Unfälle mit Feuerwerk Zwei Tote und Verletzte in der Silvesternacht in Mitteldeutschland

In der Silvesternacht gab es wieder zahlreiche Unfälle im Umgang mit Feuerwerk und Böllern. In Leipzig starb ein Jugendlicher, in Thüringen verlor ein Mann beide Unterarme, ein weiterer seine Hand. In Sachsen-Anhalt überfuhr ein betrunkener Autofahrer einen Mann, der seinen Verletzungen im Krankenhaus erlag. Die vielen Angriffe auf Einsatzkräfte und schweren Böller-Unfälle haben die Debatte um ein generelles Verbot von privatem Feuerwerk neu entfacht.

Ein Mann zündet einen Böller am Silvesterabend an.
In der Silvesternacht gab es wieder zahlreiche Unfälle im Umgang mit Feuerwerk und Böllern. In Leipzig starb dabei ein Jugendlicher, in Thüringen verlor ein Mann beide Unterarme. Bildrechte: dpa

Am Rande der Silvesterfeiern hat es in Deutschland wieder schwere Unfälle und Straftaten mit Feuerwerk und Böllern gegeben. Im Landkreis Leipzig verletzte sich ein 17-Jähriger beim Einsatz von Pyrotechnik so schwer, dass er später im Krankenhaus starb, wie die Polizei mitteilte. Ein Fremdverschulden werde derzeit ausgeschlossen. Die polizeilichen Ermittlungen zum Unfallhergang dauern noch an.

Es gehe auch darum, welche Art von Pyrotechnik der Jugendliche verwendet habe und woher er diese hatte, sagte am Montag ein Polizeisprecher auf Anfrage. Der 17-Jährige hatte auf einem Feld in Otterwisch eine vermutlich nicht zugelassene Pyrotechnik in ein Rohr gesteckt. Als diese nicht zündete, hatte der Jugendliche nachgeschaut. In diesem Moment detonierte der Sprengsatz.

Versammlungen mit Aufzügen am Abend im Osten der Stadt mit bis zu 110 Teilnehmern sowie nach Mitternacht am Connewitzer Kreuz im Süden seien friedlich verlaufen, hieß es von der Polizeidirektion Leipzig. Allerdings sei es später am Connewitzer Kreuz erneut zu einer Ansammlung gekommen. An mehreren Stellen auf der Straße sei Unrat entzündet worden. Das Feuer sei mit Wasserwerfern gelöscht worden. Die Einsatzkräften und Polizeifahrzeuge seien mit Pyrotechnik und anderen Gegenständen beworfen worden. Dabei seien Dienstfahrzeuge beschädigt worden.

Schwere Unfälle in Thüringen

In Thüringen zogen sich zwei Männer während der Silvesternacht durch explodierende Feuerwerkskörper schwere Verletzungen zu. Ein 42-Jähriger wurde in Friemar bei Gotha beim Hantieren mit online bestellten Böllern so schwer verletzt, dass ihm beide Unterarme amputiert werden müssen, wie die Polizei mitteilte. In Schleiz verlor ein 21-Jähriger bei einem Unfall mit einem Sprengkörper seine Hand. Die illegale Kugelbombe sei direkt beim Entzünden explodiert.

Zudem sind 40 Autos in der Nacht bei einem Brand in einer Garagenanlage in der Erfurter Krämpfervorstadt beschädigt worden. Das teilte Polizei in der Nacht zum Sonntag mit. Auf dem Grundstück am Stadtrand brannten demnach Teile der über 200 Quadratmeter großen Fläche.

Schönebeck: Betrunkener Autofahrer überfährt Mann

Im sachsen-anhaltischen Schönebeck (Elbe) wurde ein Fußgänger Anzünden von Feuerwerkskörpern auf der Straße von einem Auto erfasst und tödlich verletzt. Der 42-Jährige wurde durch die Wucht des Aufpralls am frühen Sonntagmorgen mehrere Meter weit über die Fahrbahn geschleudert, wie die Polizei mitteilte. Er starb noch am Unfallort. Der 61 Jahre alte Autofahrer beging nach dem Unfall Fahrerflucht. Ein Zeuge folgte ihm und konnte ihn laut Polizei zum Umkehren bewegen. Danach wurden bei dem 61-Jährigen 1,86 Promille gemessen. Ihm wurden eine Blutprobe und der Führerschein abgenommen.

Ein Mann aus Weißenfels in Sachsen-Anhalt hat in der Silvesternacht beim Zünden eines Böllers die linke Hand komplett weggesprengt. "Da war nichts mehr zu retten", sagte der Leitende Oberarzt der Spezialklinik für Handchirurgie und Brandverletzungen des BG Klinikums Bergmannstrost, Cord Corterier, der Deutschen Presse-Agentur. Außerdem sei er auch an der rechten Hand verletzt und habe das linke Augenlicht verloren.

In Thale im Landkreis Harz wurden kurz nach Mitternacht eine Frau und ihr neunjähriger Sohn durch eine Feuerwerksrakete verletzt. Wie die Polizei mitteilte, war die Rakete von einem 42-jährigen Mann von einem Balkon gezündet worden und zwischen der 35-jährigen Frau und ihrem Sohn explodiert. Die beiden wurden im Krankenhaus behandelt. Gegen den Beschuldigten wurde ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung eingeleitet. In Harzgerode verletzte sich in der Silvesternacht ein 14-jähriger Junge beim Zünden von Pyrotechnik schwer an der Hand.

Berlin: Gezielt mit Pyro auf Passanten

In Berlin wurden Polizisten und Feuerwehrleute beim Löschen eines brennenden Autos "massiv mit Böllern angegriffen", wie die Polizei bei Twitter schrieb. "Wir sichern die Brandbekämpfung jetzt mit zusätzlichen Einsatzkräften", hieß es. Im Stadtteil Lichtenrade versuchten laut Polizei 60 bis 80 Menschen, ein Fahrzeug mit Feuerwerk anzuzünden.

Ebenfalls in der Hauptstadt wurden die Scheiben eines Ladens mit Böllern zerstört. "Unsere Kollegen kamen schnell und wurden dann sprichwörtlich unter Beschuss genommen", twitterte die Polizei. Ein Beamter habe Verletzungen erlitten. Auch aus anderen Stadtteilen meldete die Polizei Einsätze im Zusammenhang mit Feuerwerk: "Idioten schießen gezielt mit Pyro auf Passanten in Moabit."

Debatte über Feuerwerksverbot entbrannt

Die vielen Angriffe auf Einsatzkräfte und schweren Böller-Unfälle in der Silvesternacht haben die Debatte um ein generelles Verbot von privatem Feuerwerk neu entfacht. Der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, teilte mit, die Befürchtungen seien von der Realität noch übertroffen worden. Deutschland habe eine Aggressivität in einer noch nie dagewesenen Form erlebt. Er sei fassungslos, dass selbst der Tod eines 17-Jährigen nicht zu sofortigen Reaktionen der Politik führe.

Auch die Gewerkschaft der Polizei Berlin forderte ein Verkaufsverbot für privates Feuerwerk. GdP-Landeschef Stephan Weh sagte, Pyrotechnik werde gezielt als Waffe gegen Menschen eingesetzt. Das müsse ein Ende haben.

dpa (kar/dni)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. Januar 2023 | 06:00 Uhr

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