Klimawandel und Umweltschutz Aufforstung: Gute Idee, aber klimatische Überraschungen möglich

Dass Aufforstung eine gute Sache ist, um das Klima zu schützen, ist zumindest gesellschaftlicher Konsens. Das bleibt auch so. Forschende aus Zürich haben aber jetzt erkannt, dass Aufforstung zu unvorhergesehenen Klimaereignissen führen kann.

Luftbild, direkte Sicht von oben auf Wald in Bayern mit hohen Bäumen und niedrigen Aufforstungs-Bäumen. Unterschiedliche Grüntöne.
Aufforstung, wie hier in Bayern, ist an sich eine gute Idee, kann jedoch Auswirkungen auf das globale Klima haben. Bildrechte: imago/Westend61

Ein Baum ist ein willkommenes Geschenk für Leute, die schon alles haben. Am besten nicht noch einer für den Garten, sondern ein symbolisches Exemplar in einem Aufforstungsprojekt – E-Mail-Updates über das Wachstum inklusive. So ein Baum bereinigt schließlich nicht nur die Luft, sondern auch das schlechte Konsumgewissen in den Industriestaaten. Gegen eine Baumspende ist auch nichts einzuwenden – zumindest war das bisher so.

Forschende der Eidgenössischen Technischen Schule Zürich (ETH) weisen jetzt darauf hin, dass im Aufforstungswald nicht nur Licht, sondern auch Schatten ist. Klar war bisher, dass sowohl Aufforstung als auch Entwaldung den Kohlenstoffkreislauf und die CO2-Konzentration beeinflussen. Das wirkt sich nicht nur auf das lokale Klima aus, sondern auch auf das globale. Welches Potenzial hinter Aufforstungen steckt, wird nach wie vor diskutiert.

Das Team an der ETH hat jetzt Klimasimulationen für mehrere Jahrhunderte durchgeführt. Zum einen wollten sie wissen, was passiert, wenn die vorindustrielle Vegetationsdecke vollständig aufgeforstet wird, zum anderen, was sich verändert, wenn sie abgeholzt wird – die CO2-Level wurden konstant auf vorindustriellem Niveau gehalten. Im Ergebnis können sowohl Aufforstung als auch Entwaldung die globale Energiebilanz beeinflussen. Sie hätten gegensätzliche Auswirkungen, so die Forschenden und stärken, schwächen oder verschieben die Luftzirkulationsmuster, Meeresströmungen und Konvektionszellen in der Innenrtropischen Konvergenzzone (ITC).

Innertropische Konvergenzzone Die ITC ist eine Tiefdruckrinne, nur wenige hundert Kilometer breit, die sich in der Nähe des Äquators befindet. Dort treffen die Passatwinde aus Norden und Süden aufeinander. Man kennt sie auf Grund der starken Quellbewölkung und der tropischen Gewitterschauer.

Im Umkehrschluss heißt das: Nicht nur Entwaldung, sondern auch Aufforstung kann regionalen Niederschlags-, Temperatur-, Wolkenbedeckungsmuster ändern, sowie Oberflächenwindmuster weltweit. Trotzdem, darauf weist die Forschungsgruppe deutlich ist, seien die Erkenntnisse kein Argument gegen Aufforstung. Aufforstung stehe auch für bessere Luftqualität, Biodiversität und Ernährung. Es gehe vielmehr darum, bei groß angelegten Aufforstungsprojekten potenziell unvorhergesehene Einflüsse auf das Klima auch in Regionen fernab des Aufforstungswaldes im Blick zu haben. Einer Baumspende steht also auch in Zukunft erstmal nichts im Wege.

flo

Links/Studien

Die Studie Global forestation and deforestation affect remote climate via adjusted atmosphere and ocean circulation erschien am 4. Oktober 2022 im Fachblatt Nature Communications.

DOI: 10.1038/s41467-022-33279-9

Wissen

Bodenstück mit bedrohten Tierarten, darunter Feldhamster, Schmetterlinge, Regenwurm, Maulwurf und Maikäfer. Im Hintergrund zeichnet sich ein Baum vor blauem Himmel ab.
Im Dezember findet der Artenschutzgipfel COP 15 in Montréal/ Kanada statt. Die internationale Politik möchte sich dort auf einen neuen Gesetzerahmen zum weltweiten Artenschutz verständigen. MDR WISSEN begleitet die Konferenz mit aktuellen Informationen zum Artenschutz. Bildrechte: MDR

0 Kommentare