Covid-19 Gefährdet Corona die Zeugungsfähigkeit?

Chinesische Mediziner untersuchten die Hoden verstorbener Covid-19-Patienten und verglichen sie mit denen nicht infizierter Verstorbener gleichen Alters. Ergebnis: Nach einer Corona-Erkrankung waren die Hoden beschädigt.

Illustration - Spermium
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Eine Reihe von Untersuchungen hat bereits gezeigt, dass das neuartige Sars-Corona-Virus-2 nicht nur die Atemwege und Lungen angreift, sondern zahlreiche andere Organe befällt, darunter auch das Gehirn. Jetzt kommen zwei neue Studien darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass Corona auch die Fruchtbarkeit von Männern beeinträchtigen könnte. Covid-19 beschädigt offenbar die Funktion der Hoden und damit der Spermabildung.

Deutliche Hinweise: Corona greift die Hoden an

Reproduktionsmediziner der Huazhong Universität in Wuhan, China, haben fünf verstorbene Covid-19 Patienten obduziert und dabei die Testikel der Männer untersucht. Zwar waren die Verstorbenen bereits 51, 62, 70, 78 und 83 Jahre alt, es zeigten sich jedoch deutliche Unterschiede zu gleich alten Vergleichspersonen, die die Wissenschaftler ebenfalls untersucht hatten.

Im Fachblatt "Cellular & Molecular Immunology" berichtet die Gruppe um Yuan Shuiqiao, dass alle fünf Verstorbenen degenerierte Keimzellen in den Hoden aufwiesen, die sich von den Hodenkanälchen gelöst hatten. Die Keimzellen in den altersgleichen Kontrollpatienten dagegen seien intakt geblieben. Tests mit Antikörpern zeigten, dass an einigen Stellen das Spikeprotein des Virus in den Hoden vorhanden war. Elektronenmikroskopische Aufnahmen hätten zudem Viruspartikel gezeigt, schreiben die Forscher. Auch Zellen in den Hoden zeigten den ACE-2 Rezeptor, über den Sars-CoV-2 in menschliche Zellen gelangen kann. Zusammengenommen seien das deutliche Hinweise darauf, dass Corona die Hoden angreifen und damit die männliche Fruchtbarkeit beeinträchtigen kann, schlussfolgern die Forscher.

Reduzierte Spermienzahl möglicherweise auch Folge von Corona-Symptomen und Behandlung

Der britische Molekulargenetiker Petter Ellis von der Universität Kent kritisierte die Studie allerdings beim Kurznachrichtendienst twitter. Die vorgelegten Fakten belegen aus seiner Sicht noch nicht, dass das Virus die Schäden an den Hodenzellen verursacht hat. Es könne sich auch um unspezifische Effekte handeln, die durch Fieber, Sauerstoffmangel oder steroidhaltige Medikamente ausgelöst worden seien und auch bei anderen Infektionen auftreten könnten.

Für Covid-19 Erkrankte ist das leider kein Grund zur Entwarnung. Auch eine andere Forschergruppe aus China veröffentlichte bereits zuvor Daten, die eine stark verminderte Zahl von Spermien bei Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen zeigten.

Stark verminderte Spermienzahl bei Covid-19-Patienten

Im Journal "EClinicalMedicine" berichten Xiong Chengliang von der Untersuchung sechs verstorbener sowie 23 im Krankenhaus behandelter und auf dem Weg der Besserung befindlicher Patienten. Im Vergleich mit nicht infizierten Kontrollpatienten hatten neun Betroffene demnach eine stark verminderte Spermienzahl (Oligozoospermie). 14 Patienten zeigten einen deutlichen Anstieg von weißen Blutkörperchen im Sperma. Die Bildung der Spermien könnte durch eine verstärkte Immunantwort in den Hoden beeinträchtigt worden sein, es brauche aber weitere Untersuchungen, schreiben die Forscher.

4 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

@roca remeed,
dass Corona möglicherweise die Fruchtbarkeit von Männern gefährdet, steht in unseren Augen nicht im Zusammenhang mit der Gefährdung der Zeugungsfähigkeit durch den Corona-Impfstoff. Dennoch ist diese Frage natürlich berechtigt. Laut den Recherche der BR-Kollegen gibt es keinen Hinweis darauf, dass der COVID-19-Impfstoff zu Unfruchtbarkeit führen könnte: https://www.br.de/nachrichten/wissen/faktenfuchs-kein-hinweis-dass-covid-impfung-unfruchtbar-macht,SJofxvV

wer auch immer vor 1 Wochen

Die Alten sterben am Covid und die Jungen können kein Nachwuchs mehr zeugen.

DER MENSCH STIRBT AUS:

Doch ein Schlag gegen uns von Außerirdischen als Strafe für unser Verhalten auf der Erde?

part vor 1 Wochen

Vor gut über 100 Jahren war es biologisch möglich und gesellschaftlich fast noch normal das über 60- Jährige mit jüngeren Partnerinnen noch Kinder zeugen konnten. In heutiger Zeit mit den vielen Umweltgiften, Suchtmöglichkeiten und Arbeitsplatzbelastungen erscheinen mir diese Zahlen eher an die gesellschaftlichen Umstände angepasst. Als fast natürlich zu betrachten ist, dass ein Organismus, der von Viren befallen ist zuallererst seine Aktivitäten auf deren Abwehr richtet, als an Fortpflanzung zu denken, über dem männlichen Klimakterium. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse lassen den Schluss zu das selbst die ehemalige europäische Bevölkerung in der Steinzeit durch Pandemien fast vollständig ausgetauscht wurde und die Pest, die nur auf bakteriellen Erkrankungen beruht, damals schon umherging. Die Menschheit dürfte aber davon nicht untergehen, auch wenn sie den Planeten schon zu ihren Ungunsten verändert hat. Schön zu wissen ist es trotzdem, was die 4000 Mutationen anrichten können.