#blickzurück: Kalenderblatt der Geschichte Das geschah am 22. April

2017: Neue Sichtachse für Göltzschtalbrücke

Am 22. April 2017 wird die neue Sichtachse für die Göltzschtalbrücke feierlich eröffnet. Die 1851 eröffnete Göltzschtalbrücke ist die größte Ziegelsteinbrücke der Welt. Die imposante Eisenbahnbrücke zwischen Reichenbach und Netzschkau ist 78 Meter hoch und 564 Meter lang. Für das Wahrzeichen des Vogtlands wurden 26 Millionen Ziegelsteine verbaut. Doch in den letzten Jahren wuchs immer mehr Gestrüpp, sodass die Sicht auf die Brücke durch Wildwuchs eingeschränkt war und nicht mehr alle Etagen zu sehen waren. Nachdem Strauch- und Gestrüppholz unter Beachtung des Naturschutzes entfernt wurden, herrscht ab April 2017 wieder freie Sicht auf die einmalige Brücke in ihrer ganzen Größe.

2016: Schmähgedicht über Erdogan: Merkel räumt Fehler ein

Am 22. April 2016 räumt die damalige Kanzlerin Angela Merkel öffentlich einen Fehler im Umgang mit der Böhmermann-Affäre ein. Sie ärgere sich darüber, dass sie das Gedicht als "bewusst verletzend" bezeichnet habe, sagt sie in der Pressekonferenz. Allerdings bleibt Merkel bei ihrer Entscheidung, dass die Staatsanwaltschaft auf Grundlage von Paragraf 103 des Strafgesetzbuchs gegen Böhmermann ermitteln darf.

In einem Schmähgedicht Ende März 2016 betitelt der Satiriker und Fernsehmoderator Jan Böhmermann in der ZDF-Show "Neo Magazin Royale" den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "sackdoof, feige und verklemmt". Das Gedicht wird zum Politikum. Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisiert Böhmermanns Gedicht in einem Telefonat mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu als "bewusst verletzend". Allerdings sei die Freiheit der Kunst und die Pressefreiheit nicht verhandelbar.

Das Hamburger Landesgericht untersagte in einem Urteil Ende 2016 die von Böhmermann vorgetragen Satire. Der ZDF-Moderator legte Beschwerde ein. Das Gedicht sei von der Kunstfreiheit gedeckt. Doch die Klage wird im Juli 2019 vom Bundesgerichtshof zurück gewiesen. 2019 zieht Böhmermann vor das Bundesverfassungsgericht. Bislang ist das Verfahren anhängig.

Jan Böhmermann
Fernsehmoderator und Satiriker Jan Böhmermann. Bildrechte: IMAGO

1976: DDR eröffnet Antarktisstation

Am 22. April 1976 eröffnet die DDR eine Antarktisstation, die Ende der 80er Jahre den Namen Georg-Forster-Station erhält. Schon seit 1959 schickt die DDR Wissenschaftler in die Antarktis. 1974, noch fünf Jahre vor der BRD, tritt die DDR dem Antarktisvertrag bei, der eine friedliche Nutzung des Kontinents regelt. Das war der Startschuss für die Errichtung einer dauerhaft besetzten Forschungsstation. Durch die Arbeiten auf der Station sollen die wissenschaftlichen Erfolge der Republik, vor allem auf dem Gebiet der Ozonforschung, internationale Anerkennung bekommen. Jährlich überwintern acht bis zwölf DDR-Wissenschaftler in der Station und forschen täglich bei bis zu Minus 40 Grad. Nach der Wiedervereinigung wird im Februar 1993 die Arbeit auf der Station eingestellt.

1954: Genfer Flüchtlingskonvention tritt in Kraft

Am 22. April 1954 tritt die Genfer Flüchtlingskonvention in Kraft. Bei der Konvention handelt es sich um das völkerrechtliche "Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge", was am 28. Juli 1951 verabschiedetet wurde. Im Dokument werden die Grundlagen der Rechte von Menschen auf der Flucht festgelegt, die bis heute bestehen. Die Konvention regelt, wer als geflüchtete Person gilt und welche Rechte und Pflichten damit verbunden sind. Die Konvention entstand 1951 infolge der großen Fluchtbewegungen in Europa nach Ende des Zweiten Weltkrieges. Im November 1951 ratifizierte die Bundesrepublik Deutschland das Abkommen. Die Sowjetunion und die DDR treten dem Abkommen nicht bei. 1967 wird das "Protokoll über die Rechtsstellung der Flüchtlinge" verabschiedet, wodurch die ursprüngliche zeitliche und örtliche Eingrenzung der Genfer Flüchtlingskonvention entfällt und sie nun für Flüchtlinge weltweit gilt. 149 Staaten sind der Konvention bis heute beigetreten.

1952: US-Atombombenexplosion live im TV übertragen

Am 22. April 1952 wird in den USA die erste öffentliche Atombombenexplosion live im Fernsehen übertragen. Im Rahmen der Kernwaffentests der Operation "Tumbler-Snapper" wird eine Atombombe aus 10 Kilometern Höhe über der Wüste von Nevada abgeworfen. Sie ist noch stärker als die auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfenen Bomben. Ziel war es, genauere Informationen über die Auswirkungen der Druckwellen zu erhalten. Nach der Explosion wird ein militärisches Manöver auf dem simulierten Atomschlachtfeld durchgeführt.

Die Explosion wird aus ca. 15 km Entfernung von Journalisten beobachtet und live im Fernsehen übertragen. Das Militär erhofft sich durch die Übertragung die Unterstützung der Bevölkerung für die Nutzung von Atomwaffen zu gewinnen. Es soll gezeigt werden, dass die Atombombe als Waffe eingesetzt werden kann, um Kriege zu verkürzen, Verluste zu vermeiden und dadurch angeblich mehr amerikanische Soldaten und Zivilisten retten kann.

Atombombentest 1952 Nevada
Die Fernsehzuschauer sehen die Explosion nicht annähernd wie die Reporter vor Ort: Denn die Explosion blendete die Kameras, was dazu führt, dass die Zuschauer nur einen winzigen weißen Lichtpunkt auf einem dunklen Bildschirm erkennen. Bildrechte: imago images/Everett Collection

1951: Die DDR gründet ihr eigenes Olympisches Komitee

Am 22. April 1951 wird im Berliner Roten Rathaus das Nationale Olympische Komitee für DDR gegründet. Allerdings wird dieses nicht vom Intenationalen Olympischen Komitee (IOC) anerkannt. Der Grund: Die Bundesrepublik war der DDR bereits im September 1949 mit der Gründung eines eigenen Sport-Ausschusses zuvorgekommen. 1955 wird die DDR - unter großen Protesten der Bundesrepublik - provisorisch ins IOC aufgenommen. Die damalige Bedingung für die Aufnahme lautet: Zu den Olympischen Spielen 1956 sollte eine gemeinsame deutsche Mannschaft fahren. Doch das klappt nicht reibungsfrei. Es gibt Streit wegen der Hymne. Zu den Olympischen Sommerspielen 1960 in Rom wollen beide deutschen Staaten ihre eigene Flagge hissen. Das IOC muss schlichten, man einigt sich auf ein gemeinsames Emblem: die olympischen Ringe auf Schwarz-Rot-Gold.

1945: Das Konzentrationslager Sachsenhausen wird befreit

Am 22. April 1945 stoßen sowjetische Soldaten auf ihrem Weg nach Berlin auf das Konzentrationslager Sachsenhausen. Dort treffen sie auf rund 3.000 völlig entkräftete Menschen. Diese werden durch die Soldaten mit Medikamenten, Lebensmitteln und Kleidung versorgt. Doch viele der Häftlinge sind zu geschwächt oder zu krank. Für sie kommt die Hilfe zu spät. Zwei Tage zuvor, in der Nacht vom 20. auf den 21. April hatte die SS-Kommandantur das Lager auf Grund der nahenden sowjetischen Truppen geräumt. Es sollten keine Spuren mehr von den Verbrechen in den Lagern auffindbar sein. Mehr als 30.000 Gefangene werden so auf Todesmärsche Richtung Norden geschickt. Wer zu schwach ist, um das Lager zu verlassen, wird an Ort und Stelle von der SS erschossen.

Vorschaubild Video Sachsenhausen 7 min
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7 min

Eine Dokumentation des Deutschen Fernsehfunk 1990 über das ehemalige sowjetische Soziallager Sachsenhausen.

Mo 29.03.2021 11:14Uhr 07:04 min

https://www.mdr.de/geschichte/stoebern/video-504728.html

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1945: Käthe Kollwitz gestorben

Am 22. April 1945 stirbt die deutsche Künstlerin Käthe Kollwitz in Moritzburg bei Dresden. Sie zählt zu den bekanntesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. 1919 wird sie als erste Frau Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und gleichzeitig zur Professorin ernannt. Weil sie sich gegen die Nationalsozialisten positioniert, wird sie 1933 aus der Akademie ausgeschlossen. Im Rahmen der Aktion "Entartete Kunst" 1937 werden Arbeiten von ihr in deutschen Museen beschlagnahmt. 1943 verlässt Kollwitz wegen den zunehmenden Bombenangriffen Berlin und siedelt nach Nordhausen über. Im Juli 1944 zieht sie bis zum Kriegsende nach Moritzburg bei Dresden, wo sie im April im Alter von 77 Jahren stirbt.

Der Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die sozialkritische Auseinandersetzung mit den Lebensumssituationen der Arbeiterklasse. Außerdem verarbeitet sie eigene Schicksalsschläge künstlerisch wie den Tod ihres jüngsten Sohnes Peters im Ersten Weltkrieg.

Käthe Kollwitz 1965 1 min
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