Sars-CoV-2 Corona: So sieht die Zukunft der Schutzmasken aus

Positive Ladungen, Metalloxid zur Selbstreinigung und ein besserer Filter - Wissenschaftler arbeiten an einer neuen Generation von Masken, die vor dem Corona-Virus schützen sollen. Und auch über neue Methoden für eine größere Akzeptanz denken Forscherinnen und Forscher nach.

Corona Masken
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Sie werden uns mit großer Sicherheit noch eine ganze Weile durch die Corona-Zeit begleiten: die Schutzmasken gegen Sars-CoV-2. Als Alltagsmasken waren sie bisher in den meisten Fällen nur ein Stück Stoff, doch Forscher arbeiten nun an Hightech-Varianten, die das Virus aktiv bekämpfen.

Metalloxid und UV-Licht töten Sars-CoV-2

Die dänische Studentin Sara Lee Krog etwa hat eine selbstreinigende Maske erfunden. Die 29-Jährige nutzt dafür das Verfahren der photokatalytischen Selbstreinigung. Hierbei werden organische Materialien auf mit Nanopartikeln beschichteten Oberflächen zerstört, wenn sie mit Licht reagieren - in diesem Fall eben die Coronaviren.

Bei der Erfindung der Studentin werden Metalloxide in die Maske eingebracht und mit kleinen UV-Quellen bestrahlt. Theoretisch könnte das dauerhaft geschehen, weshalb die Masken nicht ausgetauscht werden müssten. In der Praxis muss aber die Stromquelle für das UV-Licht, eine kleine Batterie, immer wieder ausgewechselt werden, was diese Art von Masken zusammen mit der Verkabelung noch etwas unhandlich macht.

Bis zur Marktreife dieser Mehrwegmasken wird es auch einige Monate dauern - eventuell zu lange für die aktuelle Corona-Pandemie. Aber auch so könnte es genug Anwendungsmöglichkeiten für sie geben, für Menschen mit Atemwegserkrankungen oder Allergien etwa oder auch bei Grippewellen.

Mit positiver Ladung gegen negative Viren

Eine andere Methode wurde an der FU Berlin getestet. Bei ihr zerstört der Maskenstoff die Viren, indem er anders als diese geladen ist. "Die Beschichtung dieses Stoffes vermittelt eine positive Ladung, die dafür sorgt, dass im Zusammenspiel mit der negativen Ladung von Sars-CoV-2 die Hülle der Viren zerstört wird und diese damit inaktiv werden", erklärt Prof. Uwe Rösler vom Institut für Tier- und Umwelthygiene der FU.

Erste Tests verliefen bereits erfolgreich, von den Viruspartikeln wurden rund 99 Prozent inaktiviert. Entwickelt und produziert wird die Maske von der Schweizer Firma "Livinguard", die darauf hinweist, dass sie auch nicht wie üblich bei 80 Grad gewaschen werden muss, sondern nur einmal die Woche kalt abgespült und dann getrocknet. Allerdings müssen auch bei ihr natürlich die weiteren Schutzmaßnahmen wie Abstand halten und Hände desinfizieren eingehalten werden.

Je mehr Lagen, desto mehr Sicherheit

Bei den herkömmlichen Masken ist zudem die Anzahl der Lagen sehr wichtig, wie eine noch unveröffentlichte Studie der Universität Marburg und des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft herausfand, über die ebenfalls die Tagesschau berichtete. Hier wurden 16 industriell produzierte Community-Masken getestet, also nicht-medizinische. Im Ergebnis hatte das einlagige Produkt eines Unterwäscheherstellers nur eine Filterleistung von 35 Prozent, während die dreilagige Maske eines Sockenproduzenten auf 89 Prozent kam.

Dabei gelte, je schwieriger man durch eine Maske atmen kann, desto höher ist ihre Filterleistung, erklärt Dominic Dellweg, Chefarzt für Pneumologie am Fachkrankenhaus. Den besten Schutz bieten somit medizinische Masken, die jedoch nicht wiederverwendet können. Darum könnten von dieser Art Bedeckung auch nicht genug für die gesamte Bevölkerung über einen längeren Zeitraum produziert werden. Im Alltag sollten daher eher wiederverwendbare Stoffmasken getragen werden, betont Dellweg.

Superhelden als Vorbilder für Maskenträger

Eine weitere aktuelle Studie ging der Frage nach, wie die allgemeine Akzeptanz der Schutzmasken gegen Sars-CoV-2 erhöht werden kann. Die Forscher von der University of Oxford blickten dafür auch auf asiatische Länder, in denen schon seit längerem Atemschutzmasken zum Alltag gehören. In Europa sind die Kopfverhüllungen dagegen noch ein relativ neues Phänomen, gegen staatliche Verordnungen zu ihrem Tragen infolge der Corona-Pandemie regte sich teilweise Widerstand.

"Damit solche Vorschriften auch wirklich angenommen werden, müssen sie in der sozialen und kulturellen Praxis richtig verankert werden", schreiben die Wissenschaftler. Werbekampagnen dazu sollten nicht nur informieren, sondern auch neue soziokulturelle Normen schaffen. Im Falle der Masken etwa gebe es auch positiv besetzte Träger wie Superhelden in Comics und Filmen oder reiche Frauen in bestimmten Kulturen.

Wie so etwas in der Praxis aussehen kann, machten die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) im Mai vor: Damals wurde die schönste Maske in einem Wettbewerb prämiert. Ebenfalls in die Richtung der von den britischen Wissenschaftlern vorgeschlagenen Maßnahmen gehen Ansagen der LVB, in denen mit Humor darauf hingewiesen wird, dass die Maskenpflicht nicht nur für Superhelden gelte, sondern auch in den Bussen und Bahnen der LVB (in dem Video ab 0:59 Min).

cdi

2 Kommentare

MDR-Team vor 21 Wochen

@"wo geht es hin" Wir sind nicht nur angeblich sondern tatsächlich an einer offenen und vielfältigen Diskussion interessiert. Allerdings können wir in einem Artikel auch nicht immer alle Aussagen zu einem Thema unterbringen. Danke für Hinweis und liebe Grüße, das MDR-Wissen-Team

wo geht es hin vor 21 Wochen

Da der MDR ja angeblich an einer offenen und vielfältigen Diskussion interessiert ist, hier mal eine Stellungnahme zur Maske von Prof. Dr. Markus Veit in der ApothekerZeitung 33/20 unter der Überschrift "Haupsache Maske!?" veröffentlicht. Warum wohl kann man solche Meinungen (die ja durchaus profund begründet sind) hier beim MDR nicht lesen?