Schüler lernen in einer Klasse.
Schüler im Unterricht – immer weniger lernen Französisch in Mitteldeutschland. Bildrechte: IMAGO/Funke Foto Services

Fremdsprachen in der Schule Warum immer weniger Schüler Französisch lernen

28. Mai 2024, 11:09 Uhr

In Mittteldeutschland bekommen immer weniger Schüler Französischunterricht. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts. Dabei setzt sich beispielsweie die sächsische Regierung für die französische Sprache ein. Eva Gerth von der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaf sagte MDR AKTUELL, dass dies vor allem am Fachlehrermangel liege.

Ist es weniger Interesse? Oder fehlen die Angebote? Die französische Sprache wird an den allgemeinbildenden Schulen in Mitteldeutschland immer seltener gelehrt. Das zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamts, die MDR Aktuell ausgewertet hat. Im Schuljahr 22/23 waren es demnach noch 112.000 der insgesamt knapp 900.000 Schülerinnen und Schüler, die in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen Französisch als Fremdsprache lernten. Das sind 12,5 Prozent.

Rückgang um rund ein Achtel

Zum Vergleich: Fünf Jahre zuvor waren es 13,5 Prozent. Woran der Rückgang liegt, darüber kann Jan Zippel vom Elternrat Sachsen nur spekulieren. Eigentlich habe Französisch durchaus einen guten Ruf, sagt Zippel. "Eine Erfahrung sammeln in einer anderen Sprache, in einem anderen Kulturkreis, und dann auch in dieses Land reisen zu können, ist für viele was ganz Tolles. Da muss man sagen, hat das Französische eigentlich auch in Sachsen einen sehr guten Stand."

In Sachsen gebe es viele Initiativen, Kooperationen und die Landesregierung setze sich für die Sprache ein. "Es gibt Verbindungen von Partnerregionen nach Frankreich, wir haben zwei Institut français in Sachsen, wir haben viele kulturelle Initiativen. Also das Französische ist eine Sprache, die viel anbietet und ermöglicht", sagt Zippel.

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Zu wenig Französischlehrer

Vor allem an den Schulen in Sachsen-Anhalt ist Französisch auf dem Rückzug, und das obwohl ohnehin schon sehr wenige Schüler die Sprache lernen. Fast halb so viele wie zum Beispiel in Thüringen.

Es fehlten die Fachkräfte an den Schulen, meint Eva Gerth von der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. "Wenn ein Lehrkräftemangel da ist und das Schulamt auch nicht in der Lage ist, die Lehrkräfte zu verteilen, heißt das, wir haben an manchen Schulen einen riesigen Mangel und an anderen weniger. Es werden relativ wenig Lehrkräfte tatsächlich versetzt und umgesetzt, speziell von Gymnasien an die Sekundarschulen. Ich kann mir vorstellen, dass vor allem an den Sekundarschulen die zweite Fremdsprache völlig wegbricht, einfach, weil man sich dort auf die Hauptfächer Deutsch, Mathe, Englisch konzentriert und den Rest gar nicht mehr anbietet."

Französisch bleibt dennoch in Mitteldeutschland die zweithäufigste Fremdsprache, hinter Englisch. Wobei Englisch ja ohnehin schon frühzeitig ein Pflichtfach ist. Auch Latein wird noch immer häufig gelernt. Und auch Spanisch ist als Fremdsprache auf dem Vormarsch.

Schwierig viele Sprachen anzubieten

Doch leider mangele es vor allem an Französisch-, Spanisch- aber auch Italienischlehrern, beobachtet Jan Zippel vom sächsischen Elternrat. "Natürlich wäre es das Idealste, dass jedes Kind seine Wunschsprache lernen kann. Aber das ist an Schulen nur endlich möglich. Ich kann eben nicht sechs oder sieben Sprachen anbieten, oder auch nur vier, und dann eben in Klassen, die sehr klein sind. Also ein Stück weit muss da immer ein Kompromiss gefunden werden."

Die Sprache, die am stärksten aus dem Unterricht in Mitteldeutschland verschwindet, ist übrigens Russisch. Nur noch 4,7 Prozent der mitteldeutschen Schüler lernen Russisch. Vor fünf Jahren waren es 6,1 Prozent. 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 27. Mai 2024 | 08:53 Uhr

3 Kommentare

man71 vor 3 Wochen

Selber als gymnasiale Lehrerin für Französisch und Geschichte hatte ich mich vor Corona in Sachsen beworben. Die Antwort war ziemlich befremdlich: es gab bessere geeignete Kandidat für Französisch als ich Muttersprachlerin!
Das Problem ist auch politisch zu betrachten. Bestimmte Bundesländer sind nicht attraktiv und stufen sogar in der Besoldung neue Lehrkräfte runter. Um Lehrer zu bekommen, bestellt man die Bewerber, wenn die Schüler abwesend sind, sodass man nicht merkt, wie schlimm das Ganze ist. Das alles habe ich erlebt und noch vieles mehr!
Wir sind da (die Fachlehrer), aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht. Und so lange, dass wir weiter die Augen schließen und nicht in die Bildung investieren, wird es nicht besser.
Heute arbeite ich weiter als Lehrerin in einer Integrierte Sekundarschule. Und weil meine zwei Fächer noch nicht ausreichend waren, unterrichte auch noch Ethik. So sieht der Mangel aus.

x5ruse2 vor 3 Wochen

Als ich vor ein paar Jahren meinen Vorbereitungsdienst für das Lehramt Französisch beendet hatte, wurde mir in Thüringen keine Stelle angeboten. Verbeamtet wurde zu der Zeit auch nicht. Also alles hausgemachte Probleme. Ich kenne viele, die es mir gleichgetan und das Bundesland verlassen haben. Dabei war schon während meines Studiums klar, dass zum damaligen Zeitpunkt mehr als 50% der Lehrkräfte in Thüringen 50 Jahre und älter waren!

Ricwei11 vor 3 Wochen

Der Grund liegt definitiv nicht am mangelnden Interesse der Kinder, sondern am Lehrermangel. Vor allem die Fremdsprachen sind massiv betroffen. Mittlerweile ist es kaum noch möglich zu wählen, man muss das nehmen, was vorhanden ist. Mein Sohn hat gar keine Chance französisch im kommenden Jahr zu lernen, da es nur Spanisch oder Latein gibt. Sollen wir jetzt die Schule wechseln? Ist es eine Katastrophe, wie in allen Fächern. Wir brauchen uns nicht wundern, dass die kommenden Generationen keine Lust haben. Es hat ja auch keiner Interesse an diesen Kindern, von daher....

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