Friederike de Haas
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18.06.2019 | 12:30 Uhr Sachsens erste Gleichstellungsministerin de Haas ist tot

Friederike de Haas
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Die sächsische CDU-Politikerin und frühere Gleichstellungsministerin Friederike de Haas ist am Montag im Alter von 74 Jahren gestorben. Das teilte die Staatskanzlei in Dresden am Dienstag mit. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) würdigte das Wirken der Politikerin, die über Parteigrenzen hinaus Respekt genoss. "Der Tod von Friederike de Haas macht mich traurig. Sie war über viele Jahre eine engagierte Sächsin und für mich eine gute Wegbegleiterin."

Kretschmer: "Wir haben eine Freundin verloren"  

Mit einem Glas Sekt stoßen am 06.10.1994 in Dresden die zwei neuen Minister im sächsischen Kabinett nach der Überreichung der Berufungsurkunden an. Links Ministerin in der Staatskanzlei Friederike de Haas und rechts Kultusminister Matthias Rössler.
Am 6. Oktober 1994 stoßen in Dresden die zwei neuen Minister im sächsischen Kabinett nach der Überreichung der Berufungsurkunden an: Friederike de Haas und der damalige Kultusminister Matthias Rößler. Bildrechte: dpa

Kretschmer zufolge hat de Haas als Parlamentarische Staatssekretärin und Staatsministerin der ersten Stunde ganz aktiv am Aufbau des neugründeten Freistaats mitgewirkt und für die Gleichstellung von Frauen und Männern wichtige Impuls gesetzt. "Fast 20 Jahre war sie eine prägende Abgeordnete des Sächsischen Landtags und von 2004 bis 2009 zudem Ausländerbeauftragte für Sachsen." Neben der Politik habe sie sich auch in der Gesellschaft eingebracht, so viele Jahre als Landesvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. "Wir haben eine Freundin verloren, die ein wunderbarer Familienmensch und überzeugte Christin mit klaren Werten und bürgerlichem Engagementwar", betonte der Ministerpräsident.

Petra Köpping
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Mit Friederike de Haas verliert die politische Landschaft in Sachsen eine engagierte Streiterin für Gleichstellung sowie geflüchtete Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund. Sie hat sich von 1994 bis 1999 in ihrer Funktion als Staatsministerin für die Gleichstellung von Frau und Mann engagiert und aktiv für deren Belange eingesetzt. Damit war sie für mich stets ein großes Vorbild. Ich wünsche ihrer Familie viel Kraft in dieser schweren Stunde und übermittle mein aufrichtiges Beileid.

Petra Köpping (SPD) Gleichstellungsministerin Sachsen

Nach der Wende politisiert

Friederike de Haas wurde am 16. August 1944 in Bielatal im heutigen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge als eine von vier Töchtern eines Arztes geboren. Sie machte 1963 ihr Abitur an der Kreuzschule in Dresden. Weil sie nicht Medizin studieren durfte, machte sie eine Ausbildung zur Säuglings- und Kinderkrankenschwester. Friederike Haas ist Mutter von vier Kindern.

Politisch aktiv wurde sie erst nach der Wende. Wie sie einmal sagte, "ärgerte sie sich schwarz", als nach dem Herbst 1989 "nur die Männer" in die entsprechenden Positionen rutschten. Sie trat in die CDU ein und war 1990 Gründungsmitglied der Frauenunion Ost-West und der Frauenunion Sachsen. Ihre Partei setzte sie auf Platz 2 ihrer Landesliste für die Landtagswahl im Oktober 1990. Sie zog mit 43,2 Prozent als Direktkandidatin in den Sächsischen Landtag ein. Zugleich wurde sie vom damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf zur Parlamentarische Staatssekretärin für die Gleichstellung von Frau und Mann berufen. 1999 schied sie aus der Regierung aus, blieb aber Landtagsabgeordnete. Fünf Jahre später wurde sie zur sächsischen Ausländerbeauftragten gewählt. 2009 schied sie aus dem Amt aus, nachdem sie zuvor einen Wiedereinzug in den Landtag verpasst hat.

m 11. Oktober 1994 stellte sich die neuen Kabinettsmitglieder der sächsichen Landesregierung zu einem Gruppenfoto. Vorn v.l: Friederike de Haas, Kurt Biedenkopf, Steffen Heitmann, Hans-Joachim Meyer. Hinten v.l.: Rolf Jähnichen, Hans Geißler, Heinz Eggert, Matthias Rößler, Kajo Schommer, Arnold Vaatz, Georg Milbradt.
11. Oktober 1994: Die neuen Kabinettsmitglieder der sächsischen Landesregierung stellen sich auf zu einem Gruppenfoto. Vorn v.l: Friederike de Haas, Kurt Biedenkopf, Steffen Heitmann, Hans-Joachim Meyer. Hinten v.l.: Rolf Jähnichen, Hans Geißler, Heinz Eggert, Matthias Rößler, Kajo Schommer, Arnold Vaatz, Georg Milbradt. Bildrechte: dpa

Quelle: MDR/dk/dpa/Munzinger Archiv

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 18.06.2019 | ab 13:00 Uhr in den Nachrichten

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