Giftpflanze des Jahres Wann Petersilie tatsächlich gefährlich sein kann

27. Januar 2023, 05:00 Uhr

In der Küche ist die Petersilie eine kleine Alleskönnerin – sie veredelt Suppe, Salate und andere Speisen. Doch ausgerechnet die Petersilie wurde zur Giftpflanze des Jahres 2023 gekürt. Warum? Und wie giftig ist sie wirklich?

Schon die Römer wussten es! Um dem Gesang des berühmt berüchtigten Barden "Troubadix" zu entgehen, stopfte sich eine römische Patrouille in den Asterix-Comics Petersilie in die Ohren! Petersilie kann also viel mehr, als "nur" ein vitaminreiches Küchengewürz zu sein – aber ausgerechnet Giftpflanze des Jahres 2023?

Keine Gefahr bei Supermarktpetersilie

Helge Masch, Leiter des Botanischen Sondergartens Wandsbek in Hamburg erklärt MDR MDR AKTUELL: "Im zweiten Lebensjahr werden die Blätter nicht mehr so schmackhaft sein und die Pflanze fängt auch an zu blühen, und in der Saat steckt dann die Gefahr, dass man sich vergiften kann. Also die dunkle Seite der Petersilie taucht erst im zweiten Lebensjahr auf."

Genau deshalb muss Petersilie im Garten jedes Jahr neu ausgesät werden, am besten an einem anderen Standort. Doch auch wer im Supermarkt Petersilie im Topf kauft, muss sich in der Regel keine Sorgen machen: "Die Pflanzen sind so eng aneinander gesät, dass sie das zweite Jahr gar nicht überleben, weil es ihnen da viel zu eng ist, und insofern sehe ich da überhaupt keine Gefahr", sagt Masch.

Petersilie: erst in sehr hoher Menge giftig

Doch warum wurde sie dann Giftpflanze des Jahres? Den Titel vergibt der Botanische Sondergarten Wandsbek seit 18 Jahren – und zwar per Abstimmung. Leiter Masch erklärt: "Wir haben eine große Liste mit ganz vielen Giftpflanzen, und dann kommt da natürlich ganz oft der Gedanke, was ich davon aussuche. Und das sind natürlich meistens Pflanzen, denen man das gar nicht zutraut."

Im vergangenen Jahr habe man die Kartoffel gehabt: Da sei es schon ein bisschen bekannter, dass da als Nachtschattengewächs Giftstoffe drin seien. Dieses Jahr haben die Nutzerinnen und Nutzer also am meisten für die Petersilie gestimmt.

Auf einer Skala von "wenig giftig bis sehr stark giftig" falle das grüne Küchenkraut eher in den unteren, niedrigen Gift-Bereich, sagt Masch. Es braucht also eine sehr hohe Menge, um wirklich gefährlich zu werden. Eine Studie zeigte, dass ein 75-Kilogramm schwerer Mensch mehrmals zwei Kilogramm Petersilienblätter essen müsste, damit sich die toxische Wirkung entfaltet und Leber sowie Niere geschädigt werden.

WHO: Petersiliensamen sollten gemieden werden

Der normale Verzehr der Blätter sei völlig unbedenklich, sagt auch die Weltgesundheitsorganisation. Dagegen sollte man die Samen der Petersilie meiden. Im Mittelalter habe man sich das gezielt zunutze gemacht, erzählt Masch. Sie sei damals eingesetzt worden, um ungewollte Schwangerschaften zu beenden.

Der Giftstoff, der sich in den Saatkörnern befindet, sei abortiv. Und wurde dann häufig etwas überdosiert, sodass nicht nur der Fötus abgegangen, sondern auch die Frau infolge der Prozedur gestorben sei. Das seien dann aber professionell gemischte, hochdosierte Gifte aus der Petersiliensaat gewesen, betont der Botaniker.

Übrigens ist die Wahl für die Giftpflanze des Jahres 2024 bereits eröffnet. Eine Vorschlag-Liste findet sich online. Am besten sucht man dazu nach "Giftpflanze des Jahres 2024". Bis 20. Mai kann abgestimmt werden.  

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 26. Januar 2023 | 16:25 Uhr

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