Teasergrafik Altpapier vom 11. Juni 2019: Zeitschriftenregal
Bildrechte: panthermedia / MEDIEN360G

Das Altpapier am 11. Juni 2019 Die Überhöhung situativer Umstände

Äußert sich die aktuelle Krise des Journalismus auch darin, dass dieser sich “prinzipienfrei im inszenierten Spannungsfeld eines gesellschaftlichen Einerseits-Andererseits“ bewegt? Ein Altpapier von René Martens.

Teasergrafik Altpapier vom 11. Juni 2019: Zeitschriftenregal
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Die Frage, wie es eigentlich um den Magazinjournalismus in Deutschland bestellt ist, drängt sich Medienjournalisten in diesen Tagen geradezu auf. Der Anlass dafür sind die aktuellen Titelgeschichten im Spiegel und im SZ-Magazin, wir reden hier also über zwei sehr renommierte Vertreter des Genres.

Fürs SZ-Magazin (€) hat Tobias Haberl über die feministische Journalistin und Buchautorin Margarete Stokowski geschrieben -und dabei nicht zuletzt sich selbst porträtiert. Nun teilt fast jeder Journalist in fast jedem Text auch etwas über sich selbst mit, aber über Haberl erfahren wir nun wirklich sehr viel in diesem siebeneinhalb Seiten langen Artikel.

Er fragt sich gleich zu Beginn, “wer eigentlich davon profitiert, dass unsere Gesellschaft in zahllose Milieus zersplittert ist, von denen jedes versucht, die größtmögliche Diskriminierung für sich zu beanspruchen“, und die Antwort lautet natürlich: Stokowski (“Ihr Name wurde zur Marke, als wir aufhörten, uns zu streiten, und begannen, uns mit Likes und Gegen-Hashtags glücklich- und fertigzumachen“)

Georg Diez analysiert Haberls Text für die taz, unter anderem mit Bezug auf die eben zitierte und hier vollständig zu lesende Passage:

“Diversität ist demnach also etwas, das erstens inszeniert ist und zweitens instrumentalisiertwird: Die Projektion ist hier eine homogene Gesellschaft, die aus Profitinteressen unterhöhlt und zerstört wird von Menschen, von Frauen wie Stokowski.“

Diez fragt:

“Warum (…) diese Geschichte? 'Wer ist diese Frau – und wie überzeugend ihr Engagement?‘ So formuliert die Unterzeile die Frage, und sie verrät viel über das Misstrauen, das diese Art von Journalismus antreibt, der vorgeblich kritisch ist – ohne den Sinn oder die Prämissen dieser kritischen Haltung klarzumachen. Und tatsächlich ist er damit in der Konsequenz auch nicht kritisch, sondern affirmativ, weil er sich auf die Seite einer gesellschaftlichen Macht und Mehrheit stellt und den Betrachtungsgegenstand, Margarete Stokowski und den Feminismus generell, kleiner macht, in Zweifel zieht, in die Defensive bringt – ohne dass explizit klargemacht wird, warum.“

Was Haberls Text über die Lage des Journalismus generell aussagt, beschreibt Diez dann noch etwas genauer:

“Die Geschichte, und das erklärt die vielfältige Kritik daran, ist damit symptomatisch für eine Art, zu schreiben und zu denken, die genau das tut, was vom Autor kritisiert wird: Es werden Milieus und Haltungen gegeneinandergestellt, die eigentlich gar nicht gegeneinanderstehen, es wird im Anekdotischen ein gesellschaftlicher Konsens oder wenigstens eine emanzipatorische Aspiration aufgegeben, die demokratisch legitimiert ist, es wird auf vorgeblich heitere Art daran gearbeitet, das Rad des Fortschritts wieder ein Stück zurückzudrehen. Der Text ist damit Zeichen der aktuellen Krise des Journalismus, verloren in medialen Selbstbespiegelungen, prinzipienfrei im inszenierten Spannungsfeld eines gesellschaftlichen Einerseits-Andererseits. Er wirkt sehr alt und seltsam aus der Zeit gefallen.“

Dass Journalisten “prinzipienfrei im inszenierten Spannungsfeld eines gesellschaftlichen Einerseits-Andererseits“ agieren - das ist tatsächlich einer der ganz großen und vielleicht fatalen Schwächen, mit der “wir“ in “unserer“ Branche derzeit konfrontiert sind. Das andere Problem sind Journalisten, die prinzipienfest ihre Gewissen- und Empathielosigkeit unter Beweis stellen, aber dazu dann vielleicht bei anderer Gelegenheit mal mehr. Wobei es sogar möglich ist, diese beiden Haltungen gewissermaßen zu synthetisieren, wie ein geradezu diabolischer “Tagesthemen“-Kommentar aus der vergangenen Woche zeigt.

Die Einschätzung, dass Haberls “sehr alt und seltsam aus der Zeit gefallen“ wirke, erläutert Diez noch in einem Thread:

“Was bleibt, ist ein distanziertes Journalismus-Schauerstück, das auf den individuellen Willen, das Leben, das Schreiben einer Frau mit einer Art von Fünfziger-Jahre-Gruselfaszinationschaut - und dabei en passant gesellschaftliche Klischees und Ressentiments implantiert.“

Haberl ist übrigens Jahrgang 1975, und ich finde es ja vor allem erschütternd, dass jemand in diesem Alter das Weltbild eines schon relativ lange pensionierten FDP-Wählers an den Mann zu bringen versucht. Auch das verheißt ja nichts Gutes für die Zukunft des Journalismus.

Kühnert bei McDonalds

Samira El Ouassil reagiert bei Übermedien (€) auf Haberls Text, indem sie ihn satirisch mit dessen Waffen schlägt, sie verwertet die zahlreichen zur Persiflage einladenden Vorlagen in dem Artikel und macht daraus dann ein Porträt des “Porträtjournalisten“:

“Der Porträtjournalist ist ein Alchemist der biographischen Schlüsselmomente. Mit zur Seite geneigtem Kopf und seinem hartnäckig gespitzten Bleistift, erschafft er das Katzengold des Journalismus: Bedeutsamkeit. Bedeutsam werden alle profanen Alltäglichkeiten, im Nachhinein, indem er sie porträtiert (...) Man muss davon ausgehen, dass er es genießt, für seine Texte ordentlich bezahlt zu werden.“

Auch ihr Text ist - wie der von Diez, aber auf andere Art - eine Analyse von Schwächen, die im Journalismus verbreitet sind:

“Damit aus einer Reihe Beschreibungen auch die Erzählung einer Person werden kann, inszeniert der Porträtautor die Momente wie Szenen, die filmisch Sinn zueinander ergeben, auch wenn die Realität eher wie eine Arbeit von Samuel Beckett oder Harold Pinter aussieht. In der biografischen Nacherzählung wird ein Beitrag zur Gestaltung eines Lebens tendenziell übertrieben, während die Rollen von Zufall und Unfall heruntergespielt werden (…) Inkonsistenzen und Brüche werden wahlweise verrationalisiert, um ein stimmiges Bild zu schaffen. Oder aber überbetont, um als differenzierte Betrachtung zu gelten.“

Hier gleiten wir dann langsam hinüber in jenen Teil des Textes, der sich der zweiten symptomatischen Magazin-Titelgeschichte widmet. In deren Mittelpunkt steht Kevin Kühnert, und auf dem Cover wird sie mit “Kommt jetzt Kevin?“ angekündigt. El Ouassil schreibt:

“Ich stelle meine Tasse mit dem Kaffeesatz weg, und während die halbe Presselandschaft darüber rätselt, was sie aus Relotius lernen kann und wie sie die Überhöhung situativer Umstände zur Bereicherung von Reportagen vermeiden kann, schauen wir noch um kurz vor 23 Uhr in der McDonald’s-Filiale im S-Bahnhof Friedrichstraße für einen menschelnden Moment vorbei. Das soll der Abschluss für das Porträt werden.“

Das bezieht sich auf folgende Passage aus der Spiegel-Titelstory (€):

“Wäh­rend die hal­be Par­tei dar­über rät­selt, ob er für den Vor­sitz kan­di­die­ren wird, be­sucht er am Mitt­woch­abend das Bas­ket­ball­spiel zwi­schen Alba Ber­lin und Ol­den­burg. Um kurz vor 23 Uhr schaut er noch in der Mc­Donalds-Filiale im S-Bahnhof Friedrichstraße für einen Spätabendsnack vorbei.“

Die Spiegel-Titelgeschichte hat den Vorteil, dass hier gleich zwei Miseren zu Tage treten: die des Porträt- und des Politikjournalismus. Schwer zu toppen ist die bräsige Onkelhaftigkeit folgender Passage (wer auch immer von den neun Autor*innen dafür verantwortlich sein mag):

SPD und CDU verlieren auch deshalb, weil sie Politik stets in langen Linien zu denken versuchen und all das, was sich nicht umsetzen lässt, für die nächste Legislaturperiode versprechen. Das ist kein unseriöser Ansatz, nur passt er nicht zum Rhythmus gerade jüngerer Wähler, die sofort das Klima retten oder sofort alle Ungerechtigkeiten beseitigt sehen wollen.

Ist hier etwa eine Sehnsucht zu spüren, Seit an Seit unterzugehen mit den angeblich des Denkens in “langen Linien“ zumindest tendenziell befähigten Christ- und Sozialdemokraten?

Andere Passagen klingen nach fußballjournalistischem Kaffeesatz, wie man ihn aus Wer-wird-neuer-Trainer-bei-xy? - Artikeln kennt:

“Die überschaubare Liste an möglichen Kandidaten sorgt dafür, dass bislang undenkbare Lösungen diskutiert werden. Alexander Schweitzer wird genannt, Fraktionschef im rheinland-pfälzischen Landtag. Boris Pistorius, Innenminister in Niedersachsen. Auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer halten einige für vorstellbar.

Habecks Hoodies

Zu den (jedenfalls in Twitter-Blasen) viel diskutierten Texten, in dem sowohl die Misere des Porträt- als auch die des Politikjournalismus zu Tage treten, gehört auch dieses Die-Zeit-Porträt über Robert Habeck. Kostprobe für die Hartgesottenen:

“Habeck, seine Reisetasche über der linken Schulter, läuft behände und erstaunlich schnell durch die Menschenmassen am Kölner Hauptbahnhof, die ebenso keine Notiz von ihm nehmen wie er von ihr. Auch untertauchen kann er gut, er zieht sich dann einen dieser Hoodies, die er immer in der Tasche hat, über den Kopf und macht sich viel kleiner, als er ist. So schlängelt er sich durch Deutschland, von Bühne zu Bühne.“

Ja, die Branche hätte, um Samira El Ouassil noch einmal aufzugreifen, “aus Relotius“ tatsächlich lernen können, was falsch ist an der “Überhöhung situativer Umstände“, aber die Texte über Stokowski, Kühnert und Habeck zeigen, dass es an dieser Lernbereitschaft mangelt. Was man “aus Relotius“ eigentlich “lernen“ müsste: Dass die von ihm erfundenen Passagen auch nicht besser gewesen wären, wenn sie faktisch “gestimmt“ hätten. Auch wenn sie wahr gewesen wären, wären sie falsch gewesen - falsch im Sinne von überflüssig und irrelevant.

Was die an dieser Stelle schon oft (zum Beispiel hier und hier) thematisierten Schwächen des Politikjournalismus angeht: Da bietet es sich an, einen längeren Artikel Bernd Ulrichs aus der aktuellen Zeit (€) aufzugreifen, in dem er sich unter anderem damit befasst, warum Rezos “Die Zerstörung der CDU“-Video so erfolgreich war:

“Weil Medien sich meist als Begleitberichterstattung der Politik sehen, erleiden auch sie einen partiellen Realitätsverlust, wenn die Politik den Kreis des Sagbaren, Sichtbaren oder Verhandelbaren zu eng zieht. Stattdessen beschäftigt sich der politische Journalismus ausführlich mit Personalien, mit den Feinheiten politischer Prozesse und natürlich mit Machtkämpfen. Das wirkt dann auch wie Politik, ist zurzeit jedoch vor allem eines: Ablenkung von den Sachfragen (…)“

Kay Sokolowsky hat sich dazu in konkret 1/18 (siehe Altpapier) zumindest inhaltlich nicht unähnlich geäußert:

Alles Politische wird zu einer Sache der Gefühle, Stimmungen, 'Chemie'. Irgendeiner lauert im Hintergrund, irgendeine probt den Aufstand, jemand spielt auf Zeit, alle verlieren die Geduld, 'hinter den Kulissen' tobt ein 'Krach', 'auf der Bildfläche' sind plötzlich allerlei Figuren 'aus der zweiten Reihe’ (…)“

Anstelle der Formulierung “Begleitberichterstattung der Politik“ noch verwendete Ulrich neulich übrigens den Begriff “prozessbetreuender Journalismus“ (siehe piqd.de).

Um mal ein Zwischenfazit ziehen: Es gehört zu den positiven Aspekten des Medienstrukturwandels, dass jene, die durch Rezo politisiert wurden, von der in den etablierten Medien gepflegten “Begleitberichterstattung der Politik“ vermutlich gar nichts mitbekommen haben.

Altpapierkorb (Sigmar Gabriel, Anti-PC-Wahn in Zürich, Iwan Golunow unter Hausarrest, Klarnamenpflicht, der Franz Josef Wagner der FAZ, Hasnain Kazims Hörbuch, Axolotl Overkill, Siegfried und Roy, Dr. John, Martin Scorsese, Bob Dylan)

+++ Als eine Art the next Thilo Sarrazin scheint sich Sigmar Gabriel auf dem Krawallschachtel-Markt etablieren zu wollen. Darauf lässt ein Kommentar fürs Handelsblatt schließen. Mit den Fakten nimmt es der von der Dieter-von-Holtzbrinck-Gruppe bekanntlich mit einem hübschen Taschengeld (siehe auch Altpapier) versorgte Starautor dabei aber offenbar nicht so genau, wie das Neue Deutschland gleich zweimal (hier und hier) und der mit dem ND verbandelte Oxi-Blog in einem Thread darlegen.

+++ Dass das ehemalige Weltblatt NZZ zu einem Wahnwelt-Blatt geworden ist, ist traurig, aber was Andreas Tobler für den Tages-Anzeiger über einen Teilaspekt dieser Entwicklung schreibt, ist immerhin amüsant: “Der Anti-PC-Artikel ist (dort) schon fast ein eigenes Genre.“ Allein im letzten Jahr seien dort “über hundert, meist ganzseitige Artikel“ erschienenen, “in denen gegen 'politische Korrektheit’ angeschrieben wird“. Tobler weiter: “Die Tatsache, dass die Anti-PC-Böcke in einer ziemlich großen Herde und alle nach dem gleichen Schema dahinblöken, hindert sie aber nicht daran, sich als schwarze Schafe zu gerieren: Heroisch opfern sie sich auf, wenn sie sich mit ihren Texten auf die Schlachtbank der Öffentlichkeit wagen.“

+++ Über den Fall des zunächst verhafteten und nun unter Hausarrest stehenden russischen Investigativjournalisten Iwan Golunow hat Paul Katzenberger für die SZ mit Sergei Davidis gesprochen, der im Vorstand der russischen Menschenrechtsorganisation Memorial für politische Gefangene zuständig ist. Friedrich Schmidt in der FAZ: “Mehrmals schon sind Journalisten und andere Kritiker der Macht in Russland mit Rauschgiftverfahren überzogen worden, die als fabriziert gelten“. Und: “Als Journalist hat Golunow (…) detailliert beschrieben, (…) wer an öffentlichen Aufträgen verdient, am Geschäft mit dem überall verbauten Granit, an der Dekoration von Straßen. Golunow nannte Namen, ordnete Besitztümer zu. Er hat in vielen renommierten Medien gearbeitet und ist als gewissenhafter, genauer Rechercheur angesehen.“ Auch Spiegel Online und  Die Welt berichten recht ausführlich.

+++ Warum so etwas wie die Watergate-Recherchen im heutigen medialen Umfeld der USA nicht mehr möglich sind bzw. nicht mehr eine mit damals vergleichbare Wirkung entfalten würden, steht in der Washington Post.

+++ Ein Oldie, den Annegret Kramp-Karrenbauer für neu hält: die Klarnamenpflicht. Sie “würde nicht nur wenig gegen Hass im Netz helfen, sondern könnte dessen Opfer gefährden. Soll sich jemand, der in Reichsbürgerforen recherchiert oder unter Pseudonym über das Leben als Transperson twittert, zur Zielscheibe machen für die, denen Hasskommentare nicht weit genug gehen?“, kommentiert Johanna Roth für die taz. Und Dennis Horn in einem Twitter-Thread: “Sollte sich @akk eine Klarnamenpflicht wünschen, passt das nicht zur Forderung, Regeln für 'die analoge Welt’ müssten auch fürs Digitale gelten. Denn eine Klarnamenpflicht hieße im Umkehrschluss: Wir alle müssten auch in der Fußgängerzone Namensschilder auf der Brust tragen.“

+++ In den Geschichten von Claas Relotius traten Menschen auf, die gar nicht existierten, erfunden, aber bei Forbes schrieb sogar ein Autor, der offenbar nicht existiert. The Intercept hat dies recherchiert.

+++ Wie Jasper von Altenbockum, “der Franz Josef Wagner der FAZ“ (Lorenz Matzat), sich am Pfingstwochenende zum Affen machte (Stichwort: Rezo), rekapituliert der NDR-Journalist Carsten Pilger in einem Thread.

+++ FAZ-Wirtschaftsredakteur Jonas Jansen hat “das Gefühl, dass vor allem hier auf Twitter ein seltsames faz-bild gepflegt wird“, weshalb er gleich mal elf aktuelle Texte aus seinem Hause aufzählt, die seiner Ansicht nicht zu diesem Bild passen.

+++ Und da erwähnen wir hier doch gern noch einen weiteren: Julia Bähr bespricht ein Hörbuch des Spiegel-Redakteurs Hasnain Kazim: “Was Menschen mit ausländischen Namen so für Post bekommen, hat der Journalist Hasnain Kazim in “Post von Karlheinz. Wütende Mails von richtigen Deutschen – und was ich ihnen antworte“ mit der Welt geteilt. Die Nachrichten, die die Schauspieler Bjarne Mädel, Cathlen Gawlich und Bernhard Schütz für dieses Hörbuch vorlesen müssen, liegen außerhalb der Vorstellungskraft anständiger Menschen (…) Grandios sprechen die Schauspieler die fürchterlichen Texte, teilweise mit Schaum vorm Mund, aber nie parodistisch überzeichnet.“

+++ Andreas Busche würdigt im Tagesspiegel “Axolotl Overkill“, die Verfilmung von Helene Hegemanns fast gleichnamigen Debütroman “Axolotl Roadkill“, die die Autorin gleich selbst in die Hand genommen hat. Zu sehen ist der Film in der Nacht zum Mittwoch zum Start der 16. Staffel der Reihe “Debüt im Ersten“. ‚Axolotl Overkill’ ist 100 Prozent Style und Attitüde, für ein so furioses Regiedebüt braucht es erst mal auch nicht mehr“, schreibt Busche. “Was (…) angenehm auffällt, ist, dass Hegemann in ihrer Inszenierung nie ihren Witz verliert, dennoch emotionale Momente völlig ironiefrei in Szene setzt und auch nie auf die Tränendrüse drückt“, bemerkt Ernst Corinth (Märkische Allgemeine).

+++ Seinem Image als nun wirklich jeden Unsinn abnickendes Gremium hat der WDR-Rundfunkrat in der vergangenen Woche entgegen gewirkt, indem er beschlossen hat, der Sender dürfe sich “aus Kostengründen“ nicht an einer von Nico Hofmann in Angriff genommenen und offenbar sehr opulenten Serie über die Zauberkünstler Siegfried und Roy beteiligen. Das berichtet die Medienkorrespondenz, die dazu auch ein Statement der WDR-Pressestelle zitiert: “Da der WDR als größte Landesrundfunkanstalt auch finanziell den größten Anteil aller ARD-Sender an der Produktion getragen hätte, bedeutet dies auch das Aus für das Projekt.“

+++ Dass Dr. John - dessen Mu­sik “man komplett missversteht, wenn man sie als Mischung aus Funk, Soul, Blues und Jazz versteht, weil sie, ganz im Gegenteil, all das schon immer in sich hatte, aber bevor die Genres sich trennten“ - im Alter von 77 Jahren verstorben ist, würde hier normalerweise keine Erwähnung finden. Tut es nun aber doch, weil die FAS einen Nachruf, aus dem die eben zitierten Zeilen Claudius Seidls stammen, als Randspalte auf ihrer Medienseite (!) platziert hat. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen anarchischen Umgang mit Regeln sympathisch finde, oder ob man hier einer von Geringschätzung für Medienthemen sprechen muss. Nach dem Motto: Das müssen wir unbedingt noch unterkriegen, und hier passt es zwar überhaupt nicht, aber, auch egal, es stört sowieso niemanden, ist ja nur die Medienseite.

+++ Um mit einem Musikthema auszusteigen, das schon eher hierher gehört. Vanity Fair empfiehlt “Rolling Thunder Revue: A Bob Dylan Story by Martin Scorsese“, zu sehen bei Netflix: “The Rolling Thunder tour represented a breakthrough in Dylan’s understanding of how manufactured chaos and enforced spontaneity could enable him to pierce the bubble of wealth, power, and fame that had enveloped him over a decade earlier, so he could make some music with a genuine spark of life. Scorsese’s implied thesis is that this effort by a burned-out singer-songwriter to recapture his muse had a larger meaning. It was a quest on the eve of the Bicentennial to resuscitate the optimistic, can-do spirit of America, which had run aground on the twin shoals of Vietnam and Watergate.“

Neues Altpapier gibt es wieder am Mittwoch!

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