Asteroid 2020 SW fliegt Richtung Erde Wie NASA und ESA die Asteroiden-Abwehr planen

Am 24. September stattet uns Asteroid 2020 SW einen Besuch ab. Der Felsbrocken im All ist so groß wie ein Kleinbus und fliegt nur wenige Tausend Kilometer entfernt an uns vorbei. Er ist der zweite bekannte Asteroid in Erdnähe an diesem Tag. NASA und ESA arbeiten bereits an Strategien, um mögliche Einschläge in Zukunft zu verhindern.

Ein Asteroid im Weltall.
Asteroid 2020 SW (Symbolbild) hat in etwa die Größe eines Kleinbusses. Bildrechte: NASA/Tony Greicius

Es sind 0,07 lunare Distanzen, schreiben die NASA-Asteroidenbeobachter vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Kalifornien (USA). Mit anderen Worten bzw. in diesem Fall Zahlen: Asteroid 2020 SW fliegt um 17:12 Uhr (MESZ) in nur 36.000 Kilometer Entfernung an uns vorbei. Der Felsen, der zwischen 4,4 und 9,9 Meter groß ist, ist dabei nicht der einzige bekannte, der am Donnerstag die Erde passiert. Zehn Stunden vorher kam 2020 SN vorbei, 30 bis 66 Meter groß, aber dafür rund 3,4 Millionen Kilometer entfernt. Keine Gefahr also.

Auftrag: Finden, verfolgen, warnen

Für das Center for Near Earth Objects (CNEO), dass Asteroiden und Kometen beobachtet, ist aber auch dieser noch als erdnahes Objekt verzeichnet. Und eins, dass weit über das gesteckte Beobachtungsziel hinausgeht. Denn die Aufgabe, die der US-Kongress der NASA am 30. Dezember 2005 gestellt hatte, lautete: "Finden Sie alles (oder mindestens 90 Prozent), was größer als ein kleines Footballstadion ist (140 Meter), verfolgen Sie es und warnen Sie, wenn es eine Gefahr darstellt."

Mittlerweile hat das CNEO auch viele kleinere Brocken im Blick, wenn auch nicht alle, die der Erde nahe kommen. So war es bei Asteroid 2020 QG, der Ende August in nur 2.950 Kilometer Entfernung vorbeiraste und den nicht das CNEO sah, sondern eine Weitwinkelbeobachtungskamera am Palomar Observatorium, das zwar ebenfalls zum Caltech, dem California Institute of Technology gehört, aber nicht offizieller Teil des NASA-Neo-Projektes ist.

Anti-Asteroiden-Projekt von NASA und ESA

Doch die NASA-Astronomen sehen die Beobachtung dennoch als Erfolg, da es gelungen ist, auch diesen kleinen Brocken (3-6 Meter Größe) zu entdecken. Was aber, wenn ein riesiger Felsbrocken gefunden wird, der wirklich Richtung Erde fliegt? Die NASA und ihre europäische Schwesteragentur, die ESA, die ebenfalls gut 1.000 Asteroiden beobachtet, arbeiten seit längerem an Projekten zur Asteroidenabwehr. Gerade hat die ESA dazu eine Vereinbarung mit der NASA unterschrieben.

Bei der ESA heißt das Projekt AIDA, bei der NASA DART. AIDA steht dabei für Asteroid Impact & Deflection Assessment – also die Auswertung der Folgen eines Einschlags auf die Flugbahn. Und DART bedeutet: Double Asteroid Redirection Test, also übersetzt in etwa, doppelter Asteroiden-Umleitungstest.

Deutsche Technik für die Überwachung

Der Plan: Im kommenden Sommer soll eine NASA-Sonde zum Asteroiden "Dimorphos" fliegen. Im Herbst 2022 soll sie dort einschlagen und den Asteroiden mit seinem Durchmesser von rund 160 Metern vom Kurs abbringen. Die Auswertung des Versuchs übernimmt dann eine europäische Sonde. Bei der ESA sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Observatoire de la Côte d'Azur (OCA) an dem Projekt beteiligt, dessen Vorläufer bereits 2005 präsentiert wurde. Damals hieß es noch "Don Quijote" und die beiden Sonden "Hidalgo" (sie sollte einschlagen) und "Sancho" (sie sollte beobachten).

Eine Sonde im Weltall nahe einem Asteroiden.
Die Grafik zeigt, wie die Sonde Hera sich dem Asteroiden Dimorphos nähert. 2024 soll sie starten, um zu untersuchen, ob der Einschlag der NASA-Sonde Dimorphos aus seiner Bahn lenken konnte. Bildrechte: OHB

Don Quijote kam nicht zum Einsatz, aber jetzt soll "Hera" für die ESA starten. So heißt die Sonde, die 2024 zur Kontrolle der Mission eingesetzt wird. Gebaut wird sie in Bremen. Sie wird nicht größer sein als ein Schreibtisch, wie die Tagesschau berichtet, und kleine Mini-Satelliten an Bord haben, die den Asteroiden aus nächster Nähe untersuchen können. Gemeinsam wollen Amerikaner und Europäer so für den Ernstfall proben.

(gp)

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