Karl Lauterbach und Franziska Giffey bei einem Pressestatement nach dem Besuch der Kinderklinik der Charit im Charit Virchow-Klinikum CVK Berlin.
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Freitag bei einem Besuch des Berliner Krankenhauses Charité. Lauterbach fordert angesichts sprunghaft steigender Corona-Zahlen in China eine europäische Lösung bei Einreisen. Bildrechte: IMAGO/Future Image

Steigende Infektionszahlen Lauterbach will "Varianten-Monitoring" bei Einreisen aus China

01. Januar 2023, 13:53 Uhr

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will angesichts steigender Corona-Fälle in China ein "Varianten-Monitoring" auf europäischer Ebene verankern. Mehrere Länder wie Italien, Spanien und Südkorea verlangen von Einreisenden bereits negative Corona-Tests. Experten gehen unterdessen von hohen Neuinfektions- und Todeszahlen in China aus.

Angesichts der massiven Coronawelle in China will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im Verbund mit anderen europäischen Staaten ein System zum "Varianten-Monitoring" an Flughäfen vorbereiten. Auf diese Weise könne beim Auftreten besorgniserregender neuer Varianten des Coronavirus sofort gehandelt werden, sagte Lauterbach am Freitag in Berlin vor Journalisten. Für Routinetests bei Einreise sehe er derzeit aber keinen Anlass, da alle bislang zu beobachtenden Varianten bereits bekannt seien.

Lauterbach: Brauchen europäische Lösung

Lauterbach kündigte an, er werde am Nachmittag mit seinem französischen Amtskollegen über die Angelegenheit sprechen. "Wir brauchen eine europäische Lösung", forderte Lauterbach. Nach Italien hatten am Freitag auch Spanien, Frankreich und Großbritannien verpflichtende Tests für China-Reisende angekündigt.

Frankreich fordert alle EU-Staaten auf, Reisende auf China auf eine Infektion mit dem Coronavirus testen zu lassen. Verkehrsminister Clement Beaune begründet seine Forderungen damit, das Passagiere aus China über den Umweg über andere Länder ungetestet nach Frankreich einreisen könnten. "Darum müssen wir uns abstimmen, damit wir effektiver sein können", sagt Beaune am Sonntag.

Kanada will Abwasser internationaler Flüge untersuchen

Auch außerhalb Europas haben Staaten wie die USA, Indien und Südkorea bereits Beschränkungen für China-Reisende eingeführt oder angekündigt. Am Sonntag zogen Australien und Kanada nach und kündigten verpflichtende negative Corona-Tests als Voraussetzung für die Einreise aus China angekündigt. Die am 5. Januar in Kraft tretende Regelung solle Australien "vor dem Risiko potentieller neu entstehender Varianten" schützen, erklärte Gesundheitsminister Mark Butler. Kanada will zusätzlich zu den negativen Corona-Tests zudem das Abwasser aller internationalen Flüge, die in Vancouver oder Toronto landen, auf neue Covid-Varianten prüfen. 

Die EU hatte am Donnerstag zum weiteren Vorgehen bei Einreisen aus China beraten. Anschließend rief EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides die Staaten zunächst dazu auf, ihre nationalen Überwachungsmaßnahmen des Virus zu überprüfen und gegebenenfalls wieder hochzufahren. Voraussichtlich kommende Woche soll es ein Krisentreffen geben.

Keine offiziellen Corona-Zahlen mehr aus China

Genaue offizielle Corona-Zahlen gibt es in China nicht mehr. Nach dem Ende der Testpflicht ist es nach Behördenangaben inzwischen unmöglich, die Zahl der Corona-Fälle abzuschätzen. Am Sonntag hatte China daher die Veröffentlichung täglicher Corona-Daten eingestellt. Der Datendienstleister Airfinity geht derzeit von 9.000 Corona-Todesfällen und 1,8 Millionen Infektionen pro Tag in China aus. Bis Ende April 2023 könnte die Zahl der Corona-Toten demnach auf 1,7 Millionen steigen.

Nach fast drei Jahren strikter Vorkehrungen hatte Chinas Führung am 7. Dezember abrupt ein Ende seiner umstrittenen Null-Corona-Politik verkündet. Nach offiziell unbestätigten internen Schätzungen haben sich allein in den ersten drei Dezemberwochen 248 Millionen Menschen oder 18 Prozent der Bevölkerung infiziert. Wissenschaftler warnen, die Corona-Welle könnte neue Varianten hervorbringen, die dann ihren Weg in andere Länder finden würden.

AFP/dpa/Reuters (jan,kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 30. Dezember 2022 | 15:00 Uhr

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