Infektion mit Sars-CoV-2 Covid-19: Schwerer Verlauf – starke Immunantwort

Wie immun gegen das SARS-CoV-2-Virus sind Menschen, die Covid-19 überstanden haben? Bisher hieß es: leichter Verlauf, gute Immunität. Aber möglicherweise kann es auch genau andersherum sein. Das legt zumindest eine Studie des Universitätsklinikums des Saarlandes nahe.

Intensivstation
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Noch sind die Ergebnisse ein Preprint - eine Vorab-Veröffentlichung, wurden also noch nicht von anderen Wissenschaftlern begutachtet. Das Forschungsteam um Professorin Martina Sester glaubt jedoch, dass sie so wichtig sind, dass die Forschungsergebnisse bereits jetzt veröffentlicht wurden. Denn sie zeigten, im Gegensatz zu bisherigen Aussagen, dass Menschen, die schwer an Covid-19 erkrankt waren, danach eine stärkere Immunantwort geben.

Sester hat dafür mit Kolleginnen und Kollegen aus der Infektionsmedizin, der Inneren Medizin und der Hämostaseologie (Blutgerinnung) des Universitätsklinikums des Saarlandes die T-Zellen der Patienten untersucht. "Denn T-Zellen sind genau wie Antikörper ein Teil der spezifischen Immunantwort des Körpers, die speziell auf einen bestimmten Erreger zugeschnitten wird", erläutert Sester.

Vergleich schwerer und milder Fälle

Prof. Dr. Martina Sester
Prof. Martina Sester. Bildrechte: Universität des Saarlandes/Oliver Dietze

In der Studie wurden nun nach Angaben von Sester erstmalig schwere und milde Krankheitsverläufe verglichen. "Bisher sind wir davon ausgegangen, dass Patienten mit schweren Krankheitsverläufen das schlechtere Immunsystem aufweisen und diejenigen mit milden Symptomen das bessere", so die Immunologin. "Es ist aber genau umgekehrt." Je schwerer der Verlauf, desto mehr T-Zellen und desto größer die Zahl der spezifischen Antikörper gegen Sars-CoV-2.

Allerdings liegt darin auch ein Problem, denn das Immunsystem hat "dann große Schwierigkeiten, die überschießende Immunantwort wieder zu drosseln, wenn die Viruslast sinkt und die Replikation der Viren zum Beispiel im Lungengewebe gestoppt werden konnte", so Sester. Verschwindet das Virus, können sich T-Zellen und die Antikörper wie in einer Art Autoimmunreaktion gegen das körpereigene Gewebe richten, was zu Organschäden führen kann.


Was ist mit der Immunität?

Sind Patientinnen und Patienten tatsächlich nachhaltig immun gegen das Virus, wenn sie die Krankheit überstanden haben? Auch diese Frage müsse angesichts der Ergebnisse neue betrachtet werden. "Eine These könnte lauten, dass Patienten mit schwererem Verlauf möglicherweise durch die stärkere Immunität auch länger geschützt sind als Patienten mit milderen Verläufen", schlussfolgert Martina Sester. Sie und ihr Team führen dazu weitere Verlaufsmessungen durch.

Das ist wichtig, um Antikörpertests beurteilen zu können. Denn nach den Ergebnissen der bisherigen Untersuchung könnte bei Personen mit milden Verläufen die Zahl der Antikörper rasch unter die Nachweisbarkeitsschwelle fallen.

Link zur Untersuchung

Die Studie ist unter dem Titel High levels of SARS-CoV-2 specific T-cells with restricted functionality in patients with severe course of COVID-19 auf dem Preprint-Server Medrxiv erschienen. Hier können Sie sie als PDF-Datei nachlesen.

(gp)

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