Gurken-Jungpflanze mit gelber Blüte.
Die knallgelben Blüten sind charakteristisch für die Gurkenpflanze und ebenso essbar, wie das Gemüse selbst. Bildrechte: MDR/Lena Schön

Gemüse im Garten Gurken: Vielseitig und schmackhaft

Bot. Name: Cucumis sativus

Gurken gehören zur Familie der Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) genau wie auch Melonen, Kürbisse und Zucchini. Sie sind aus unserer Küche nicht mehr wegzudenken. Bereits vor rund 3000 Jahren begannen Menschen in Nordindien damit aus der Wildform, die sehr viele Bitterstoffe enthält, die Kulturgurke zu züchten.

Gurken-Jungpflanze mit gelber Blüte.
Die knallgelben Blüten sind charakteristisch für die Gurkenpflanze und ebenso essbar, wie das Gemüse selbst. Bildrechte: MDR/Lena Schön

Wer die ganze Vielfalt der Gurken ausprobieren möchte statt die immer gleiche Supermarkt-Ware zu kaufen, sollte auf den Eigenanbau zurückgreifen. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt, hat die Gurke zum Gemüse des Jahres 2019 gekürt, um auf die Sortenvielfalt dieses Gemüses aufmerksam zu machen. Denn diese droht, in Vergessenheit zu geraten.

Auf einen Blick
Heimat Nordindien
Pflanzenfamilie Kürbisgewächse (Cucurbitaceae)
Wuchs Kletter- oder Kriechpflanze
Blüte grüngelb
Früchte länglich, oval, rund, glatt, stachlich – je nach Sorte
Standort warm, sonnig. windgeschützt
Boden aufgelockert, tiefgründig, humusreich
Winterhart nein
Mehrjährig nein
Lebensdauer einjährig
Besonderheiten Früchte sind sehr wasserreich und kalorienarm
Verwendung als Rohkost oder Salat

Aussaat

Ab April beziehungsweise Mai können Gurkenpflanzen im Fachhandel erworben werden. Oft handelt es sich dabei um auf einer Kürbisunterlag veredelte Exemplare, die robuster sind, als reine Gurkenpflanzen.

Alternativ können Gurken auch selbst vorgezogen werden. Damit die Keimung gelingt, sollte die Umgebungstemperatur mindestens 20 Grad Celsius betragen. Wenn die Keimung dann gelungen ist, darf es auch wieder etwas kühler werden. Allerdings mögen Gurken Temperaturen unter 10 Grad Celsius nicht.

Wenn es etwa ab Mitte Mai warm genug ist und die Gurkenpflänzchen schon zwei Laubblätter ausgebildet haben, dürfen sie ins Freiland. Bei entsprechenden Bodentemperaturen kann die Saat auch direkt im Freiland geschehen. Die Direktsaat ist bis Ende Juni möglich. Eine geeignete Vorkultur im Beet ist Salat.

Moderne Hybridsorten bilden Früchte ohne, dass zuvor eine Bestäubung erfolgt ist (Jungfernfrüchtigkeit). Bei älteren Sorten wachsen männliche und weibliche Blüten an einer Pflanze, für die Bestäubung braucht es unbedingt Insekten.

Standort

Gurkenpflanze mit Blüten.
Einige Gurkenpflanzen lassen sich im Topf anpflanzen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gurken sind Starkzehrer und stellen daher recht hohe Ansprüche an Nährstoffversorgung, Wärme und Feuchtigkeit. Ein warmer, sonniger und windgeschützer Standort ist deshalb ideal für sie. Aufgrund ihrer hohen Ansprüche, sollten sie frühestens nach vier oder fünf Jahren wieder an derselben Stelle kultiviert werden.

Man kann sie entweder über den Boden ranken oder an einem Gestell in die Höhe wachsen lassen. Letzteres ist sehr zu empfehlen, weil es zum einen Krankheiten vorbeugt, die über den Boden übertragen werden. Zum anderen wachsen die Früchte schöner und sind auch leichter zu ernten.

Düngung

Gurken sind Starkzehrer und benötigen 19 g Stickstoff pro Quadratmeter. Wird ein organischer Langzeitdünger verwendet, kann eine Gabe im Frühjahr schon ausreichend sein. Bei anderen Düngern sollte vorher die nötige Menge nach dem darin enthaltenen Stickstoffgehalt berechnet werden, um eine Überdüngung zu vermeiden.

Pflegen

Gurken lieben es weder zu trocken noch zu nass und auch kaltes Wasser vertragen sie nicht besonders gut. Die  Flachwurzler sollten nicht punktuell, sondern flächig mit handwarmem Wasser gegossen werden. Damit die Pflanzen tiefer wurzeln, sollte die ersten beiden Wochen nach der Pflanzung etwas zurückhaltender gegossen werden.

Auch die Abdeckung des Bodens mit Stroh oder Mulch ist günstig für das Pflanzenwachstum. Ebenso geeignet ist schwarzer, wasserdurchlässiger Vlies. Dieser dient nicht nur als Verdunstungsschutz, die Erde darunter heizt sich auf, was die Gurkenwurzeln freut. Außerdem werden durch Mulch und Vlies störende Unkräuter im Zaum gehalten.

Einige Sorten brauchen einen Schnitt, damit sie nicht zu viele Früchte ausbilden, welche die Pflanze überfordern würden. In der Erntezeit – zwei bis drei Monate nach der Aussaat - steigert häufiges Pflücken den Ernteertrag. Bei Freiland-Sorten ist dies allgemein weniger nötig, als beim Anbau im Gewächshaus.

Expertentipp Legen Sie das Gurkenbeet bereits im Herbst an. Dazu heben Sie einen flachen Graben aus und füllen ihn mit verrottetem Stallmist oder Kompost (nicht zu frisch), der gern mit gehäckseltem Stroh vermischt werden kann. Die zuvor ausgehobene Erde wird nun darüber geschaufelt, so dass am Ende ein 20 bis 30 Zentimeter hoher Damm entsteht. Durch diese Maßnahmen wird der Boden optimal für die Bedürfnisse der Gurken vorbereitet.

Sorten

Generell wird, je nach Verwendung, zwischen folgenden Sorten unterschieden:

  • Trauben- oder Einlegegurken
  • Schälgurken
  • Salatgurken
  • Schlangengurken
  • Minigurken

Diese Sorten versprechen besonders im Freiland Erfolge:

Jurassic Urgurke, Spezialität aus Asien, bis zu 40 cm lange Früchte. Die Salatgurke ist besonders knackig und für Freiland und Gewächshaus geeignet
Rhinish Pickling Alte Sorte von Einlegegurken, werden etwa 20 cm lang; eignen sich auch als Snackgurke, der Geschmack ist süßlicher als bei Salatgurken. Auch für Kübelkultur geeignet, bildet kräftige Ranken.
Bush Pickle Snackgurke, wegen ihrer außergewöhnlichen Form auch für Kinder interessant. Bildet kürzere Ranken und braucht daher  weniger Platz im Beet oder Topf. Die Gurkenschale ist zwar etwas runzelig, aber trotzdem zart. Aufgeschnitten bilden die Scheiben interessante Formen.
Richmond Green Apple Außergewöhnliche Sorte mit runden, ca. 10 cm großen Früchten. Sehr ertragreich, aufgeschnittene Gurkenscheiben sehen aus wie Blüten und können auch eingelegt werden.
Spacemaster Frischverzehr und Einmachgurke, Früchte werden etwa 15 cm groß. Buschiger Wuchs, für den Kübelanbau geeignet. Bei größeren Früchten, kann die etwas dickere Schale entfernt werden.
Mertus F1 Für das Freiland gezüchtete Salatgurke, die Früchte werden 25 cm lang
Lilli Lilliput „Bayerisches Gemüse des Jahres 2019“ Fingergroße Minigurke, für Kübel und Töpfe geeignet. Kann auch in Blumenampeln angebaut werden und rankt dann nach unten. Die Pflanze wird bis zu 150 cm lang.

Krankheiten und Schädlinge

Falscher Mehltau

Gurkenblatt mit falschem Mehltau
Falscher Mehltau ist die am weitesten Verbreitete Pilzkrankheit im Gurkenanbau. Bildrechte: Martin Krumbein

Die am weitesten verbreitete Pilzkrankheit im Gurkenanbau. Ist die Pflanze einmal infiziert, breitet sich der Pilz sehr schnell aus. Die Infektion erfolgt vom Boden aus. In Feuchtwetterperioden oder auch schon nach einer Nacht starker Taubildung, treten die ersten Symptome auf. Auf der Blattoberseite bilden sich gelbe, einen halben Zentimeter große Flecken. Bleibt es feucht, vergrößern sich diese rasch. Durch Mulchfolie kann der Befall vorgebeugt werden. Vermeiden Sie unbedingt auf dem Boden liegende Blätter und Früchte mit einer Rankhilfe.

Echter Mehltau

Der "Schönwetterpilz" tritt im Gegensatz zu anderen Pilzerkrankungen bei trockenen und langanhaltenden Wärmeperioden – meistens im Spätsommer – auf. Hier hilft Vorbeugung: Wählen Sie eine resistente Sorte. Auch Pflanzenstärkungsmittel wie Ackerhalmschachtelbrühe, Molke oder Magermilch können hilfreich sein. 

Gemeine Spinnmilbe

Die kleinen Spinnentiere sind besonders im Gewächshaus ein Problem, machen aber auch vor Pflanzen im Freiland nicht unbedingt Halt. Bei Befall sind auf den Blättern kleine, weiß-gelbe Aufhellungen zu sehen. Besonders in trockenwarmen Wetterperioden sollten die Gurkenpflanzen beobachtet werden. Auch hier helfen vorbeugende Maßnahmen: Ziehen Sie Ihre Gurken im Gewächshaus, helfen Hygienemaßnahmen im Winter. Tauschen Sie Bindeschnüre aus und desinfizieren Sie Rankhilfen und Geräte. Der Einsatz von Nützlingen empfiehlt sich: Florfliegen und Raubmilben sind die natürlichen Gegenspieler der Spinnmilbe.

Warum schmecken manche Gurken bitter? Die Wildform der Gurke enthält sehr viele Bitterstoffe, durch Züchtung wurden sie ihr ausgetrieben. Dennoch enthalten manche Sorten mehr Bitterstoffe als andere. Auf Stress durch ungünstige Wetterbedingungen und mangelnde Pflege reagieren Gurkenpflanzen mit der Einlagerung von Bitterstoffen insbesondere am Stielansatz. Daher ist in der Regel auch nicht die ganze Gurke bitter. Mit zunehmendem Reifeprozess werden die Bitterstoffe dann wieder abgebaut

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR Garten | 02. Juni 2019 | 08:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2019, 10:22 Uhr