Anbau | Pflege | Ernte Haselnüsse - die Vitaminbomben im Garten anbauen

Haselnüsse sind unkomplizierte Gehölze. Sie wachsen auf jedem Boden und müssen nicht gepflegt werden. Trotzdem kommt es häufig vor, dass die Sträucher oder Bäume keine Nüsse tragen. Hier erklären wir Ihnen, wie Sie zu vielen Nüssen kommen - und welche besonders gut schmecken. Außerdem haben wir mit einer Ernährungswissenschaftlerin gesprochen, die untersucht hat wie gesund Nüsse sind.

viele Haselnüsse
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Nüsse sind lange haltbar und spenden Energie. Schon vor zehntausend Jahren wurden Nussbäume angebaut. Auf langen Reisen waren ihre Früchte schon damals beliebte Wegzehrung. Monika Möhler von der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt erklärt, dass es zwei Arten von Haselnüssen gibt. Lambertsnüsse bleiben fest in ihrer Hülle und müssen herausgepuhlt werden. Diese werden in südlichen Ländern angebaut, vor allem in Italien oder auch in der Türkei. Zellernüsse fallen, wenn sie reif sind, einfach aus der Hülle heraus. Die von der Expertin vorgestellten Sorten sind allesamt Zellernüsse.

Zellernüsse (Corylus avellana)
Heimat Europa
Pflanzenfamilie Birkengewächs
Wuchs wächst als Strauch (3-6 Meter hoch) oder auch als Baum (bis 10 Meter hoch)
Blüte unscheinbar im März und April
Früchte Nussfrucht , Ernte: September/ Oktober
Holz Das Holz ist mäßig hart. Keine Borke, graubraune Rinde.
Standort Sonne bis Halbschatten
Boden schwach sauer bis kalkhaltig, durchlässiger Gartenboden, anspruchslos
Winterhart ja
Mehrjährig ja
Lebensdauer max. 80 bis 100 Jahren.
Besonderheiten Eine Pflanze verfügt über weibliche und männliche Blütenstände, die aber zu unterschiedlichen Zeiten reif werden. Um eine Befruchtung zu gewährleisten sind mehrere verschiedene Sorten mit unterschiedlichen Blühzeiträumen in einem Garten nötig.

Verwendung

Zellernüsse sind ein zauberhaftes Ziergehölz. Schon im März bilden sich die kätzchenartigen Blütenstände. Auch das Laub ist je nach Sorte sehr dekorativ. Die 'Rotblättrige Zellernuss' bildet beispielsweise schon im Frühjahr Blätter in einem kräftigen Rot-Ton aus, die sich dann im Sommer grün färben. Aus den roten Blütenständen entwickeln sich die rötlichen Nussfrüchte, die sehr aromatisch und wohlschmeckend sind. Die Nüsse sind lange haltbar und sehr dekorativ.

Pflanzung und Pflege

Stamm eines veredelten Haselnussbaums. Der Untere Teil des Stammes hat eine grobere, hellere Oberfläche als der obere Teil des Stammes.
Ein veredelter Baum trägt nach vier Jahren Nüsse Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Wer bald Haselnüsse ernten möchte, sollte veredelte Bäumchen pflanzen, empfiehlt die Obstbauexpertin. Sie seien zwar etwas teurer als nicht veredelte, wurzelnackte Büsche, aber die Investition lohne sich. Ein veredeltes Bäumchen trägt schon nach drei bis vier Jahren Nüsse. Außerdem wächst es recht kompakt und langsamer als Büsche, die im Garten viel Platz einnehmen und erst nach sieben bis acht Jahren die ersten Nüsse abwerfen. Beste Pflanzzeit ist der Herbst. An den Boden stellen Zellernüsse keine großen Ansprüche. Er sollte durchlässig, locker und nicht zu feucht sein. Auf schwach saurem bis kalkhaltigen Gartenboden fühlt sich die Pflanze am wohlsten. Als Standort eignet sich ein sonniger oder halbschattiger Standort. Einmal angewachsen ist die Zellernuss pflegeleicht. Lediglich Jungpflanzen sollten regelmäßig gegossen werden. Eine Pflanzung in Kombination mit anderen Haselnussbaumsorten ist empfehlenswert. Achten Sie darauf, dass der Baum ausreichend Platz bekommt, um sich zu entfalten!

Als kleine junge Pflanze kann die Zellernuss auch in einen Kübel gepflanzt werden. Sie wächst im Jahr etwa einen Meter. Deshalb muss das Bäumchen nach spätestens zwei Jahren ins Freiland gesetzt werden.

Pflanzen Sie immer mehrere Haselnussbäume oder Sträucher Es sollten immer drei verschiedene Haselnusssorten gepflanzt werden, damit die weiblichen Knospen von den Pollen eines anderen Baumes bestäubt werden können.

Erträge steigern

Grüne Knospe mit roten Puscheln und lange Haselnusspollen hängen an einem Ast
Aus dieser weiblichen Haselnussknospe wird schon bald eine Blüte entstehen, die dann bestäubt werden muss. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Nicht die langen Pollenwürstchen am Haselnussbaum bestimmen den Ertrag, sondern die weiblichen Blüten. Die weiblichen Knospen lassen sich an einem kleinen Puschel an der Spitze erkennen. Knospen ohne Puschel entwickeln sich später zu Blättern. Grundsätzlich hat es die Natur so angelegt, dass immer neue Kombinationen geschaffen werden sollten.

Deswegen eignen sich die männlichen Pollen eines Baumes meist nicht dafür, die eigenen weiblichen Blüten zu bestäuben, weil sie zu unterschiedlichen Zeiten reifen. Hierfür müssen Pollen eines anderen Baums sorgen, die natürlich dann reif sein müssen, wenn auch die weiblichen Blüten bereit sind. Helfen können Gärtner, indem ein pollenbehangener Zweig eines anderen Haselnussbaumes während der Blütezeit durch den eigenen Nussbaum gestreift wird.

Ernte & Lagerung

Häufig findet man Haselnüsse bei Spaziergängen in Parkanlagen oder einfach am Straßenrand. Die Nüsse sind von September bis Ende Oktober reif. Sammeln Sie nur die Nüsse vom Boden auf. Solange die Früchte noch am Baum oder Strauch hängen sind sie oftmals noch nicht ausgereift. Nach der Ernte müssen Nüsse noch etwa vier bis sechs Wochen getrocknet werden. Dazu werden sie am besten auf ein Tablett ausgelegt. Auf keinen Fall dürfen Sie in verschlossenen Behältern oder Plastiktüten aufbewahrt werden, da sie sonst schimmeln. Mehrmals in der Woche sollten die Nüsse gewendet werden.

Nach dem Trocknen können die Nüsse in Stoffbeuteln oder Zwiebelsäckchen bis zu ein Jahr lang an einem trockenen Ort aufbewahrt werden. Auch das Einfrieren von Nusskernen oder auch gemahlenen Nüssen ist möglich.

Welche Sorten wachsen hier gut und welche Inhaltsstoffe zeichnen sie aus?

Zwei Frauen stehen hinter einem Tisch mit Nüssen und Nussknackern.
Die Ernährungswissenschaftlerin Christine Annett Dawczynski setzt Nüsse auch als Heilmittel ein. Bildrechte: MDR/ Daniela Dufft

In der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt werden Haselnussbäume und Sträucher getestet. Wie wachsen sie, was brauchen sie? Welche Sorten tragen viele Nüsse und welche weniger? Seit einiger Zeit arbeitet die Versuchsanstalt auch mit dem Institut für Ernährungswissenschaften der Friedrich Schiller Universität in Jena zusammen. Dort wird untersucht, welche Inhaltsstoffe in den verschiedenen Haselnussorten stecken. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Durch die Bank weg liefern Haselnüsse ein gesundes Nährstoffspektrum. Verbraucher sollten lediglich ein Augenmerk auf den Fettgehalt legen, der innerhalb der Haselnüsse sehr unterschiedlich sein kann. Im Handel ist leider meist nicht erkennbar, welche Sorten verkauft werden. Auch deshalb lohnt es sich für Gartenbeseitzer Nüsse selbst anzubauen. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Christine Annett Dawczynski rät überigens täglich eine Hand voll unterschiedlicher Nüsse zu knabbern. Sie enthalten viele gesunde Inhaltsstoffe, helfen den Cholesterinspiegel zu senken, schützen unsere Gefäße und tragen zur Senkung eines zu hohen Blutdrucks bei.

Diese acht Haselnuss-Sorten eignen sich für den Hobbyanbau
Sorte Ertrag Fruchtgröße Wuchsstärke Geschmack Bemerkungen Inhaltsstoffe
Hallesche Riese mittel groß sehr stark aromatisch, nussig gut zu knacken viele Ballaststoffe und Proteine, vergleichsweise weniger Fett, wenig Vitamin E
Wunder aus Bollweiler mittel groß sehr stark aromatisch gut zu knacken viele Ballaststoffe und Proteine, vergleichsweise weniger Fett, wenig Vitamin E
Emoa-1 hoch mittel schwach nussig Ertrag regelmäßig sehr hoher Vitamin E-Gehalt (Gewinner), sehr hoher Fettgehalt
Gustav Zeller mittel-hoch mittel sehr stark aromatisch robuste Sorte hoher Fettgehalt, mäßig Vitamin E
Corabel mittel sehr groß stark aromatisch große, runde Früchte niedrigster Fettgehalt unter den getesteten Nüssen, höchster Proteingehalt, wenig Vitamin E
Webbs Preis hoch mittel schwach aromatisch fallen nicht aus der Hülle sehr hoher Vitamin E-Gehalt, hoher Fettgehalt, viele Ballaststoffe
Ennis mittel-hoch sehr groß stark sehr aromatisch attraktive Früchte sehr hoher Fettgehalt, kaum Vitamin E, viele Ballaststoffe
Juningia mittel klein-mittel stark aromatisch rotes Laub, dekorativ, Jenaer Züchtung sehr hoher Fettgehalt, wenig Vitamin E

Krankheiten und Schädlinge

Haselnussbohrer, Wühlmäuse, Rabenvögel und Eichhörnchen haben es auf Haselnüsse abgesehen. Weit verbreitet ist der Haselnussbohrer, ein kleiner Rüsselkäfer, der seine Eier in die noch unreifen Früchte legt. Die Larven fressen die Nuss von innen auf und verlassen die Nuss durch das charakteristische Loch, um sich im Erdboden eine Höhle zu suchen und dort zu überwintern. Sammeln Sie möglichs bald die befallene Nüsse auf und entsorgen sie diese im Hausmüll. Auch Nematoden verhindern, dass die Larven im Boden überwintern. Die Nützlinge werden über das Gießwasser im September ausgebracht. Achten Sie beim Kauf der Haselnusspflanzen auf die richtige Sortenwahl. Die Nussschalen früh reifender Sorten sind im Juni schon so weit verholzt, dass der Haselnussbohrer die Schale nur schwer durchdringen kann. Außer der Monilia-Krankheit (Spitzendürre/ Fruchtfäule nach der Blüte) spielen Pilzerkrankungen kaum eine Rolle. Durch die Fruchtfäule fallen die Nüsse vorzeitig vom Baum oder Strauch.

Galerie Haselnuss als Baum erziehen

In der Natur wachsen Haselnüsse meist als Busch. Wer viele Nüsse ernten möchte, kann das Gehölz als Baum erziehen. Wie das funktioniert, erfahren Sie in dieser Fotostrecke.

Monika Möhler steht vor einem Haselnussstrauch im Topf
Monika Möhler leitet den Fachbereich Obstbau an der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt. Sie kennt sich mit Haselnussgehölzen aus und gibt einige Empfehlungen, was man beachten sollte. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Seitentriebe eines Haselnuss-Gehölzes werden abgeschnitten
Ihr Tipp: Die besten Erträge erreicht man, indem man das Gehölz als Baum erzieht. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Monika Möhler erklärt an einem Bild, wie Haselnüsse geschnitten werden
Wichtig ist, dass die Haselnuss Licht bekommt. Das erreicht man, indem man die Krone nach oben hin immer schmaler werden lässt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Arbeitshilfe Rollblitz - mit einer Drahtrolle werden Haselnüsse aufgesammelt
Arbeitshilfe: Beim Aufsammeln der Haselnüsse kann ein solcher "Rollblitz" helfen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Monika Möhler steht vor einem Haselnussstrauch im Topf
Monika Möhler leitet den Fachbereich Obstbau an der Lehr- und Versuchsanstalt Gartenbau in Erfurt. Sie kennt sich mit Haselnussgehölzen aus und gibt einige Empfehlungen, was man beachten sollte. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Seitentriebe eines Haselnuss-Gehölzes werden abgeschnitten
Dabei entscheidet man sich für einen stabilen Stamm, der mit einer kleinen Krone stehenbleibt. Alle Seitentriebe werden entfernt. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Haselnuss-Gehölz, der Mittelstamm ist rot markiert
Noch einmal verdeutlicht: Nur der rot markierte Teil des Gehölzes bleibt stehen. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Über einem speziellen Gestell, wird der Haselnuss-Sammler entleert.
Über einem speziellen Gestell, das beispielsweise an einem Eimer befestigt werden kann, wird der flexible Korb entleert. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
Haselnüsse in einem Glas
Kühl gelagert sind Nüsse etwa zwei Jahre haltbar. Für die Lagerung sollten sie allerdings noch nicht geknackt sein. Bildrechte: MDR/Daniela Dufft
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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 06. Dezember 2018 | 07:20 Uhr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 06. Dezember 2018 | 07:20 Uhr