Immobilientrend Es muss nicht immer neu sein – gebraucht geht auch

Immer mehr Haushalte bilden Wohneigentum aus vorhandenem Gebäudebestand. Das geht aus einer bundesweiten Studie hervor. Ein weiterer Trend: Die Nachfrage nach freistehenden Einfamilienhäusern hat zugenommen.

Einfamilienhaus vor blauem Himmel
Das nagelneue Eigenheim am Rande der Stadt wird heute längst nicht mehr so oft gekauft wie noch vor einigen Jahren. Bildrechte: IMAGO / U. J. Alexander

Wenn man die aktuelle Familie Mustermann befragen würde, wie sie wohnen möchte, dann würde sie wohl zu Protokoll geben: Gern in den eigenen vier Wänden (eigen im Sinne von Eigentum), am liebsten in einem freistehenden Einfamilienhaus, letzteres muss aber nicht unbedingt neu, sondern es darf auch gern gebraucht sein.

Diese Trends gehen zumindest aus einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) hervor, die sich auf eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar (und frühere von Infratest) stützt.
Wobei man einschränkend sagen muss, dass die oben genannte fiktive Familie Mustermann vielleicht schon noch andere Wünsche äußern würde, wenn sie denn das entsprechende Kleingeld hätte. Der Trend zu den gebrauchten eigenen vier Wänden dürfte durchaus auch finanzielle Gründe haben.

Baufertigstellungen

Dass es signifikant weniger neue Eigenheime als früher gäbe, kann man übrigens nicht sagen. Die Trends für Haus-Fertigstellungen mit einer oder maximal zwei Wohnungen sind seit zehn Jahren recht konstant, wenngleich 2021 – wohl auch pandemiebedingt – etwas weniger Einfamilienhäuser bezugsfertig wurden als im Jahr zuvor.
Was dagegen seit Jahren boomt, sind mehrgeschossige Neubauten mit mindestens drei Wohnungen. Hier hat sich die Zahl der jährlichen Fertigstellungen in zehn Jahren mehr als verdoppelt.

Allerdings sind in diesen statistischen Daten auch Mietobjekte enthalten. Das BBSR wollte aber mehr zum Wohneigentum wissen und hat deshalb eine gezielte Befragung beauftragt. In einem ersten Untersuchungsschritt erfolgten Strukturerhebungen zur Ermittlung von Basisdaten in telefonischen Interviews. Grundsätzlich wurden dabei etwa 20.000 Haushalte erfasst.
In einem zweiten Schritt wurden etwa 500 Haushalte, die Wohneigentum gebildet haben, pro Jahr persönlich-mündlich zu ihrem Erwerbsprozess im Hinblick auf ihre Immobilie und ihre Finanzierung befragt. Im Gegensatz zu anderen Studien beinhalten die Erhebungen auch Haushalte, die ihr Wohneigentum vollständig aus eigener Liquidität finanzieren, sowie Wohneigentumsbildung durch Erbschaften bzw. Schenkungen von Immobilien.

Haussuche im vorhandenen Bestand

Von den Haushalten, die im Zeitraum 2018 bis 2021 Wohneigentum bildeten, erfüllten sich 79 Prozent ihren Wunsch nach Wohneigentum im Bestand, nur 21 Prozent im Neubau. "Die Entwicklung hin zu gebrauchten Immobilien hat sich in den letzten Jahren erheblich verstärkt, der Anteil des Neubaus an der Eigentumsbildung hat abgenommen", sagt BBSR-Wohnungsmarktexpertin Iris Ammann. "Angesichts steigender Grundstückspreise sind Gebrauchtimmobilien für viele Haushalte die bessere Alternative zum Neubau."

Hinzu kommt sicherlich der Aspekt der Lage. In zentralerer Lage findet man eher gebrauchte Immobilien, als dass man neu bauen könnte.
Und erwähnen muss man außerdem, dass zu den Bestandsimmobilien auch vererbte und geschenkte zählen. Deren Anteil hat im letzten Befragungszeitraum sogar recht deutlich zugelegt.
Konstant fallend ist dagegen seit mehr als 20 Jahren der Erwerb von neu gebauten Häusern und Wohnungen, zumindest für den Eigenbedarf.

Diagramm BBSR: Art des Erwerbs
Bildrechte: BBSR

Wir hätten gern Platz und Ruhe

Das freistehende Einfamilienhaus dominiert der Umfrage zufolge die Wohneigentumsbildung. 45 Prozent der befragten Haushalte bildeten zuletzt Wohneigentum in diesem Segment – und damit deutlich mehr als Anfang der 1990er (25 Prozent). 19 Prozent verwirklichten nach der aktuellen Befragung ihren Wunsch nach Wohneigentum in einer Doppelhaushälfte, 13 Prozent in einem Reihenhaus und 17 Prozent in einer Eigentumswohnung.

Diagramm BBSR: Wohneigentumsbildung nach Objekttyp
Bildrechte: BBSR

"Der Anteil der Eigentumswohnungen an selbst genutztem Wohneigentum hat in den letzten Jahren abgenommen, obwohl immer mehr solcher Wohnungen fertiggestellt wurden. Das Segment spielt anscheinend eher im Mietwohnungsbau eine Rolle", erläutert Iris Ammann.

Je mehr, desto Haus

Nicht überraschend ist die Erkenntnis, dass es größere Familien eher in Häuser als in Wohnungen zieht. 55 Prozent der befragten eigentumsbildenden Haushalte waren Familien, die meisten realisierten ihren Wunsch nach Wohneigentum in Häusern. "Die Befragung zeigt: Je mehr Personen in einem Haushalt leben, desto eher werden Häuser erworben oder gebaut und desto geringer fällt der Anteil der Eigentumswohnungen aus", sagt BBSR-Expertin Ammann. "Auch bei den Einfamilienhäusern zeigt sich dabei ein eindeutiger Trend hin zum Bestand."

Nicht untersucht wurden die Gründe der verschiedenen zu beobachtenden Trends. Ob also auch nachhaltiges Denken beim Bevorzugen eines gebrauchten Objekts eine immer größere Rolle spielt – oder ob es rein finanzielle Kalkulationen sind, lässt sich daraus nicht ableiten.

Link zur Studie

Weitere Informationen und die Download-Möglichkeit der Studie gibt es auf der Seite des BBSR.

(rr/idw)

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Wohnungsbau 4 min
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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 10. November 2022 | 06:00 Uhr