Rabatt-Wochenende Warum deutsche Händler beim Black Friday mitmachen

Auf sämtlichen Shopping-Portalen im Internet sind am "Black Friday" sogenannte Black Deals zu finden – auf den Großteil der Produkte gibt es Rabatte. Doch auch Läden in Einkaufsstraßen in Mitteldeutschland machen mit. Das sind die Gründe.

Black Friday steht auf einem Schaufenster
Auch der Einzelhandel will vom Black Friday profitieren. Bildrechte: IMAGO/Dean Pictures

Wenn die Deutschen das Schnäppchenfieber packt, muss Matthias Schmidt fit sein. Schmidt ist Verkaufsleiter bei Expert Jäger im thüringischen Altenburg. Ein eher kleiner Händler mit 55 Angestellten, die am "Black Friday" keinen Urlaub machen dürfen. Denn auch Expert Jäger macht beim Black Friday mit: "Diese Zeit jetzt aktuell ist – wie es ursprünglich aus Amerika – das Einläuten des Weihnachtsgeschäftes. Dem kann man sich nicht entziehen. Der Druck der großen Online-Händler, die das ja viel aggressiver spielen, dem kann man sich nicht entziehen. Man muss das mitmachen, wenn man unternehmerisch die Welle mitnehmen will."

Black Friday Immer am letzten Freitag im November (2022 am 25. November), dem Tag nach Thanksgiving, findet in den USA der Black Friday statt. Viele Amerikaner nutzen den Brückentag für ihre Weihnachtseinkäufe. Dadurch hat sich der Black Friday in den USA zum umsatzstärksten Tag des Jahres entwickelt. Dieses für Händler extrem erfolgreiche Konzept wurde vom iPhone-Hersteller Apple nach Deutschland exportiert. Hier findet der Black Friday seit 2006 statt.

Wachstumsprognose von 20 Prozent

Schon im September zur Technikausstellung IFA hat sich Schmidt über den Black Friday Gedanken gemacht: Welche Produkte kann er anbieten, welche Mengen, mit welchen Rabatten? Jahr für Jahr wachsen in Deutschland die Umsätze. René Glaser vom Handelsverband Sachsen ist optimistisch, dass das auch beim diesjährigen Black Friday klappt: "Richtig ist natürlich, dass wir gerade sehr schwierige Rahmenbedingungen und eine eher mäßige Konsumstimmung vorfinden. Trotzdem setzt sich nach unseren Prognosen die Wachstumsgeschichte des Black Friday fort."

Viele Kunden gingen gerade jetzt vor dem Hintergrund der aktuellen Bedingungen auf Schnäppchenjagd und wollen die Angebote des Einzelhandels nutzen, erklärt Glaser. "So dass wir im Vergleich zum Vorjahr von einem Wachstum von um die 20 Prozent ausgehen."

Nach einer Umfrage des Handels kennen 96 Prozent aller Deutschen den Black Friday. Noch vor 20 Jahren war der Tag hierzulande unbekannt. Den Händlern sei es gelungen, ein Verkaufsereignis zu inszenieren, sagt Erik Maier von der Leipziger Handelshochschule HHL. Der Black Friday hat andere Shoppingereignisse ersetzt: "Die Sommerschlussverkäufe finden ja in dem Maße gar nicht mehr statt. Wir haben jetzt keine regulierten Zeitpunkte mehr, wo die Händlerinnen und Händler abverkaufen dürfen. Sondern jeder kann einen Schlussverkauf oder Sale machen, wann er oder sie möchte."

Man könne sagen, dass der Black Friday durch die bewusste Konzentration auf einen Tag oder ein Wochenende die Leute dazu animiert, jetzt zu kaufen, um zu sparen, sagt Maier.

Rabatte häufig schon vorher zu finden

Doch spart man wirklich? Verbraucherschützer warnen vor vermeintlichen Rabatten. Und auch Erik Maier sagt, es werde zwar oft Nachlass gewährt. Doch wer sich auf Preissuchmaschinen umsehe, stelle fest: Unterm Strich seien die Rabatte überschaubar.

Erik Maier erklärt: "Das heißt, die meisten Produkte haben schon vorher einen Preisverfall durchgemacht. Die unverbindliche Preisempfehlung gerade bei Elektronikartikeln, die wird fast nie bezahlt. Und dementsprechend sind die 50 oder 70 Prozent Rabatt häufig die Woche davor oder die Woche danach irgendwo anders auch zu kriegen."

Viele wird das vom Shoppen am Black Friday nicht abhalten. Um dem Kaufrausch etwas entgegenzusetzen, haben konsumkritische Initiativen den "Kauf-Nix-Tag" ausgerufen. Der ist am Samstag – allerdings den meisten unbekannt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 25. November 2022 | 06:00 Uhr

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