Forschung an der Bauhaus-Uni Weimar Minimaltemperatur für Wohnungen berechnet: Wie kalt wird es ohne Heizung?

Die Gasspeicher sind gefüllt, aber die Kosten explodieren. Was, wenn die Heizung aus ist? Weimarer Forschende haben simuliert, wie kalt unbeheizte Räume werden können – und einige Tipps gegen die Kälte entwickelt.

Qualm zeichnet sich ab an den Schornsteinen an einem eisigen Morgen in Koenigshain
Bei Gasmangel könnte es Winter sehr frisch in deutschen Häusern und Wohnungen werden - nach Berechnungen der Bauhaus-Uni Weimar bis zu sieben Grad. Bildrechte: imago images/photothek

Infolge des Ukraine-Kriegs wurden die russischen Gaslieferungen nach Deutschland zuletzt reduziert. Die Bundesregierung hat die Menschen daher aufgefordert, möglichst viel Energie zu sparen. Und auch bei größeren Einsparungen bleibt das Problem, dass die Energiepreise gerade durch die Decke gehen. Die große Frage lautet nun, wie wir mit möglicherweise deutlich weniger Gas durch den Winter kommen können.

Experten von der Bauhaus-Universität Weimar um Mara Geske haben dafür simuliert, wie weit eine typische Wohnung abkühlen würde, wenn sie langfristig nicht beheizt wird – der Untersuchungszeitraum lag bei zwei Jahren. Ergebnis: Die Temperaturen der Beispielwohnung im ersten Stock mit drei Außenwänden würden im Winter ohne Heizung auf ein Minimum von durchschnittlich circa sieben bis acht Grad sinken.

Im Winter am besten nur kurz stoßlüften oder gar nicht

Dieser Wert komme zustande, da im Beispielhaus im thüringischen Buttelstedt noch Wohnungen über- und unterhalb des untersuchten Appartements liegen, erklärt Mara Geske im Gespräch mit MDR WISSEN. Bei Wohnungen, die in sonst leerstehenden Häusern liegen, könnten die Temperaturen auch noch weiter runtergehen. Letztlich sei das Raumklima abhängig von diversen Faktoren wie den Außentemperaturen, der Bauart und dem Sanierungszustand des Objektes, so die Expertin. Deshalb sei die Simulation auch nur als Richtwert zu verstehen.

Ob man bei dauerhaften sieben bis acht Grad Innentemperatur über einen längeren Zeitraum wohnen könne, kann Mara Geske nicht sagen. "Ich hoffe einfach, dass es zu diesem Zustand im Winter nicht kommen wird, wenn in Deutschland die Energie sinnvoller als bisher verwendet wird und noch stärker auf Erneuerbare gesetzt wird." Beispiele von Dauercampern im Winter zeigen, dass es wohl möglich wäre – dann aber nur mit sehr dicker Kleidung und vielen Decken.

Die Ingenieurin Mara Geske von der Bauhaus-Uni Weimar.
Die Ingenieurin Mara Geske von der Bauhaus-Uni Weimar. Bildrechte: Lia Becher

Auf den Energiebedarf habe zudem das Verhalten der Bewohner einen sehr großen Einfluss, so die Thüringer Wissenschaftlerin. "Entscheidend ist, die Temperaturregulierung der Heizung nach der Witterung und der Tageszeit auszurichten und im Winter lediglich kurz stoßzulüften, damit die Raumtemperatur nicht zu weit absinkt", so Geske. Daher lieber "ganz oder gar nicht lüften" – Fenster sollten nicht gekippt werden, Querlüften ist am effektivsten. Zudem sollte die warme Luft aus dem Heizkörper frei strömen können, um sich optimal im Raum zu verbreiten. Außerdem können smarte Thermostate, die die Heizmenge automatisch an die Außentemperatur anpassen, spürbar Heizkosten senken. Allgemein gelte: Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart Gas und damit Energiekosten. In Schlafräumen reichten beispielsweise schon 16 bis 18 Grad für ein angenehmes Empfinden, in Wohn- und Arbeitsräumen 20 bis 22 Grad.

cdi/pm

Frank Emrich, Vorstand Thüringer Wohnungs- und Immobilenwirtschaft e.V. (VTW) 19 min
Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer
19 min

Frank Emrich ist Vorstand der Thüringer Wohnungs- und Immobilenwirtschaft e.V. (VTW). Im Interview spricht er über die Auswirkungen der steigenden Heizpreise auf Mieter und Vermieter in Thüringen.

MDR THÜRINGEN - Das Radio Do 14.07.2022 11:25Uhr 19:22 min

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