MDR Moderator Jens Haentzschel und Erdbeerbäuerin Roswitha Zehelein-Schemm sitzen auf einem Erdbeerfeld in Franken. 3 min
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Süße Früchtchen Erdbeeren anbauen, pflegen und ernten

01. Juni 2023, 12:00 Uhr

Im Juni ist Erdbeerzeit. Damit die Früchte ihr volles Aroma ausbilden, brauchen sie gute Bedingungen. Wir erklären, worauf es beim Anbau von Erdbeeren ankommt und auf welchen Böden die Pflanzen am besten gedeihen. Außerdem gibt es Tricks, wie man Krankheiten vermeiden kann und wie frisch gepflanzte Frigo-Erdbeeren innerhalb von zehn Wochen Früchte tragen.

Der richtige Boden und Standort für Erdbeeren

Erdbeeren bevorzugen sandig-humose, durchlässige Böden. Ein lehmiger Untergrund ist für den Anbau weniger geeignet. Die meisten Früchte bilden Erdbeeren an einem Platz in der Sonne. Sie dürfen nicht austrocknen, aber auch nicht unter Staunässe leiden.

Erdbeeren lieben es wenn die Erde mit organischem Material, wie zum Beispiel Stroh bedeckt ist. Der Düngewert ist zwar nur gering, allerdings bringen solche organische Zugaben vor allem eine Strukturverbesserung des Bodens. Der Feuchtigkeitsgehalt der Erde bleibt konstant, es wachsen weniger unerwünschte Kräuter zwischen den Erdbeerpflanzen. Die Früchte bleiben sauber, weil die Beeren nicht mit der Erde in Berührung kommen. Das Stroh sollte spätestens während der Blüte auf dem Beet dicht um die Pflanzen herum verteilt werden. Regnet es, können die Blätter und die Früchte schneller wieder trocknen. Außerdem werden die Früchte durch das Spritzwasser nicht verdreckt.

Unter Erdbeerfrüchten wurde Stroh verteilt
Das Stroh sorgt dafür, dass die Früchte sauber bleiben. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

Erdbeeren richtig düngen und gießen

Erdbeeren düngen

Zwar sind Wilderdbeeren äußerst genügsame Pflanzen, die großfruchtigen Zuchtsorten jedoch freuen sich über Düngergaben. Gedüngt werden sollten sie ausschließlich mit organischem Dünger, mineralischer Dünger enthält zu viele Salze. Auch bei Gartenkompost sollte man aus diesem Grund zurückhaltend sein. Nichts falsch macht man mit speziellem Beerendünger aus dem Gartenmarkt. Als Faustregel gilt, dass einmaltragende Erdbeeren kräftig nach der Ernte gedüngt werden während immertragende Erdbeeren kontinuierlich alle zwei Wochen während der Erntezeit gedüngt werden.

Erdbeeren gießen

Wichtiger als das Düngen ist jedoch die Versorgung mit Wasser, schließlich bestehen die Früchte zum Großteil aus eingelagertem Wasser. In sehr trockenen Jahren muss man sich entscheiden, ob die eigene Erdbeerernte den Wassereinsatz wert ist. Gießen Sie am besten am Morgen und vermeiden Sie es, die Blätter zu benetzen. Sehr gut funktioniert eine Tröpfchenbewässerung.

Die passende Erdbeersorte finden

Die Sortenauswahl bei Erdbeeren ist sehr groß. Roswitha Zehelein-Schemm, Erdbeerexpertin aus Franken, rät, sich zunächst zu überlegen, für welchen Zweck man die Erdbeeren verwenden möchte und dann auf Sorten zu setzen, die gut auf das jeweilige regionale Klima angepasst sind. Sie sieht drei wesentliche Anwendungsgebiete für Erdbeeren:

  1. Erdbeeren für den Nutzgarten: Der klassische Anbau im Garten zum Eigenverzehr der Früchte von Mai bis Oktober. Sie haben die Wahl zwischen einmaltragenden und remontierenden Sorten.
  2. Erdbeeren für urbanes Gärtnern: Anbau auf kleinem Raum im Balkonkasten, Kübel, der Blumenampel oder auf Hochbeeten.
  3. Erdbeeren für die Gartengestaltung: Hier kommen Ziererdbeeren zum Einsatz, die weniger durch Ertrag als durch schöne Blüten glänzen. Man kann Erdbeeren als Unterpflanzung von Stauden und Beeteinfassung nutzen oder pflegeleichte Erdbeerwiesen anlegen.

Pinkblühende Erdbeeren in Pflanztöpfen auf dem Erdbeerhof Zehelein-Schemm in Franken.
Rotblühende Erdbeersorten haben einen hohen Zierwert. Bildrechte: MDR/Mariana Schütte

Sortentipps von Carsten Gloria | Erdbeerexperte aus Erfurt Frühe Sorte: 'Clery' (sehr weiche Frucht, druckempfindlich, anfällig für Krankheiten.)

Mittlere Sorte: 'Kimberly'

Späte Sorte: 'Malwina' (eignet sich hervorragend für die Verarbeitung, intensiv im Aroma, kräftige Farbe)

Im Sommer Erdbeeren für das nächste Jahr pflanzen

Für Erdbeeren gilt: ein Pflanzjahr - zwei Erntejahre. Pflanzen können bis Ende Juli, spätestens Anfang August gesetzt werden. Der Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen sollte mindestens 25 bis 30 Zentimeter betragen. Die kleinen Pflanzen können dann vor dem Winter ausreichend Wurzeln bilden. Dabei gilt: Je mehr Wurzeln, desto besser der Ertrag.

Erdbeerbauer Carsten Gloria rät, nur neue Pflanzen zu setzen und keine Absenker von Erdbeeren zu verwenden. So werden Krankheiten eingedämmt. Wer ausreichend Platz im Garten hat, sollte außerdem die Anbaufläche wechseln und dem alten Erdbeerbeet im Rahmen eines Fruchtwechsels mindestens drei Jahre Ruhe gönnen. So kann sich der Boden wieder erholen. Kartoffeln, Tomaten und andere Nachtschattengewächse sind als Vor- und Mischkultur ungünstig. Günstige Vorkulturen hingegen sind Zier- oder Zuckermais, Gras oder Hülsenfrüchte, Porree oder Zwiebeln. Als Nachkultur empfiehlt Roswitha Zehelein-Schemm Tagetes zu sehen, um Nematodenbefall vorzubeugen.

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Krankheiten bei Erdbeeren

Besonders Pilzkrankheiten wie Mehltau und Grauschimmel machen Erdbeeren zu schaffen, aber es gibt auch verschiedene Mangelerscheinungen. Vorbeugend hilft ein regelmäßer Fruchtwechsel, die Wahl widerstandsfähiger Sorten und gezieltes Gießen.

Frigo-Erdbeeren im selben Jahr pflanzen und ernten

Eine Alternative zur klassischen Erdbeerpflanzung sind sogenannte Frigo-Pflanzen. Sie werden im Juni gepflanzt und tragen schon rund zehn Wochen später Früchte. Sie wurden im vergangenen Jahr angezogen und dann ins Kühlhaus gepackt. Durch diesen simulierten Winter tragen sie noch im selben Jahr. Frigo-Erdbeeren sind wurzelnackt - also ohne Erde - und kosten weniger als getopfte Pflanzen. Geeignet sind sie sowohl fürs Beet als auch für den Balkonkasten. Die Erntemenge ist allerdings unterschiedlich. Im nächsten Jahr ist der Zauber aber vorbei. Dann sind die Pflanzen wieder in ihrem Rhythmus und die Erdbeeren zu ihrem ganz normalen Erntezeitpunkt reif.

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Erdbeeren auf einen Blick
Heimat gemäßigte Zonen der Nordhalbkugel
Pflanzenfamilie Rosengewächse (Rosaceae)
Wuchs niedrige, Blattrosette bildende Staude
Blüte ja; blüht weiß, je nach Sorte auch rosa oder pink
Blütezeit ab Mai
Früchte klein bis mittelgroße, rote oder gelblich-weiße, süße, aromatische Sammelfrüchte
Standort sonnig
Boden lockere, sandig-humose Böden, in denen sich keine Staunässe bildet
Pflege bei Trockenheit während der Fruchtbildung gießen, nach Austrieb düngen. Boden lockern und beispielsweise mit Stroh mulchen
Winterhart ja
Mehrjährig ja
Lebensdauer Erdbeerpflanzen sollten nach dem zweiten Erntejahr ersetzt werden.
Besonderheiten Viele Sorten sind selbstfruchtbar. Beim Anbau im Garten sollte überdies nach drei Jahren ein Fruchtwechsel erfolgen: Der Boden braucht dann mindestens eine dreijährige Erdbeerpause. So wird Bodenmüdigkeit und Krankheiten vorgebeugt.
Verwendung Die Früchte werden roh oder im Kuchen, als Marmelade oder in Süßspeisen verwendet.

Quelle: Roswitha Zehelein-Schemm, Erdbeerbauerin aus Franken, Carsten Gloria, Erdbeerbauer aus Erfurt, MDR Garten

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 04. Juni 2023 | 08:30 Uhr