Mehrere Festmeter frisch geschlagene Baumstämme liegen abseits der Straߟe am Waldrand auf einem Polter.
Umweltschutzverbände drängen zum Schutz von Wald und Holz sowie anderen natürlichen Ressourcen. Bildrechte: dpa

Erdüberlastungstag Deutschland hat natürliche Ressourcen für dieses Jahr verbraucht

04. Mai 2023, 10:17 Uhr

Deutschland lebt beim Verbrauch natürlicher Rohstoffe ab heute auf Pump. Würden weltweit alle Menschen so leben wie der deutsche Durchschnitt, bräuchte es drei Erden. Umweltschützer drängen zum Umdenken.

Würden alle Menschen auf der Welt so leben wie der Durchschnitt in Deutschland, wären die für dieses Jahr verfügbaren natürlichen Ressourcen der Erde bereits diesen Donnerstag verbraucht. Das geht aus Berechnungen des Global Footprint Network mit Hauptsitz in den USA hervor. Das Netzwerk berechnet sowohl für jedes Land einen nationalen als auch einen weltweiten Erdüberlastungstag, der 2022 auf den 28. Juli fiel. Der deutsche Erdüberlastungstag fiel im vergangenen Jahr wie in diesem auf den 4. Mai. Das Datum rückt weltweit seit Jahrzehnten immer weiter vor im Kalender.

Umdenken von Politik und Wirtschaft gefordert

Umweltschutzorganisationen kritisieren die Verschwendung und fordern von Politik und Wirtschaft ein deutliches Umdenken. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) erklärte, die Bundesregierung müsse bis zum Jahr 2026 ein Gesetz zum Schutz von Böden und Flächen, Acker- und Weideland, Fischgründen, Wald und Holz verabschieden. Auch Baumaterialien wie Beton, Gips sowie Lithium und andere Metalle müssten mit verbindlichen Schutzzielen im Gesetz erfasst werden.

"Ab heute leben wir in Deutschland für den Rest des Jahres auf Pump", sagte BUND-Vorsitzender Olaf Bandt, "Wir verschwenden Ressourcen auf Kosten unserer Kinder, Enkel und der gesamten Weltbevölkerung." So würden die Lebensgrundlagen der Menschen verspielt.

Wir verschwenden Ressourcen auf Kosten unserer Kinder, Enkel und der gesamten Weltbevölkerung.

Olaf Bandt BUND-Vorsitzender

Bandt betonte, die Ressourcenverschwendung sei das ökologische Hauptproblem – Artensterben und globale Erwärmung seien nur die Symptome. Um Klimakrise und Artensterben einzudämmen, müsse der Ressourcenverbrauch bis 2050 um 85 Prozent sinken. Als Zwischenziel hält der BUND eine Senkung des Verbrauchs in Deutschland bis 2030 um 50 Prozent im Vergleich zum derzeitigen Stand für nötig.

Treibhausgas-Emissionen Hauptgrund für Übernutzung in Deutschland

Der Umweltorganisation Germanwatch zufolge führen in Deutschland vor allem die Treibhausgas-Emissionen zur Übernutzung. Doch auch der Rohstoffverbrauch müsse deutlich verringert werden. Der Politische Geschäftsführer von Germanwatch, Christoph Bals, verwies darauf, dass neben den jungen und nachfolgenden Generationen vor allem arme Menschen, insbesondere im globalen Süden, von den Folgen der Übernutzung betroffen seien. "Doch die haben am wenigsten zu dieser Krise beigetragen."

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fordert angesichts des Erdüberlastungstags eine Kreislaufwirtschaft in allen Sektoren. Generalsekretär Alexander Bonde sprach sich zudem für ein Wirtschaftswachstum aus, das vom Ressourcenverbrauch entkoppelt ist. "Maßstab für wirtschaftlichen Erfolg sollte nicht nur das Bruttosozialprodukt, sondern auch der ökologische Fußabdruck sein", sagte er.

Der früheste Erdüberlastungstag weltweit war dieses Jahr nach Berechnungen des Global Footprint Network erneut in Katar, wo das Datum auf den 10. Februar fiel – dicht gefolgt von Luxemburg am 14. Februar. Im März haben unter anderem Australien, Bahrain, Belgien, Dänemark, Kanada und Kuwait so viele natürliche Rohstoffe aufgebraucht, wie die Ökosysteme des Planeten im ganzen Jahr erneuern können, hätten alle Menschen weltweit diesen Verbrauch. Dagegen fällt das Datum unter anderem in Indonesien, Ecuador und Jamaika erst in den Dezember. Für einige Länder gibt es keinen Erdüberlastungstag, darunter Kenia, Nepal und die Philippinen.

MDR, dpa, epd (rnm)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 04. Mai 2023 | 06:00 Uhr

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