Corona Wissenschaftlich nachgewiesen: Masken verhindern Ansteckung mit Covid-19

Der Staat könne Maskenpflichten nur verordnen bei hinreichender Evidenz, also wissenschaftlichen Nachweisen für deren Wirksamkeit, sagt Justizminister Buschmann. Diese Nachweise gibt es zuhauf.

Karl Lauterbach (Bundesminister für Gesundheit, SPD) und Marco Buschmann (Bundesminister der Justiz) mit FFP2-Masken bei Plenarsitzung im Bundestag
Der eine denkt über neue Maskenpflichten im Herbst nach, der andere will erst wissenschaftliche Beweise prüfen: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD, rechts) und Justizminister Marco Buschmann (FDP, vorne links). Bildrechte: IMAGO / Christian Spicker

Bundesjustizminister Marco Buschmann hat am vergangenen Sonnabend (18. Juni) in Frage gestellt, ob das Tragen von Masken in Innenräumen ausreichend gut vor Ansteckungen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 schützen würde, so dass eine gesetzliche Vorschrift zum Tragen gerechtfertigt sei. Wörtlich sagte er in einem Interview mit der Zeitung Rheinische Post: "Will der Staat Masken vorschreiben, etwa in Innenräumen, muss das evidenzbasiert und verhältnismäßig sein. Ob das der Fall ist, besprechen wir, wenn alle Gutachten vorliegen." Seitdem wird der Minister von verschiedenen Seiten scharf kritisiert. Denn zumindest an der Evidenz, also an Beweisen dafür, dass Masken ihre Träger von Ansteckungen schützen, mangelt es wahrlich nicht.

FFP-2 Masken filtern Viruspartikel aus dem Atem von Infizierten

Eine der bislang gründlichsten und meistzitierten Studien zum Thema stammt vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen. Die Forschungseinrichtung hat sich auf die Modellierung und Simulation komplexer physikalischer Systeme spezialisiert. Dazu zählt etwa die Wolkenbildung in der Atmosphäre oder das Zusammenspiel von Nervenimpulsen im Gehirn, aber auch verschiedene Aspekte in der Dynamik der Ausbreitung von Krankheitserregern wie dem Coronavirus.

Das Team um die Forscher Gholamhossein Bagheri und Eberhard Bodenschatz wollte wissen, wie stark Masken Viren aus der ausgeatmeten Luft von Infizierten herausfiltern, also verhindern können, dass diese Menschen unabsichtlich zu einer Gefahr für andere werden. Dazu simulierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit physikalischen Experimenten, wie sich Partikel (Aerosole) in der Größe von Sars-CoV-2 in der Raumluft verhalten, wenn sie von Infizierten ohne Maske ausgeatmet werden. Anschließend untersuchten die Forschenden, wie gut verschiedene Arten von Masken (einfache OP-Masken oder dichtere FFP2-Masken) diese Aerosole aus der Atemluft herausfiltern können. Dabei beobachteten die Forscher auch, wie sich die Schutzwirkung der Masken verändert, wenn sie falsch getragen werden und beispielsweise durch Lücken an der Nase oder an den Seiten weiterhin Atemluft ungefiltert ausströmen kann.

Zentrales Ergebnis: "Die Membranen von FFP2- oder KN95-Masken, aber auch von manchen medizinischen Masken filtern extrem effektiv", sagt Erstautor Bagheri. Bei schlecht sitzenden Masken sei der Schutz zwar geringer, da durch die Lücken weiterhin Virenpartikel ausströmen könnten. Aber trotzdem gebe es einen positiven Effekt im Vergleich mit der Option, gar keine Maske zu tragen. Im Vergleich verschiedener Maskentypen untereinander zeigte sich: FFP2-masken bieten einen 75 Mal besseren Schutz als eine OP-Maske, wenn beide korrekt sitzen.

Masken schützen Träger vor Ansteckung

Auch die umgekehrte Frage, wie gut Masken ihre Träger vor einer Ansteckung schützen, wenn sich Virenpartikel in der Raumluft befinden, ist in praktischen Experimenten untersucht worden. Emily Sickbert-Bennett und Phillip Clapp von der University of North Carolina in den USA hatten bereits im August 2020 eine vergleichende Untersuchung verschiedener Maskentypen im Fachblatt JAMA Internal Medicine veröffentlicht.

Wichtigstes Ergebnis: Eine gut sitzende FFP2-Maske (in den USA heißt dieser Typ meist N95) schützt die Träger in mehr als 95 Prozent vor einer Ansteckung durch in der Luft schwebende Virenpartikel. OP-Masken schnitten etwas schlechter ab, waren aber trotzdem nicht wirkungslos: Wurden die Tragebänder hinter dem Kopf zusammengebunden, konnten sie 70 Prozent der Viruspartikel aus der Luft filtern. Wurden sie nur mit Ohrenschlaufen getragen, waren es nur 40 Prozent.

Viruskonzentration meist niedrig: OP-Masken reichen oft aus

Bei beiden Studien handelt es sich nicht um Einzelergebnisse. Sie stehen stellvertretend für viele weitere Untersuchungen, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz hat daher die Ergebnisse vieler weiterer Studien zusammengetragen. Eine wichtige Erkenntnis: Wie gut eine Maske schützt, hängt von der Virenkonzentration in der Umgebung ab. Die ist in gut belüfteten Räumen, in denen sich einzelne Menschen nicht lange aufhalten, meistens relativ gering. "Normalerweise enthält nur ein geringer Anteil der von Menschen ausgeatmeten Tröpfchen und Aerosolpartikel Viren. Meist ist die Virenkonzentration in der Luft so gering, dass selbst einfache chirurgische Masken die Verbreitung von Covid-19 sehr wirksam eindämmen", sagt Professorin Yafang Cheng vom MPI.

Wissen

Kommunikation 5 min
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Bundesweit müssen wir beim Einkauf oder im Nahverkehr einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das erschwert unsere Kommunikation. Wie viel lassen die Masken noch von unserer Mimik übrig? Wie wichtig ist Mimik überhaupt?

Di 05.05.2020 13:35Uhr 05:20 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/aktuell/kommunikation-mit-maske-100.html

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151 Kommentare

MDR-Team vor 1 Wochen

Und dann gibt es den wissenschaftlichen Konsens, so wie im Fall der FFP2 und anderen Masken...

Whataboutism ist in diesem Fall auch keine gute Diskussionsgrundlage.

MDR-Team vor 1 Wochen

Aufgrund von Unvernunft sowie vielen Maskenverweigerern und Maskenverweigerinnen kann man das überhaupt nicht in einen Kontext setzen. Aber netter Versuch ;)

Fakt ist: Es ist hinreichend bewiesen, dass Masken das Risiko einer Ansteckung extrem stark minimieren.

astrodon vor 1 Wochen

@DER Beobachter: Es war Ihr Kommentar an @Felix: "... Hinsichtlich Opferzahlen am beschissensten dran sind wir mitteldeutschen Verquerdenkerländer. Sogar beschissener dran als England: Hier (RKI-Tagesbericht) 384 bzw. 347 Tote auf 100 000 EW."
Wenn Sie jetzt von England wieder auf GB bzw. von Thüringen / Sachsen umschalten, ist das keine seriöse Argumentation.

Fakt ist, England hat ca. 22,5% Einwohner >60 Jahre, in Thüringen und Sachsen sind es > 35%. Knapp 95% der Todesopfer entfallen auf diese Altersgruppe.

Zum Thema einer " nachweislich [...] 8 Jahre längeren Lebensdauer" Dies halte ich für Spekulation bzw. statistische Zahlenspielerei. Das einzige, was belegbar ist, ist die durchschnittliche Lebenswerwartung.

Und zu "Durchschnitt" zitiere ich mal Sie selbst: "Der Dorfteich war im Durchschnitt einen Meter tief und trotzdem ist die Kuh ersoffen."