Grüne Woche Bauern-Demo "Wir haben es satt" fordert Agrarwende

Riesige Schweine rollen über die Straße, große Insekten schweben in der Luft. Mit den Nachbildungen kommen Landwirte aus ganz Deutschland zum Protest während der Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Am Rande der Messe fand zudem die international größte Agrarministerkonferenz statt. Die 64 Staaten unterzeichneten eine gemeinsame Erklärung um stärker den Welthunger zu bekämpfen.

Bei einer Demonstration der Organisation "Wir haben es satt!" zu "Gutes Essen für alle - statt Profite für wenige" fahren Traktoren von Bauern auf der Straße des 17. Juni.
Erstmals seit der Corona-Pandemie findet wieder die Grüne Woche in Berlin statt. Der Bauernverband "Wir haben es satt" protestiert währenddessen für die Agrarwende. Bildrechte: dpa

Parallel zur Agrar- und Ernährungsmesse Grüne Woche sind am Samstag in Berlin Tausende Menschen aus ganz Deutschland für eine umweltschonendere Landwirtschaft auf die Straße gegangen. Veranstalter war ein Bündnis aus Bauern, Klima- und Tierschützern sowie weiteren Verbänden.

Mit 55 Traktoren waren am Morgen Bäuerinnen und Bauern in Brandenburg in Richtung Brandenburger Tor aufgebrochen, wie ein Sprecher der Initiative "Wir haben es satt" mitteilte. Laut Veranstalter nahmen rund 10.000 Menschen an der Demonstration teil, die Polizei sprach von gut 7.000. Die Demonstration sei friedlich verlaufen, sagte ein Sprecher.

Initiative fordert faire Erzeugerpreise

Cem Özdemir spricht bei einer Demonstration der Organisation "Wir haben es satt!"
Cem Özdemir spricht bei einer Demonstration der Organisation "Wir haben es satt!" Bildrechte: dpa

Landwirte überreichten Landwirtschaftsminister Cem Özdemir eine Protestnote. "Wir erwarten deutlich mehr von Agrarminister Özdemir und der Bundesregierung, das war zu wenig ambitioniert, zu mutlos und zu langsam", sagte Bündnis-Sprecherin Inka Lange mit Blick auf ein Jahr Agrar- und Ernährungspolitik der Koalition von SPD, Grünen und FDP.

Die Initiative "Wir haben es satt" fordert faire Erzeugerpreise, Sozialleistungen, die ökologischen Konsum möglich machen, und mehr Ackerflächen für den Anbau menschlicher Nahrung statt für Futter.

Ernährungssysteme sollen krisenfester werden

Am Rande der Messe fand auch die internationale Agrarministerkonferenz statt. In einer Erklärung unterstrichen die Regierungsvertreter aus 64 Ländern das Ziel eines stärkeren Kampfes gegen den Hunger in der verschärften Lage wegen des Ukraine-Kriegs. Nötig seien praxistaugliche Lösungen und mehr Unterstützung besonders für Kleinbauern, sagte Cem Özdemir. Für das global vereinbarte Ziel, den Hunger in der Welt bis 2030 zu beenden, gebe es nur noch acht Ernten.

Der Minister betonte, Deutschland und die EU müssten im Kampf gegen den Hunger in Afrika endlich präsenter sein. "Wir dürfen das Feld nicht den autoritären Staaten überlassen, die dort aktiv sind und durch ihre Investitionen versuchen, neue Abhängigkeiten zu schaffen." Die Bundesregierung vereinbarte dazu mit der Afrikanischen Union eine Zukunftspartnerschaft, um Ernährungssysteme krisenfester zu machen. Zentral sei ein Wissenstransfer.

Außerdem brauche es Lagermöglichkeiten, Logistik und Verarbeitungskapazitäten, um Verluste nach der Ernte von bis zu 50 Prozent zu vermeiden. Özdemir übte auch Selbstkritik am europäischen Kurs. Man müsse sich fragen, ob Agrarexporte Krisen verstärkten und Abhängigkeiten förderten – indem sie Perspektiven für afrikanische Märkte etwa für Geflügel und Milch vernichteten.

Grüne Woche als Branchentreffen

Auf der Grünen Woche präsentieren bis zum 29. Januar rund 1.400 Aussteller aus Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie ihre Produkte in den Berliner Messehallen. Zugleich ist als Branchentreffen ein wichtiger Ort für den politischen Austausch über die Zukunft der Landwirtschaft.

Seit mehreren Jahren findet anlässlich der Agrarmesse Demonstrationen von landwirtschaftlichen Akteuren statt. An der Initiative sind Vertreter ökologisch und konventionell wirtschaftender Bauern, Natur-, Umwelt- und Tierschutzverbände sowie kirchliche Hilfswerke beteiligt.

dpa (kar)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 21. Januar 2023 | 13:00 Uhr

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