Sepsis und Covid-19 Was hat eine "Blutvergiftung" mit Corona zu tun?

Sepsis ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache. Wer sie überlebt, muss sein Leben oft mit dauerhaften Folgeschäden meistern. Ob die auch als Blutvergiftung bekannte Superinfektion auch für Covid-19-Patienten eine Rolle spielt, wird gerade überprüft.

von Karolin Dörner

Illustration - Blutvergiftung Corona 3 min
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Der ehemalige Arbeits- und Sozialminister Norbert Blüm ist seit einer Sepsis im vergangenen Jahr von den Schultern abwärts gelähmt. Seine Geschichte, die in dieser Woche bekannt wurde, rückt den Blick auf eine Infektion, an der in Deutschland alle sechs bis sieben Minuten ein Mensch stirbt. Sie ist damit nach Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Doch was macht die Sepsis so gefährlich?

Bei einer Sepsis, läuft eine Infektion aus dem Ruder. Dann ist der gesamte Körper betroffen und es kommt zum Organversagen.

Prof. Michael Bauer, Uniklinikum Jena

Professor Michael Bauer ist Leiter der Klinik für Intensivmedizin des Uniklinikums Jena. Er relativiert den Begriff "Blutvergiftung". Denn eine Sepsis ist keineswegs eine Vergiftung, sondern eine Überreaktion des Immunsystems.

Ist die körpereigenen Abwehr mit den Keimen überfordert, werden immer mehr Antikörper gebildet, die dann auch die eigenen Zellen und Organe attackieren. Entscheidend für die Heilungschancen ist eine möglichst schnelle Diagnose.

Kinder und ältere Menschen besonders betroffen

Vor allem kleine Kinder unter fünf Jahren und ältere Menschen ab 65 Jahren sind gefährdet, damit passt Norbert Blüm (84) ins Risikoschema. Frank Martin Brunkhorst ist Professor für Klinische Sepsisforschung ebenfalls am Universitätsklinkum in Jena. Er erklärt, dass die Reaktion auf eine lokale Infektion ganz unterschiedlich sein kann:

Bei älteren Menschen ist die Reaktion deutlich ausgeprägter. Sie werden mit der Abwehr der Keime nicht so gut fertig, wie jüngere Patienten. Das trifft auch für das Corona-Virus zu. Auch da reagieren Ältere weitaus empfindlicher.

Prof. Frank Martin Brunkhorst, Uniklinikum Jena

Das Immunsystem ist also in bestimmten Altersgruppen nur eingeschränkt in der Lage, Bakterien und Viren abzuwehren.

Welche Rolle spielt die Sepsis bei Covid-19-Erkrankten?

Covid-19 Patienten sterben unter anderem, weil sie eine Sepsis erleiden. Neben Lungenentzündung und Atemnot wird das als Sterbegrund angeführt. Für Frank Martin Brunkhorst sind das zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch Spekulationen. Aktuell gebe es zwar entsprechende Berichte über chinesische Patienten, die kritisch erkrankt waren und auf Intensivstationen in Wuhan behandelt werden mussten. Bei ihnen trat ein eingeschränktes Lungenversagen auf. Doch ob die toxische Wirkung des neuen Virus Sars-CoV-2 dafür verantwortlich ist oder eine Überreaktion des Immunsystems, also eine Sepsis, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen. Fest steht jedoch: Schwere Verläufe bei einer Infektion mit Covid-19 können – wie andere Infektionen auch – zu einer Sepsis führen, bestätigt die Sepsis Stifung.

Zuletzt aktualisiert: 19. März 2020, 16:13 Uhr

Auf einem Holzhintergrund liegen verschiedene Dinge. 11 min
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Was bei einer Blutvergiftung passiert und wieso jede Minute bei der Behandlung zählt - das ist Thema in der Servicestunde. Knapp 30.000 Menschen sind in Deutschland pro Jahr betroffen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 10.10.2019 12:00Uhr 10:55 min

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