Covid-19 Corona: Auch Geimpfte stecken Mitbewohner an – werden das Virus aber schneller los

Bekommen vollständig Geimpfte eine Durchbruchsinfektion mit der Deltavariante, stecken sie Mitbewohner im Haushalt fast so häufig an wie Ungeimpfte. Allerdings macht der Impfstatus der Mitbewohner einen Unterschied.

Kind sitz auf Bett bei erkälteter Mutter.
Im eigenen Haushalt werden Krankheitserreger am häufigsten weitergegeben, auch das Coronavirus (Symbolbild). Bildrechte: imago images/Shotshop

Auch vollständig Geimpfte können Sars-CoV-2 weitergeben, wenn sie eine Durchbruchsinfektion erleiden. Dabei kann bei der Deltavariante die Virusvermehrung im Rachen und in den Atemwegen ähnliche Größenordnungen erreichen wie bei Ungeimpften. Diese beiden Befunde sind bereits seit einigen Monaten bekannt und werden auch von einer neuen Studie aus dem Vereinigten Königreich (UK) noch einmal bestätigt.

Doch das jetzt im Fachblatt "The Lancet Infectious Diseases" veröffentlichte Paper zeigt anhand detailliert erhobener Daten auch: Die Impfung spielt nach wie vor eine große Rolle für Übertragung und Schutzwirkung, denn: Geimpfte werden das Virus viel schneller wieder los und Übertragungen zwischen zwei vollständig Geimpften Personen sind seltener als zwischen Geimpften und Ungeimpften.

Forscher ermitteln Indexfälle und Haushaltskontakte

Das Team um Anika Singanayagam und Ajit Lalvani vom Imperial College in London ermittelte über das englische Kontaktverfolgungssystem insgesamt 602 Haushaltskontakte von 471 sogenannten Indexfällen. Die Indexfälle waren mild symptomatisch oder asymptomatisch. Bei Einschluss in die Studie wurden persönliche Daten wie Alter und Geschlecht sowie der Impfstatus erfasst.

Die Forscher interessierten sich also vor allem für die im Haushalt von Infizierten lebenden Personen und die Frage, wie häufig die Infektion innerhalb dieser Haushalte weitergeben wird in Abhängigkeit vom Impfstatus der Infizierten und dem der Haushaltskontakte.

Dazu werteten die Wissenschaftler Daten aus, die zwischen September 2020 und September 2021 erhoben wurden. In diesem Zeitraum waren neben den eng mit dem Ursprungsvirus verwandten Varianten, die Alphavariante (B.1.1.7) und schließlich die Deltavariante des Virus dominant. So konnte auch die Übertragung in Abhängigkeit von der Virusvariante beobachtet werden.

Geimpfte Haushaltskontakt stecken sich seltener an

Ein Teil der Untersuchten musste zwischen 14 und 20 Tage lang täglich Abstriche vornehmen, die mit PCR analysiert wurden. Aus den Daten schätzten die Forscher auch die Virusmenge ab. Dabei zeigte sich, dass mit der Deltavariante infizierte geimpfte und ungeimpfte Indexpersonen etwa gleich häufig weitere, in ihren Haushalten lebende Personen ansteckten. Diese sogenannte sekundäre Attackrate war bei Geimpften 25 Prozent und bei Ungeimpften 23 Prozent. Es steckten sich also jeweils ein Viertel der engen Haushaltskontakte an.

Dazu passt auch, dass die Virenlast zum Höhepunkt der Virusvermehrung, also dem Zeitpunkt, an dem Infizierte am ansteckendsten für andere sind, bei Geimpften und Ungeimpften ähnlich hoch war. Die täglichen PCR-Tests zeigten dann aber, dass die Geimpften das Virus deutlich schneller wieder abbauten. Und der Impfstatus der Haushaltskontakte spielte auch eine Rolle.

Etwa 38 Prozent der selbst nicht geimpften Haushaltskontakte (beispielsweise Kinder, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt) steckten sich an. In absoluten Zahlen waren das 15 von insgesamt 40 Personen. Umgekehrt waren aber nur 25 Prozent der vollständig geimpften Personen betroffen (31 von insgesamt 126 Menschen). Auch der Zeitpunkt der Impfung spielte offenbar eine Rolle: Infizierte, vollständig geimpfte Kontaktpersonen hatten ihre zweite Impfung im Schnitt 101 Tage zuvor bekommen. Bei nicht infizierten Kontaktpersonen waren im Schnitt erst 64 Tage vergangen. Die Forscher empfehlen daher für alle gefährdeten Gruppen weitere Booster-Impfungen.

Schnelle Impfung wichtig – und Hygienemaßnahmen trotz Impfung

Anika Singanayagam folgert aus den Ergebnissen ihrer Studie: "Eine Forstsetzung von Maßnahmen zum Infektionsschutz bleibt wichtig, auch bei Geimpften". Ihr Kollege Ajit Lalvani sagt: "Zwischen geimpften Personen geht die Übertragung des Virus weiter, deswegen müssen sich ungeimpfte Personen unbedingt impfen lassen, um sich vor einer Infektion und schweren COVID-19-Erkrankungen zu schützen, zumal sich in den Wintermonaten mehr Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten werden."

Die Autoren merken zu ihren Ergebnissen einschränkend an, dass möglicherweise asymptomatische Indexfälle in den Haushalten übersehen worden sein könnten.

(ens)

25 Kommentare

Rolo vor 11 Wochen

und ob eine solche, höchst wahrscheinlich unentdeckte Infektion zu einer unentdeckten Infektionskette führt, die in vulnerablen Bereichen endet, wie Altersheim (Durchbruchsinfektion mit eventuell schwersten Folgen) oder Schulen (Quarantäne mit eventuell Schulschließung) bleibt dann leider dem Zufall überlassen.

Einen präventiven Schutz davor gibt es in diesen Einrichtungen meist nicht, da Geimpfte ungetestet eintreten, pflegen oder unterrichten dürfen und Luftfilter meist eine Fehlanzeige sind.

Ganz wie vor einem Jahr!

Reagiert hat die Politik hier erst 2 Monate nach Anstieg der Winterwelle und da die Umsetzung nicht vorgeplant war, hat sich dies dann weit in den Januar rein gezogen.

Da die Politik nichts dazu gelernt hat, wird es wohl auch diesen Winter wieder so sein. Da wegen Delta die Winterwelle aber etwas früher angefangen hat, haben wir vielleicht die Chance, dass bis Weihnachten etwas geschieht.

Bislang wird meist nur diskutiert die letzten Getesteten abzuschaffen (2G).

Rolo vor 11 Wochen

dass der Fragende nicht nur durch die Impfung gegen schwere Verläufe geschützt ist, sondern im Falle einer Infektion sehr wahrscheinlich auch nicht in der Statistik der Impfdurchbrüche auftaucht.

Rolo vor 11 Wochen

@ MDR,
habt ihr da nicht etwas vergessen?

Laut RKI ist die Defintion folgende:

Ein Impfdurchbruch liegt vor, wenn bei einer vollständig geimpften Person eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2 Infektion MIT SYMPTOMATIK festgestellt wird. ... also ein positiver PCR-Test und bspw. Halsschmerzen und Fieber.

Wenn zum Beispiel wie in Münster auf einer 2G-Party 80 Corona Ausbrüche bei Geimpften ermittelt werden, gehen diese nur in die Durchbruchs-Statistik ein, falls Symptome auftauchen - was bei jungen geimpften Leuten eher selten passiert.

In den letzten Wochen wurde nach 2G-Partys (Berhain und Co.) selbst auf einen Test von Kontaktpersonen Infizierter verzichtet, falls keine Symptome bekannt sind und die Leute aufgefordert ruhig ohne Test in die Arbeit zu gehen.

Wenn also ein infizierter 2G Gast ohne Symptome ungetestet ein Altenheim betritt, ist dies erlaubt! Da man nach Ausbrüchen in Altenheimen auch immer mit der Suche nach Ungeimpften beschäftigt ist, fällt dies auch nicht weiter auf.