Apothekenschaufenster mit dem Hinweis, das man dort ein E-Rezept einlösen kann
In vielen Apotheken kommt es immer wieder zu Ausfällen beim Einlösen der E-Rezepte. Bildrechte: picture alliance/dpa/Horst Galuschka

Apotheken Warum es immer wieder Störungen beim Einlösen von E-Rezepten gibt

15. März 2024, 08:23 Uhr

In Apotheken treten immer wieder Probleme beim Einlösen von E-Rezepten auf, vor allem gleich morgens. Das Problem liegt in der Übertragung der elektronischen Unterschrift auf den E-Rezepten. Beim Server des Anbieters Medisign kommt es dabei immer wieder zu Störungen.

Es passiert vor allem früh, zwischen 8 Uhr und 8:15 Uhr. Fast täglich kommt es momentan in dieser Zeit zu Störungen beim E-Rezept und zwar in Apotheken, die Rezepte nicht einlösen können.

Die Leidtragenden seien die Patienten, sagt Eugen Brysch von der Stiftung Patientenschutz: "Auch im dritten Monat nach Einführung des E-Rezepts knirscht es immer wieder. Es darf nicht sein, dass zwischen Arztbesuche und Rezept Einlösung teilweise mehrere Stunden liegen müssen." Chronisch, aber auch akut kranke Patienten müssten sich darauf verlassen können, dass ihr E-Rezept in der Apotheke zur Verfügung stehe, mahnt Brysch.

Problem: Übertragung der elektronischen Unterschrift

Wie viele Patientinnen und Patienten seit Jahresanfang schon ohne Rezept wieder nach Hause geschickt werden mussten, lässt sich kaum sagen. Fest steht aber: Die aktuellsten Probleme betreffen ausschließlich Rezepte, die über den Anbieter Medisign ausgestellt wurden. Medisign ist eine GmbH, die sich um die technische Umsetzung der Signatur kümmert – also um die Übertragung der elektronischen Unterschrift auf den E-Rezepten.

Wie normale Rezepte auch müssen E-Rezepte von den Arztpraxen unterschrieben werden. Die Unterschriften werden dann an die Server von Medisign übermittelt. Genau auf diesen Servern scheint nun das Problem zu liegen.

Insgesamt gibt es vier IT-Anbieter von E-Rezept-Signaturen, doch nur bei Medisign scheinen die Server immer wieder auszufallen, erklärt Anke Rüdinger vom Deutschen Apothekerverein: "Das ist eine unbefriedigende Situation. Die Patienten sind es gewöhnt, nach einem Arztbesuch in die Apotheke zu gehen und dort mit Arzneimitteln versorgt werden. Wenn sie jetzt in die Apotheke gehen, bekommen Sie immer öfter zu hören, dass es gerade nicht geht."

Nicht nur Patienten sind sauer, auch Apotheker. Jeden zweiten Tag funktioniere irgendwas nicht, schrieb ein Apotheker in einem Onlineartikel und gab die Schuld dem Bundesgesundheitsminister.

Medisign sucht weiter nach Fehler

Was die Apotheker dabei verschweigen, ist, dass sie selbst einen Teil der Verantwortung tragen. Denn sie sind Mitgesellschafter der wesentlichen IT-Unternehmen im Gesundheitswesen und zwar über den Apothekerverband und die Apotheker- und Ärztebank.

Anke Rüdinger vom Deutschen Apothekerverein wirbt daher um mehr Verständnis: "Wir dürfen immer nicht vergessen, wir digitalisieren hier einen Riesenprozess im Gesundheitswesen. Da hätte man vieles im Vorfeld klären können, aber ich glaube nicht alles. Es ist ein Prozess, wo Fehler auftreten und man dann miteinander redet und Fehler abstellt." Manche Fehler träten erst im Prozess auf und könnten dann erst aus dem Weg geräumt werden, sagt Rüdinger. Medisign sucht unterdessen nach dem Fehler. Ist er gefunden, könnte ein Software-Update reichen, um ihn zu beheben.

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Das heißt dann aber noch lange nicht, dass in Zukunft beim E-Rezept alles glatt läuft. Denn die IT in den Praxen und Apotheken kämpft noch mit einem ganz anderen Problem: der sogenannten Stapelverarbeitung. Das tritt immer dann auf, wenn Ärzte kurz vor Feierabend sämtliche Rezepte des Tages elektronisch unterschreiben und dann massenweise abschicken. Auch das überlastet die IT so sehr, dass es in den letzten Wochen immer wieder zu Verzögerungen kam.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 15. März 2024 | 06:07 Uhr

25 Kommentare

AlexLeipzig vor 13 Wochen

Sorry, aber das ist schon eine ziemlich große Anspruchshaltung. In der Regel funktioniert es ja. Und ja, ich war anfangs auch sehr skeptisch und genervt von dem Aufwand. Aber die bisherigen Erfahrungen sind überwiegend positiv, kleine "Kinderkrankheiten" stellen nicht gleich das ganze System in Frage.

Peter Pan vor 13 Wochen

habe das selbe erst diese Woche erlebt, muss in den nachbarrort zur Apotheke. Vorm Arzt direkt zur Apotheke, kurz nach 8 Uhr, in der Apotheke, Sorry, das Gerät geht derzeit nicht, kommen Sie bitte später nochmal.
Was für unfähige IT Anbieter arbeiten denn auf diesem Gebiet, jeder möchte mitverdienen aber manche sind unfähig zu Qualitätsarbeit und unsereins muss später nochmal mit dem Auto zur Apotheke, weil man ja den ganzen tag nichts anderes zu tun hat.
Soviel also zur Digitalisierung.

AlexLeipzig vor 13 Wochen

Vielleicht nochmal zur grundsätzlichen Klarstellung: das Rezept landet nicht auf der Chipkarte, sondern in einer Cloud. Auf diese greift man dann mit der Karte in der Apotheke zu (die Karte ist quasi der Schlüssel). Das wurde im Vorfeld nicht so gut dargestellt, wir haben es auch erst erfahren, als wir das System installiert haben).

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