Der Hasselbachplatz im Herbst 2020

Blick über den Hasselbachplatz mit seinen kreuzenden Straßenbahnschienen hinein in die Sternstraße.
Der eigentliche "Hasselbachplatz" ist vor allem ein Kreisverkehr für Straßenbahnen und Autos. Allerdings meinen die Menschen in Magdeburg mit "Hassel" auch die anliegenden Straßen, Bars, Läden, Clubs, Cafés und Wohnungen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick über den Hasselbachplatz mit seinen kreuzenden Straßenbahnschienen hinein in die Sternstraße.
Der eigentliche "Hasselbachplatz" ist vor allem ein Kreisverkehr für Straßenbahnen und Autos. Allerdings meinen die Menschen in Magdeburg mit "Hassel" auch die anliegenden Straßen, Bars, Läden, Clubs, Cafés und Wohnungen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Die Otto von Guericke Straße mit Sicht auf den Hasselbachplatz. Links und rechts Bars, Restaurants und Läden, in der Mitte Straßenbahngleise
Links und rechts der Straßenbahn sind viele Läden und Gastrobetriebe. Wegen Corona ist es gerade recht leer. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick vom Hasselbachplatz in den breiten Weg. Im Bild eine Straßenbahnhaltestelle und Läden links und rechts.
Am "Hassel" treffen sich Sternstraße, Breiter Weg und Otto-von-Guericke-Straße. Hier gibt es ein großes Angebot zum Ausgehen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
Blick vom Hasselbachplatz in den breiten Weg. Im Bild eine Straßenbahnhaltestelle und Läden links und rechts.
Zudem gibt es am Hasselbachplatz mehrere Haltestellen für Straßenbahnen.

Quelle: MDR/ls
Bildrechte: MDR/Leonard Schubert
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Blick über den Hasselbachplatz mit seinen kreuzenden Straßenbahnschienen hinein in die Sternstraße.
Der eigentliche "Hasselbachplatz" ist vor allem ein Kreisel für Straßenbahnen und Autos. Allerdings meinen die Menschen in Magdeburg mit "Hassel" auch die anliegenden Straßen, Bars, Läden, Clubs, Cafés und Wohnungen. Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

"Das Schwierigste wird sein, alles unter einen Hut zu bekommen"

Dass die Stadt die Hasselmanagerin zwei weitere Jahre bezahlen will, findet Shapochka gut. Es sei ein positives Signal, dass die Stadt überhaupt Geld ausgebe und Interesse am "Hassel" zeige. Ideen, die dort entstünden, müssten aber auch umgesetzt werden. "Das Schwierigste wird es sein, alles unter einen Hut zu bekommen", meint Shapochka. Denn es gebe unterschiedliche Interessen: Die einen kämen tagsüber, die anderen nachts. Hinzu kämen die unterschiedlichen Bedürfnisse von Betreibern und Anwohnern.

Einen gemeinsamen Nenner gibt es aber auf jeden Fall. Denn egal, wer für dieses Interview befragt wurde, alle waren sich einig: Der "Hassel" soll leben. Denn ohne ihn würde Magdeburg etwas Entscheidendes fehlen.

Blick vom Hasselbachplatz in den breiten Weg. Im Bild eine Straßenbahnhaltestelle und Läden links und rechts. 1 min
Bildrechte: MDR/Leonard Schubert

Mitten in der Corona-Pandemie soll der Magdeburger Hasselbachplatz neu belebt und attraktiv gestaltet werden. Welche Projekte geplant sind ...

MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 12.11.2020 08:30Uhr 00:32 min

https://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/plaene-hasselbachplatz-magdeburg100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Dieser Artikel ist Teil einer Themenreihe. In den nächsten Wochen und Monaten werden wir uns in weiteren Recherchen immer wieder aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Hasselbachplatz und der Stadtentwicklung beschäftigen. Dazu werden wir unter anderem mit Gastronomen über ihre Pläne für den "Hassel" sprechen, die Arbeit der Hasselmanagerin weiter verfolgen und über die geschichtliche Bedeutung des "Hassels" (für verschiedene Generationen) nachforschen.

Leonard Schubert
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Leonard Schubert arbeitet seit Februar 2020 in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Interessensschwerpunkte sind Politik, Umwelt und Gesellschaft. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er beim Charles Coleman Verlag, für das Outdoormagazin Walden und beim ZDF.

Nebenher arbeitet er an seinem Masterabschluss in Friedens- und Konfliktforschung. Über den Umweg Leipzig kam der gebürtige Kölner 2016 nach Magdeburg, wo er besonders gern im Stadtpark unterwegs ist. In seiner Freizeit steht er mit großer Leidenschaft auf den Poetryslambühnen Sachsen-Anhalts oder sitzt mit einem Eisbärbier am Lagerfeuer, irgendwo in Skandinavien.

Quelle: MDR/ls

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 01. Dezember 2020 | 09:30 Uhr

5 Kommentare

ossiradler vor 5 Tagen

Das Kind ist bereits in den Hasselbachbrunnen gefallen.
Ich wüsche der neuen Managerin viel Glück.
Aber man doktert nur an Syntomen herum, die Ursache ist die Ghettobildung.
Es bildet sich eine Parallelgesellschaft und eine no go area. So wie in vielen Westdeutschen Städten bereits geschehen.
Nicht alle deutschen Mitbürger fühlen sich dann an diesem Ort wohl.
Die übrigen Multi-Kulti-Liebhaber können dann dort einziehen.

Tacitus vor 6 Tagen

In der Medizin hat man den Spruch "Erst die Diagnose, dann die Therapie". Dann man noch nicht einmal die richtige Diagnose stellt (genauer, zu stellen wagt), wird es auch mit der Therapie des Hasselmanagers nicht klappen.

Emil Kaminsky vor 6 Tagen

Jeder weiß wer Schuld an dieser Situation ist, aber keiner traut es sich zu sagen und wer es nur andeutet wird gebrandmarkt. Lieber wird ein lustiger Laden aufgemacht, der von Almosen lebt und für Toleranz wirbt.
Letztendlich wird der Hassel zu einem Kriminalitätshotspot und einer No Go Area werden und diese Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

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