Covid-19 Selten und ohne Todesfälle: Myo- und Perikarditis nach Corona-Impfung

Eine neue Studie aus den USA hat nach Myo- und Perikarditis-Fällen bei rund zwei Millionen Corona-Geimpften gesucht. Ergebnis: Die seltene Nebenwirkung betraf vor allem Männer, heilte schnell und tötete niemanden.

Herzmuskel Grafik
Nach einer Covid-Impfung kann es in sehr seltenen Fällen zu Entzündungen am Herzgewebe kommen. Bildrechte: IMAGO / agefotostock

  • Eine neue Studie aus den USA hat nach Fällen von Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) bei rund zwei Millionen gegen Covid-19 Geimpften gesucht
  • Die meisten Geimpften waren Frauen im mittleren Alter
  • Es gab 20 Fälle von Myokarditis vor allem bei jungen und 37 Fälle von Perikarditis bei eher älteren Männern
  • Keiner starb, alle heilten schnell, keine bleibenden Schäden

Hinweis der Redaktion: Covid-Impfstoffe können in sehr seltenen Fällen schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Diese Nebenwirkungen ist aber fast immer sehr gut behandelbar und das Risiko ist deutlich geringer, als die Risiken, die eine Covid-19 Erkrankung bei Nicht-Geimpften nach sich ziehen kann. Solange ein Hausarzt nicht aufgrund von Vorerkrankungen oder anderen gewichtigen Gegenanzeigen abrät, wird eine Corona-Impfung für alle über 18-Jährigen dringend empfohlen. Der Nutzen ist weit höher als das Risiko, umgekehrt sind die Risiken für Nicht-Geimpfte durch die extrem ansteckende Delta-Variante des Coronavirus noch einmal angestiegen.

Eine Impfung gegen Corona kann in sehr seltenen Fällen zur Nebenwirkung einer Myokarditis (Herzmuskelentzündung) führen oder auch zu einer Perikarditis (Herzbeutelentzündung). Dieses Sicherheitssignal ist bereits seit einigen Monaten bekannt. Von ersterer scheinen vor allem junge, von zweiterer eher ältere Männer betroffen zu sein. Die amerikanische Seuchenschutzbehörde CDC geht bei beiden Nebenwirkungen von etwa fünf Fällen pro einer Millionen Geimpfter aus. Das ist deutlich seltener als bei einer akuten Covid-19 Erkrankung, die ebenfalls zu Entzündungen des Herzgewebes führen kann. Hier schätzen Mediziner das Risiko auf etwa 450 Fälle pro eine Millionen Erkrankter, also etwa zehn Mal so hoch.

Rund 2 Millionen Patientenakten analysiert

Eine neue Studie aus den USA hat nun noch einmal das Risiko einer Myo- oder Perikarditis anhand von Daten Geimpfter abzuschätzen versucht. Im Fachmagazin JAMA berichten George Diaz und Kollegen von ihrer Analyse der Daten von über zwei Millionen Patienten, die bis zum 25. Mai gegen Corona geimpft worden waren. In diesen Akten suchten die Wissenschaftler nach Fällen aufgetretener Entzündungen des Herzgewebes nach der Impfung und den medizinischen Folgen. Zugleich verglichen sie die Fallzahlen mit Myo- und Perikarditisfällen vor der Pandemie. Wichtigstes Ergebnis: Durch die Impfungen sind die Fallzahlen erhöht, aber bei allen Patienten heilten die Entzündungen rasch. Niemand starb.

Mehrheit der Geimpften weiblich und älter

Von den über zwei Millionen Geimpften in der vorliegenden Studie waren fast 60 Prozent Frauen. Das Durchschnittsalter betrug 57 Jahre, 75 Prozent hatten bereits mehr als eine Impfdosis erhalten. 53 Prozent waren mit Biontech/Pfizer ("Comirnaty") geimpft worden, 44 Prozent mit Moderna und drei Prozent mit dem Vektorimpfstoff von Johnson&Johnson.

Myokarditis vor allem bei jungen Männern – keine Toten

Bei 20 Patienten trat eine Myokarditis auf, im Mittel etwa 3,5 Tage nach einer Impfdosis. Vier Patienten bekamen die Nebenwirkung nach der ersten, 16 (also 80 Prozent) erst nach der zweiten Impfung. 15 der 20 waren junge Männer, das Durchschnittsalter betrug 36 Jahre. 55 Prozent waren mit Moderna, 45 Prozent mit Biontech/Pfizer geimpft worden. 19 der 20 wurden in einer Klinik behandelt und nach durchschnittlich zwei Tagen wieder entlassen. Keiner starb. Bei der letzten in der Studie berücksichtigen Nachuntersuchungen waren 13 Patienten vollständig geheilt und sieben berichteten von gebesserten Symptomen. Zwei der Patienten, die nach der ersten Dosis eine Myokarditis bekommen hatten, erhielten eine zweite Impfung und erlebten dann keine weitere Verschlechterung der Nebenwirkung.

Perikarditis tritt später auf und bei älteren Männern – auch hier keine Toten

Eine Perikarditis (Herzbeutelentzündung) trat bei insgesamt 37 Fällen auf, davon 40 Prozent nach der ersten und 60 Prozent nach der zweiten Impfdosis. 32 Prozent hatten Impfstoff von Moderna, 62 Prozent von Biontech/Pfizer und fünf Prozent von Johnson&Johnson erhalten. Die Nebenwirkung trat im Mittel erst 20 Tage nach der Impfung auf. 73 Prozent der Betroffenen waren männlich, das mittlere Alter betrug 53 Jahre. 13 Patienten (35 Prozent) wurden in einer Klinik behandelt und im Schnitt nach einem Tag wieder entlassen. Niemand starb. Bei der letzten in der Studie berücksichtigten Nachuntersuchung waren die Symptome bei sieben Patienten vollständig abgeheilt, 23 waren auf dem Weg der Besserung.

Mehr Fälle seit Beginn der Impfkampagne

Ein Vergleich der Zeiträume vor und seit Beginn der Impfkampagne zeigt, dass es durch die Impfungen zu einer Zunahme von Myo- und Perikarditisfällen gekommen ist. Vor der Impfkampagne gab es etwa 17 Fälle von Myokarditis pro Monat, aktuell liegt die Rate bei 27,3 Fällen pro Monat. Bei Perikarditis stiegen die Fallzahlen von 49,1 Fällen pro Monat auf 78,8.

Quellen

18 Kommentare

MDR-Team vor 7 Tagen

@Catarina70,
woher genau beziehen Sie Ihre Informationen? Kennen Sie die betroffenen Familien persönlich? Hatten Sie Einblick in die medizinischen Akten?
Es ist absolut richtig: Sie treffen die Entscheidungen für sich und Ihre Kinder - niemand sonst. Und ja, Risiko und Nutzen abzuwägen ist ebenfalls vernünftig. Dafür sollten jedoch zwei Einzelfälle, zu denen es keinerlei Belege gibt, nicht die einzige Basis sein.

Catarina70 vor 7 Tagen

Ein Kausalzusammenhang ist bei genauerer Betrachtung offensichtlich. Der Junge hatte keine Vorerkrankung und das Mädchen ebensowenig. Im Falle des Jungen gab es eine Obduktion die auf eine Veränderung des Herzens und eine Flüssigkeit hinwies. (Herzmuskelentzündung). Dies wurde später nur nicht bestätigt. Es ist doch sehr unrealistisch, dass ein gesunder 13 jähriger plötzlich eines natürlichen Todes stirbt. Zufällig bekam er vorher die zweite Impfung... Im Falle des Mädchens verhält es sich ähnlich. Auch sie war kerngesund und sitzt jetzt im Rollstuhl . Sie bekam direkt nach ihrer zweiten Impfung Probleme, welches auch in der Notaufnahme als "Reaktion auf die Impfung" vermerkt wurde. Sie war seither 9 mal in der Notaufnahme und ist ein körperliches Wrack .
Impfungen haben schon mal Nebenwirkungen, das stimmt. Aber riskiere ich solch schwerwiegende Schäden, bzw sogar den evtl Tod meines Kindes oder wäge Risiko und Nutzen für Kinder ab? Ich denke letzteres ist in dem Fall vernünftiger.

MDR-Team vor 1 Wochen

@Catarina70,
im Fall des Jungen gibt es noch keine abschließende Todesursache. Im Fall des Mädchens gibt es keine einsehbaren Belege für einen nachweisbaren Zusammenhang mit der Impfung. Es sind zwei Fälle - ohne Frage dramatisch, aber Millionen anderen Geimpften geht es gut. Weiterhin gilt die Sicherheit und Wirksamkeit der Impfungen im Gesamtkontext zu betrachten. Fakt ist: Nebenwirkungen können wie bei allen anderen Impfungen und Medikamenten auftreten. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist extrem gering und zum Beispiel geringer als die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls im Haushalt.