Debatte angestoßen Lehramtsstudium soll reformiert werden

die evangelische Grundschule Sömmerda im Online-Präsenz-Unterricht.
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Die Fraktionen der Kenia-Koalition wollen das Lehramtsstudium reformieren und damit auch dem Lehrermangel vor allem im ländlichen Raum begegnen. Ein entsprechender Prioritätenantrag wurde am Donnerstag im Plenum beschlossen und bildet den Auftakt einer Debatte für die kommenden Monate.

Mehr Lehrer für den ländlichen Raum

"Wir wollen Lehrerinnen und Lehrer da ausbilden, wo sie gebraucht werden," so die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Maicher. Bereits jetzt würden in Löbau und Annaberg Grundschulreferendare ausgebildet. Diese Regionalisierung soll künftig ausgebaut werden, um die Absolventen aus den Städten in den ländlichen Raum zu locken. Weiterhin ist geplant, die Zahl der Lehramtsstudienplätze um weitere 300 auf dann 2.700 aufzustocken.

Zwei Modellstudiengänge, um Lehrkräfte für alle Schularten auszubilden

Doch nicht nur auf dem Land sondern auch je nach Schulart bleiben Lehrerstellen derzeit vor allem an Oberschulen und Berufsschulen unbesetzt, betonte die CDU-Bildungpolitikerin Iris Firmenich.

Nach wie vor entscheiden sich mehr junge Leute dafür, das Lehramt für Gymnasien zu studieren.

Iris Firmenich (CDU)

Die geplante Reform des Lehrerstudiums sieht deshalb vor, Lehrkräfte für die weiterführenden Schulen nicht mehr getrennt, sondern zusammen auszubilden. Getestet wird das vorerst in zwei Modellstudiengängen in Chemnitz und Leipzig. So sollen Absolventinnen und Absolventen der künftigen Chemnitzer "Primarstufe Plus" nicht nur an Grundschulen, sondern auch an Oberschulen, Oberschulen Plus und Gemeinschaftsschulen eingesetzt werden können. "Dieses Modell hat die Chance, den Übergang nach Klasse vier auch in der Lehrerbildung zu verbessern", unterstrich der hochschulpolitische Sprecher der SPD Holger Mann. Der Modellstudiengang in Leipzig sehe vor, nach Schulstufen und nicht nach Schularten auszubilden.

Opposition sieht Lücken im Reformvorhaben

Nach Ansicht der AfD würden mit den Modellstudiengängen vor allem Lehrer für die Gemeinschaftsschulen ausgebildet, die die Fraktion in diesem Jahr abgelehnt hatte. Der bildungspolitische Sprecher Rolf Weigand forderte zudem die Studienabbrecherquote zu senken. 40 Prozent der Studienanfänger würden laut eines Berichtes der TU Dresden ihr Lehramtsstudium nicht beenden. "Sie verkennen das Symptom, nicht aber die Ursache."

Schultafel und Schultasche
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Auch die Linke sieht Reformbedarf beim Lehramtsstudium, kritisiert aber Lücken in dem Antrag von CDU, Grünen und SPD. "Wir hätten erwartet, dass sich auch einige Erfahrungen aus der Corona-Pandemie wiederfinden lassen, etwa beim Stichwort Digitalisierung." Die Linke bezweifelt zudem, dass ausreichend finanzielle Mittel vorhanden seien, um die Studienplätze aufzustocken.

Quelle: MDR/js

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.12.2020 | 17:00

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