Ein Mann zeigt ein aufgeschnittenes Stück eines Erdkabels.
Das aufgeschnittene Stück eines Erdkabels. Thüringen ist bei einer dritten unterirdischen Gleichstromleitung weiterhin im Gespräch. Bildrechte: picture alliance/dpa | Klaus-Dietmar Gabbert

Stromversorgung Nordthüringen als Endpunkt für neue Gleichstrom-Leitung im Gespräch

07. Dezember 2023, 15:16 Uhr

Vier weitere neue Gleichstromtrassen wollen die deutschen Netzbetreiber bis 2037 bauen. Die Leitung Ostwestlink soll Ostdeutschland unterirdisch mit der Nordsee verbinden. Eine von zwei Trassen-Varianten sieht Wolkramshausen in Nordthüringen als Endpunkt vor. Entschieden wird 2024.

Der Bau einer dritten unterirdischen Gleichstromleitung nach Thüringen bleibt eine Möglichkeit. Das geht aus einem Umweltbericht der Bundesnetzagentur hervor. Der dokumentiert unter anderem absehbare Auswirkungen des Baus von vier weiteren Gleichstromleitungen durch Deutschland auf Mensch und Natur.

Dort werden für die als Ostwestlink bezeichnete Leitung zwei Varianten miteinander verglichen. Unter diesem Namen planen die Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und Tennet ein Gleichstrom-Erdkabel, das vom ostfriesischen Leer ins sächsische Streumen führen soll. Als Alternative ist eine Leitung im Gespräch, die von Ostfriesland aus bis zum Umspannwerk Wolkramshausen bei Nordhausen führt. Beide Varianten waren von den Netzbetreibern selbst vorgeschlagen worden.

Beide Varianten gleichberechtigt geprüft

Die Bundesnetzagentur hat für beide Varianten von Ostwestlink - wie für insgesamt zehn geplante Höchstspannungsleitungen - bereits sogenannte Präferenzräume entwickelt. Damit nimmt die Bonner Behörde den Netzbetreibern die bisher übliche jahrelange Suche nach geeigneten Trassenkorridoren ab.

An deren Stelle treten fünf bis zehn Kilometer breite Landschafts-Streifen zwischen den geplanten Anfangs- und Endpunkten der Kabel, die die Agentur selbst entwickelt. Dort wird anschließend der detaillierte Verlauf der Leitungen geplant. Damit soll der Bau neuer Leitungen um mehrere Jahre gegenüber dem bisher üblichen Verfahren beschleunigt werden.

Mögliche Ziel-Regionen der Ostwestlink-Leitung:

Folgen für Mensch und Umwelt abgewogen

Derzeit läuft für Ostwestlink und weitere bis 2037 geplante unterirdische Gleichstromleitungen die strategische Umweltprüfung der Bundesnetzagentur. In deren Rahmen werden auch die Umweltauswirkungen der beiden möglichen Versionen von Ostwestlink gegeneinander abgewogen. Die als DC40 bezeichnete Variante von Leer nach Streumen ist länger, die Behörde schätzt hier das Potential für mögliche Konflikte aber als unterdurchschnittlich ein.

Demgegenüber wäre die Leitung kürzer, wenn sie nach Wolkramshausen führen würde. Das Risiko für Konflikte halten die Experten der Behörde hier für etwas höher. Nach Abwägung aller vorgegebenen Kriterien wird im Entwurf für den Umweltbericht zu den geplanten Trassen keiner der beiden Varianten der Vorzug gegeben.

Fachleute halten Trasse nach Sachsen für besser

Eine Sprecherin von 50Hertz sagte auf Anfrage von MDR THÜRINGEN, ein Ostwestlink zwischen Ostfriesland und Sachsen gelte momentan im Unternehmen als die elektrisch vorteilhaftere Variante. Die Abwandlung mit dem Endpunkt in Nordthüringen stamme aus einer früheren Version des Netzentwicklungsplanes für die Jahre 2023 bis 2037.

50Hertz habe mit den Gebietskörperschaften den Dialog über beide Varianten aufgenommen. Sie verwies außerdem auf die Mitte November gestarteten Konsultationen der Bundesnetzagentur zu den Präferenzräumen.

Bürger können noch Stellung nehmen

Im Rahmen dieser Konsultationen nimmt die Bundesnetzagentur noch bis zum 29. Januar 2024 Stellungnahmen zu beiden Varianten an. Parallel dazu bietet die Behörde am 7. und am 19. Dezember digitale Informationsveranstaltungen zum Entwurf ihres Umweltberichtes an, der die wahrscheinlichen Auswirkungen des Leitungsbaus dokumentiert.

Anmeldungen für die Termine sind online möglich. Der genannte Entwurf kann unter hier angeschaut werden.

50Hertz ließ wissen, man werde nach Abschluss der Konsultationen und der Umweltprüfung selbst in den öffentlichen Austausch zum Verlauf der Leitung treten und sich dabei wahrscheinlich auf die Variante mit Endpunkt in Sachsen konzentrieren. Die endgültige Entscheidung darüber trifft der Bundestag im kommenden Jahr, wenn das Bundesbedarfsplangesetz verabschiedet wird.

Ab 2037 sollen Leitungen Windstrom transportieren

Insgesamt wollen 50Hertz, Tennet und TransnetBW über die bereits geplanten Gleichstromleitungen Südlink und Südostlink hinaus vier weitere unterirdische Erdkabel durch Deutschland bauen. Mitte November kündigten die Unternehmen dafür eine enge Zusammenarbeit an.

Die drei Netzbetreiber begründen die Notwendigkeit auch dieser Leitungen mit dem Transport von Windstrom aus dem Norden in die Industriezentren im Süden. In einer Erklärung wurde darauf verwiesen, dass Deutschland bis 2045 klimaneutral sein wolle. Für die dafür nötige zunehmende Elektrifizierung von Industrie, Verkehr und Gebäudesektor solle bis 2037 ein stabiles und sicheres Klimaneutralitätsnetz entstehen.

Mehr zum Thema Gleichstromleitungen

MDR (jml)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 07. Dezember 2023 | 18:00 Uhr

20 Kommentare

Ralf G vor 11 Wochen

Horst - Mit dem zitierten Satz sind nicht AKW in Deutschland gemeint. Das wird länger dauern, aber kommen..
Es geht um Atomstrom, den wir zur Erreichung der Klimaneutralität aus dem Ausland beziehen könnten.

ElBuffo vor 11 Wochen

Wieviel Strom hat so ein Teil bis dahin produziert? Ist ja nun nicht so, dass andere Kraftwerke unbedingt ohne Basisinvestition hinzustellen wären. Dann muss ja auch noch irgendwie die ganze Zeit Nachschub hin und der Rest entsorgt werden. Viele davon lassen sich auch gar nicht auf schon vorhandenen Gebäuden installieren.

ElBuffo vor 11 Wochen

Würde man meinen, dass das kein Problem wäre. Manche mögen das aber nur in Kombination mit großen Tagebauen und Kohlekraftwerken. Wenn die nicht sind, dann muss es aus ästhetischen Gründen unterirdisch verlegt sein.

Mehr aus Deutschland