Studie Jugend in Deutschland Jugendliche sorgen sich um Inflation, Krieg und Klimakrise

Halbjährlich befragen Jugendforscher 14- bis 29-Jährige zu ihren Ängsten, Erwartungen, politischen Einstellungen und ihrer finanziellen Situation. Der aktuelle Befund: Die junge Generation hat Sorgen und blickt skeptischer in die Zukunft. Eine erschreckende Erkenntnis: jeder fünfte Jugendliche habe Schulden. Die eigene Lage zu Berufschancen und zu sozialer Anerkennung werde aber überwiegend positiv bewertet.

Eine Schülerin schlägt die Hände vor das Gesicht.
Junge Menschen in Deutschland bewerten die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung im Land und die Lebensqualität schlechter als noch vor einem halben Jahr. Bildrechte: dpa

Angesichts von Klimakrise, Krieg und Inflation blicken junge Menschen in Deutschland weniger zuversichtlich in die Zukunft. Wie aus der am Montag in Berlin veröffentlichten sogenannten Trendstudie Jugend in Deutschland hervorgeht, befürchtet die junge Generation ein Ende der Wohlstandsjahre. Die Befragten empfinden Lebensqualität, wirtschaftliche Lage, gesellschaftlichen Zusammenhalt und politische Verhältnisse derzeit deutlich schlechter als noch vor sechs Monaten.

Gestiegene Preise wirken sich aus

Die Sorge vor der Inflation (71 Prozent) rückte an die erste Stelle der Ängste junger Leute, gefolgt von dem Krieg Russlands gegen die Ukraine (64 Prozent) und dem Klimawandel (55 Prozent). Zudem sorgen sich 54 Prozent wegen einer Wirtschaftskrise, 49 Prozent wegen der Energieknappheit und 43 Prozent vor Altersarmut. Wesentlich weniger Sorgen bereiten den Befragten demnach die Verbreitung von Verschwörungstheorien (24 Prozent) oder ein Konflikt zwischen Generationen (22 Prozent).

Ein Fünftel der Jugendlichen und jungen Erwachsenen stimmten in der Befragung der Aussage zu: "Ich habe Schulden". Mehr als die Hälfte gab an, wegen der Inflation Energie zu sparen, zum Beispiel durch weniger Heizen und kaltes Duschen und den Kauf von mehr preisreduzierter Ware (51 Prozent). Ein Viertel hat nach eigenen Angaben den Kauf von Bio-Produkten eingeschränkt.

Jugendlichen bewerten Lebensqualität schlechter

Die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung im Land und die Lebensqualität bewerten junge Menschen jetzt schlechter als noch vor einem halben Jahr. Sie blicken in diesen Bereichen auch skeptischer in die Zukunft. Gespiegelt werde hier die Befürchtung der jungen Generation in Deutschland, dass sich das Ende der Wohlstandsjahre abzeichne, heißt es. "Alles in allem" sind die meisten aber weiterhin mit ihrem Leben zufrieden. "Das lässt darauf schließen, dass trotz der Verschlechterung immer noch eine solide Basis für eine grundsätzlich positive persönliche Stimmungslage besteht", heißt es in der Studie.

Bei 16 Prozent machte sich jedoch Hilflosigkeit breit, jeder Zehnte berichtet den Angaben zufolge sogar von Suizidgedanken. Diese Werte stiegen seit der vorangegangenen Trendstudie vom Mai 2022 an. "Es ist nicht zu übersehen: Bei vielen jungen Menschen sind die Kräfte der psychischen Abwehr verbraucht, und die Risikofaktoren mehren sich", erklärten die Studienautoren Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann. Sie werten dies "als ein dringendes Warnsignal".

Studienautoren fordern Finanzbildung in Schulen

Dass jeder Fünfte Schulden habe, sei eine "erschreckende Erkenntnis", heißt es in der Studie. Die Autoren beobachten nach eigenen Angaben "vermehrt den Trend sogenannter Klarna-Schulden". Über die Firma Klarna werden Zahlungen bei Online-Bestellungen abgewickelt, dabei kann auch auf Rechnung gekauft und später bezahlt werden. "Besonders anfällig für Konsum auf Pump scheinen junge Menschen bei Markenkleidung und anderen Identifikationsobjekten sein, die in ihrem Umfeld mit Anerkennung oder sozialem Status verknüpft sind", schreiben die Jugendforscher.

Häufig würden außerdem Schulden beim Computerspielen gemacht mit sogenannten In-Game-Käufen. Appelliert wird deshalb an die Entscheidungsträger in Bildung und Politik, Finanzbildung für Jugendliche "dringend in Lehrplänen zu berücksichtigen".

Die Studie wird zwei Mal im Jahr durchgeführt und basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung. Das Institut für Demoskopie Allensbach befragte vom 4. bis zum 21. Oktober insgesamt 1.027 Menschen zwischen 14 und 29 Jahren. Die Stichprobe wurde so zusammengestellt, dass sie der soziodemografischen Altersstruktur der deutschsprachigen Gesamtbevölkerung in Deutschland in der Altersgruppe entspricht.

AFP, dpa (kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. November 2022 | 16:27 Uhr

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