Covid-19 Corona-Kinderimpfungen in Deutschland beginnen – was sind die Vor- und Nachteile?

Seit dem 12. Dezember wird in Deutschland der von Biontech angepasste Covid-19-Impfstoff für Kinder ausgeliefert. Bis Ende der Woche sollen die Impfungen überall beginnen. Warum Eltern nicht lange warten sollten.

Ein Kind wird geimpft.
In China werden bereits 3-Jährige gegen das Coronavirus geimpft. Bildrechte: IMAGO / Xinhua

Ab diesem Montag (13. Dezember) wird in Deutschland der an Kinder angepasste Covid-Impfstoff von Biontech/Pfizer ausgeliefert. Spätestens Ende der Woche sollen die Kinderärzte und Impfstellen mit der Impfung von Kindern ab einem Alter von fünf Jahren beginnen können. Viele Eltern fragen sich daher: Wie sinnvoll und sicher ist eine Impfung der Kleinen?

Bislang keine Herzmuskelentzündungen bei Kindern bekannt

Zur Sicherheit lässt sich festhalten: In der klinischen Zulassungsstudie mit 2.268 teilnehmenden Kindern (davon hatten 1800 Kinder den Impfstoff erhalten, die übrigen ein Placebo) zeigte sich der Impfstoff als gut verträglich. Die geimpften Kinder erhalten nur ein Drittel der Dosis, die Menschen über 12 Jahren bekommen (10 statt 30 Mikrogramm). Die Nebenwirkungen reichten von den üblichen Schmerzen an der Einstichstelle über Müdigkeit bis zu Kopfschmerzen, waren in der Regel leicht bis mittelschwer und spätestens nach einem Tag vorbei.

Fälle von Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen (Myo- und Pericarditis), wie sie bei jungen Männern im Alter zwischen 12 und 30 Jahren in sehr seltenen Fällen auftreten (und meistens ohne Komplikationen heilen), traten bei den Kindern nicht auf. Allerdings könnte es auch sein, dass zu wenige Kinder in der Versuchsgruppe waren.

Impfempfehlung für Risikokinder

Inzwischen liegen auch für den zweiten mRNA-Impfstoff von Moderna Studienergebnisse für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren vor. Auch bei Moderna hatten sich in der Zulassungsstudie keine Auffälligkeiten gezeigt. Allerdings ist diese Impfung noch nicht für Kinder und Jugendliche zugelassen.

Vorsichtshalber wird Moderna in Deutschland auch erst für Menschen über 30 Jahren empfohlen. Eine allgemeine Empfehlung des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren fehlt auch. Hier wollen die Ständige Impfkommission (Stiko) beim Robert Koch-Institut und die Sächsische Impfkommission (Siko) noch die Daten aus Ländern wie den USA und Israel abwarten, wo Kinder bereits seit November gegen Covid-19 geimpft werden.

#MDRklärt Fünf Fragen zum Kinderimpfstoff

Seit dieser Woche dürfen Kinder ab fünf Jahren geimpft werden. Doch es gibt viele Fragen dazu. Hier die Antworten auf fünf besonders dringende.

1. Ist der Impfstoff sicher?  Der Impfstoff für Kinder ist genauso sicher wie der für Erwachsene und deshalb durch die Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. "In klinischen Studien werden die Impfstoffe getestet. Nur wenn die Studienergebnisse zeigen, dass keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten sind und der Impfstoff die erwartete Wirksamkeit zeigt, geht er ins Zulassungsverfahren bei der EMA."
Bildrechte: Klinikum St. Georg
1. Ist der Impfstoff sicher?  Der Impfstoff für Kinder ist genauso sicher wie der für Erwachsene und deshalb durch die Arzneimittelbehörde EMA zugelassen. "In klinischen Studien werden die Impfstoffe getestet. Nur wenn die Studienergebnisse zeigen, dass keine schweren Nebenwirkungen zu erwarten sind und der Impfstoff die erwartete Wirksamkeit zeigt, geht er ins Zulassungsverfahren bei der EMA."
Bildrechte: Klinikum St. Georg
2. Warum sollten Kinder geimpft werden, obwohl sie meist leichte Verläufe haben? Ein schwerer Krankheitsverlauf ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Covid kann bei Kindern zu Entzündungen an Organen führen, sodass die Kinder auf Intensivstationen behandelt werden müssen. Auch Long-Covid-Fälle sind möglich. Laut einer Studie aus Südafrika waren Kinder anfälliger gegen die neue Omikron-Variante als gegen vergangene Varianten.
Bildrechte: MDRklärt
3. Welche Kinder sollten geimpft werden? Die Ständige Impfkommission hat Corona-Schutzimpfungen für Fünf- bis Elfjährige empfohlen, wenn:  bestimmte Vorerkrankungen das Risiko eines schweren Verlaufs erhöhen. im Umfeld der Kinder Risikopatienten leben, die sich selbst nicht durch Impfungen schützen können. dies der Wunsch der Eltern ist. Von einer Impfempfehlung für gesunde Kinder wurde bislang aber abgesehen. Das Risiko von seltenen Nebenwirkungen könne aufgrund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden.
Bildrechte: MDRklärt
4. Wo wird geimpft? Sachsen: Bei etwa 100 Kinderärzten und in elf Krankenhäusern, geplant sind zudem Impfmöglichkeiten an zentralen Orten Thüringen: Bei Kinder-, Jugend-, und Hausärzten, bis zum 23. Dezember nachmittags im Impfzentrum in Gera sowie in den Impfstellen Erfurt (Katholisches Krankenhaus), Sömmerda und Leinefelde,  Jena will ein zweites kommunales Impfzentrum speziell für Kinder im Volkshaus eröffnen, Ab dem 27. Dezember bei allen Impfstellen des Landes  Sachsen-Anhalt: Bei 87 Kinderärzten, Landkreise und kreisfreien Städte organisieren zusätzlich Impfangebote
Bildrechte: MDRklärt
5. Wie viel Impstoff gibt es? Sachsen: 20.000 Impfdosen zu Dezember bestellt // Thüringen: will für Dezember und Januar 121.000 Impfdosen bestellen // Sachsen-Anhalt: 20.000 Impfdosen zu Dezember bestellt
Bildrechte: dpa
Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 13. Dezember 2021 | 05:00 Uhr Bildrechte: MDR/Max Schörm
Alle (6) Bilder anzeigen


Deutsche Experten sind bislang auch deshalb zurückhaltend, weil die meisten Covid-19-Infektionen im Vergleich zu Älteren bei Kindern bislang überwiegend mild verlaufen und rasch wieder heilen. In seltenen Fällen, vor allem dann, wenn Kinder Vorerkrankungen haben, kann eine Covid-19 aber auch bei Kindern schwer und mitunter sogar tödlich verlaufen - in den USA tritt das bislang aber höchstens in einem von 10.000 Fällen auf. Deshalb raten Siko und Stiko solchen Kindern jetzt schon zur Impfung. Offen ist bei all dem allerdings völlig, wie die Omikron-Variante das Geschehen beeinflusst. Schon Delta hatte zu deutlich mehr symptomatischen Fällen bei Kindern geführt.

Die Wahl zwischen Impfung oder Infektion

Davon unabhängig können Eltern ihre Kinder auch auf eigenen Wunsch impfen lassen. Bei den aktuell hohen Inzidenzen von Kindern – bei den 5- bis 14-Jährigen erkrankt etwa eins von 100 Kindern pro Woche neu an Covid-19 – haben die Eltern in diesem Winter praktisch nur die Wahl, ob die Kinder geimpft werden oder ob sie sich lieber mit dem echten Virus anstecken sollen.

Da auch bei Kindern zwei Impfungen mit einem Abstand von mindestens 21 Tagen notwendig sind, empfiehlt sich eine möglichst rasche Impfung, wenn der Impfschutz noch während der aktuell rollenden Infektionswelle an den Schulen schützen soll.

(ens)

Quellen

8 Kommentare

MDR-Team vor 51 Wochen

Hallo Lilli_70, wir verstehen die Verunsicherung was die Kinderimpfung angeht. Die bisherige Studienlage zeigt aber, dass sie für Kinder mit Vorerkrankungen empfehlenswert ist, weil die Risiken eine Covid-19 Infektion um ein vielfaches höher sind. Des weiteren vergreift sich niemand an den Kindern. Die Eltern entscheiden, ob sie ihr Kind impfen lassen wollen oder nicht. Ohne deren Einwilligung passiert da gar nichts. Beste Grüße vom MDR Wissen Team

MDR-Team vor 51 Wochen

Hi Anni22, das stimmt. Für die aktuelle Infektionswelle wird es knapp einen vollständigen Impfschutz herzustellen. Und es ist auch noch nicht sicher welchen Einfluss Omikron auf den Impfschutz haben wird. Beste Grüße vom MDR Wissen Team

Anni22 vor 51 Wochen

Was ich nicht so ganz verstehe, anscheinend benötigt man ja 3 Impfungen, damit ein Schutz vor Omicron entsteht. Und das ist ja wohl nicht in ein paar Wochen zu machen... Für den nächsten Herbst vielleicht.....