KZ-Gedenkstätte Suche nach Hohlräumen im Steinbruch von Buchenwald fortgesetzt

Auf dem Gelände des ehemaligen Steinbruchs an der KZ Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar sind am Montag die wissenschaftlichen Grabungen fortgesetzt worden. An einem Hang an der Ostseite des Areals wurde nach einem unterirdischen Hohlraum gesucht. Messungen hatten zuvor in dem Bereich geologische Anomalien ergeben.

Luftaufnahme des Steinbruchs von Buchenwald vom 07.10.2019.
Luftaufnahme des Steinbruch-Geländes vom 7. Oktober 2019: Rechts ist die aktuelle Grabungsstelle, links der am 2. Oktober entdeckte Stollen. Bildrechte: MDR/Holger John

Bei den Grabungen sind nach Angaben der Archäologin Karin Sczech vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie im Laufe des Tages Überreste von Werkzeugen und Alltagsgegenstände gefunden worden. Auch seien Überreste von Luftschläuchen gefunden worden, mit denen damals Stollen mit Frischluft versorgt wurde, sagte Sczech MDR THÜRINGEN. Vor allem diese Schlauchreste als auch die Werkzeuge deuteten nach Einschätzung des Bergbauingenieurs Ralph Haase auf bergmännische Aktivitäten an der untersuchten Stelle hin.

In der vergangenen Woche hatte ein Expertenteam in der Nordwand des Steinbruchs einen bislang verborgenen Stollen entdeckt. Dieser ist rund zehn bis 15 Meter lang und jeweils etwa zwei Meter hoch und breit. Er ist nach Angaben der Archäologin Karin Sczech vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie leer. Es sei erkennbar, dass die Arbeiten im Stollen seinerzeit abgebrochen worden sind, hatte Sczech nach der Entdeckung des Stollens dem MDR gesagt. Das Experteam besteht aus Vertretern des Landesamtes, Bergleuten, einem Vertreter des Kampfmittelräumdienstes sowie einer auf archäologische Grabungen spezialisierten Baufirma.

Eine handgezeichnete Skizze zeigt Anlagen des Steinbruchs des NS-Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.
Diese offenbar von einem Zeitzeugen angefertigte Skizze zeigt die Lage von mehreren Stollen. Der nun entdeckte Stollen ist der untere der beiden eingekreisten "Bunker". Bildrechte: MDR THÜRINGEN

Im Steinbruch des damaligen NS-Konzentrationslagers Buchenwald hatte die SS im Frühjahr 1945 von Häftlingen mehrere Stollen graben lassen und später zugesprengt. Zwei dieser Stollen waren nach der Befreiung des Lagers von der US-Armee geöffnet worden. Darin befand sich Raubgut, das die SS Deportierten und Häftlingen unter anderem im Vernichtungslager Auschwitz gestohlen hatte. Welche Zwecke die SS damals mit dem nun entdeckten dritten Stollen verfolgte, ist unklar. Möglicherweise sollte er Luftschutzzwecken dienen. Darauf deutet seine s-förmige Anlage hin.

KZ-Gedenkstätte Buchenwald Suche nach unterirdischen Hohlräumen im Steinbruch fortgesetzt

Tag 3 der wissenschaftlichen Untersuchungen im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald. Im Hang an der Ostseite des Steinbruchs wird den zuvor ermittelten geologischen Anomalien nachgespürt.

Ein mit Pflanzen bewachsener Hang im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald
In diesem Steilhang auf der Westseite des Steinbruchs von Buchenwald sollen sich unterirdische Stollen befinden, die die SS im Frühjahr 1945 von KZ-Häftlingen anlegen ließ. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein mit Pflanzen bewachsener Hang im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald
In diesem Steilhang auf der Westseite des Steinbruchs von Buchenwald sollen sich unterirdische Stollen befinden, die die SS im Frühjahr 1945 von KZ-Häftlingen anlegen ließ. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger gräbt an einem Hang im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Hier setzt der Bagger am 7. Oktober morgens, es ist der dritte Tag der wissenschaftlichen Untersuchungen im Steinbruch, an. Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger gräbt an einem Hang im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald.
Zunächst wird das Erdreich von der Oberfläche "gekratzt". Bildrechte: MDR/Holger John
Ein Bagger gräbt an einem Hang im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald, ein Mann in Arbeitskleidung steht daneben und schaut zu.
Dann arbeitet sich der Bagger ins Gestein vor. Bildrechte: MDR/Holger John
Mehrere Männer stehen vor einem Hang im Steinbruch des ehemaligen KZ Buchenwald neben einem Bagger.
Auch ein Kamerateam des MDR ist wieder dabei. Der MDR begleitet das Projekt, das unter fachlicher Leitung des Thüringer Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie und der Gedenkstätte Buchenwald steht. Bildrechte: MDR/Holger John
Ralph Haase, Geschäftsführer der MMG Mitteldeutsche Montan GbmH, begutachtet einen Hang im Steinbruch von Buchenwald.
Ralph Haase, Geschäftsführer der MMG Mitteldeutsche Montan GmbH, schaut prüfend auf die neue Grabungsstelle. Bildrechte: MDR/Holger John
Dr. Karin Sczech vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie.
Dr. Karin Sczech vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie. Bildrechte: MDR/Holger John
Luftaufnahme eines Baggers, der im Steinbruch von Buchenwald an einem Hang gräbt.
Der Bagger gräbt sich langsam in den Hang vor. Bildrechte: MDR/Holger John
Bei Grabungen im Steinbruch von Buchenwald geborgenes Werkzeug, unter anderem eine Schaufel, alle stark verrostet.
Auch an der neuen Grabungsstelle werden, wie schon an der ersten Stelle, Gegenstände geborgen, hier vor allem Werkzeug sowie Metallteile, die auf bergmännische Aktivitäten hinweisen. Bildrechte: MDR/Holger John
Luftaufnahme des Steinbruchs von Buchenwald vom 07.10.2019
Luftaufnahme vom 7.10.19 vom Areal des Steinbruchs. Rechts die neue Grabungsstelle, links der bereits am 2. Oktober entdeckte Stollen. Bildrechte: MDR/Holger John
Luftaufnahme des Steinbruchs von Buchenwald vom 07.10.2019.
Bildrechte: MDR/Holger John
Luftaufnahme des Steinbruchs von Buchenwald vom 07.10.2019.
Bildrechte: MDR/Holger John
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Oktober 2019 | 13:30 Uhr

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Oktober 2019 | 07:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2019, 18:23 Uhr

2 Kommentare

sarotti vor 1 Wochen

Traurig, wie sich hier über jahrelanger Arbeit und Recherche lustig gemacht wird. Die Menschen haben echt ihren Anstand verloren. Immerhin geht es hier um Raubgut Millionen ermordeter Menschen. Es kann ja wohl nicht geleugnet werden, dass den Betroffenen alles genommen wurde. Und irgendwo muss der Rest, der nicht geplündert wurde, geblieben sein. Ich finde es wichtig, nach allen Stollen zu suchen, um zurück zu geben, was gestohlen wurde.

Stefan Der vor 1 Wochen

Ich halte diese ganze Aktion für ausgemachten Blödsinn. Ich denke, dass die Stiftung Buchenwald das Geld für diese Buddelei gut hätte gebrauchen können. Ich möchte jetzt schon wetten, dass nichts als alte Luft dabei raus kommt.
Einlösung der Wette am 13.10.2019 ab 00.30Uhr in der Alten Laterne!

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