Ein Kellner eines Restaurants hält einen Geldbeutel in der Hand, während er in der anderen Hand Bargeld hält.
Mehr Geld im Portemonnaie: Die Reallöhne sind 2023 minimal um 0,1 Prozent gestiegen. Bildrechte: picture alliance/dpa | Felix Hörhager

Reallöhne Kaufkraft nimmt erstmals seit 2019 minimal zu

29. Februar 2024, 14:51 Uhr

Die Reallöhne der Beschäftigten in Deutschland sind erstmals seit Jahren statistisch leicht gestiegen. Ein Plus verzeichneten vor allem Geringverdiener und diejenigen, die eine Inflationsuasgleichsprämie erhielten.

Die Kaufkraft der Beschäftigten in Deutschland hat vergangenes Jahr erstmals seit 2019 wieder zugenommen. Die Löhne und Gehälter stiegen 2023 im Schnitt um 6,0 Prozent bei einer Inflationsrate von 5,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Unterm Strich blieb ein minimales reales Lohnplus von 0,1 Prozent.

Im Zuge der Corona-Pandemie waren die Reallöhne ins Minus gerutscht. Durch die hohe Inflation infolge des russischen Angriffskrieg auf die Ukraine lag das Minus in den Portemonnaies im Jahr 2022 sogar bei minus 4,0 Prozent.

Vor allem Geringverdiener mit Lohnplus

Der kräftige Anstieg bei den Nominallöhnen ist nach Angaben der Statistiker vor allem auf die Zahlungen der Inflationsausgleichsprämie sowie die Mindestlohnerhöhung auf 12 Euro im Oktober 2022 zurückzuführen. Den stärksten Lohnzuwachs verzeichneten daher auch Geringverdienende. So stieg der Verdienst im untersten Fünftel der Lohntabelle im Jahresschnitt um 11,4 Prozent.

Demgegenüber erlitten viele Menschen mit höheren Löhnen weiterhin einen Kaufkraftverlust. So lag der Anstieg der Löhne für das mittlere Fünftel bei 5,8 Prozent. Hier sank der Reallohn also statistisch um 0,1 Prozent. Bei den höchsten Einkommen ist der Verlust mit 1,3 Prozent noch größer.

Viele Tarifverhandlungen 2024

Dieses Jahr könnten die Löhne kräftig steigen. Denn in vielen Branchen werden neue Tarife verhandelt. Laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) stehen 2024 für rund 12 Millionen Beschäftigte Tarifverhandlungen an. Neue Verträge braucht es unter anderem in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemie und im Bauhauptgewerbe. Zum Jahresende läuft zudem der Tarifvertrag im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen aus.

Zeitgleich schwächt sich die Inflation ab. Sie wird in diesem Monat voraussichtlich 2,5 Prozent im Jahresvergleich betragen, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls am Donnerstag in einer ersten Schätzung mitteilte. Im Januar hatte die Inflation 2,9 Prozent betragen – auch das war bereits eine deutliche Entspannung.

Fachleute sehen vor diesem Hintergrund gute Chancen, dass den Beschäftigten 2024 deutlich mehr im Geldbeutel behalten. "Wir sollten dieses Jahr den stärksten Anstieg der Reallöhne seit 2015 sehen", sagte der Chefvolkswirt der ING-Bank, Carsten Brzeski. "Bei einer Inflationsrate von rund drei Prozent und einem Nominallohnwachstum von vier bis fünf Prozent stehen für Arbeitnehmer gute Zeiten an."

Reuters/AFP/dpa/MDR (ala)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL - das Nachrichtenradio | 29. Februar 2024 | 10:00 Uhr

17 Kommentare

nasowasaberauch vor 7 Wochen

@Peter Der etwas von der Materie versteht ist bestimmt kein Rentenempfänger. Was der Reallohn/Preis-Vergleich 2015/2024 ergeben würde wäre interessant. Wenn es mit den Reallöhnen so straff aufwärts geht verstehe ich die Kaufzurückhaltung nicht so recht. Da ist wenig Vertrauen vorhanden und beim Einkauf für die Waren des tägl. Bedarfs ist von einer sinkenden Inflation nichts zu spüren. Der stat. Warenkorb ist Augenwischerei.

ElBuffo vor 7 Wochen

Die 40% mehr für Energie hört man immer wieder. Das muss aber ähnlich wie bei der Flasche Bier pro Nase und Tag sein. Die einen schaffen nicht mal das und andere dafür mehr.

Brinky vor 7 Wochen

...sage nur, endlich den Binnenmarkt (EU) stärken! ( in den USA seit jeher wichtigster Wirtschaftsindikator)...macht wirtschaftlich unabhängiger...ökologisch sinnvoller inkl. echtem Klimaschutz...
Das heißt...ordentliche Löhne zahlen und vernünftige Rahmenbedingungen schaffen!!!
Das meiste Geld bleibt im Lande...Handel, Handwerk, Gastronomie, Kultur etc. freut's.
Von den weltweiten Folgen des "Globalisierungswahn"/Gewinnmaximierung und Auslagerung, durch Transporte um die ganze Welt, unkontrollierbaren Produktionsbedingungen "am anderen Ende der Welt" inkl. deren ökologischen Auswirkungen dort vor Ort, noch gar nicht zu sprechen!
An den Löhnen liegt es jedenfalls nicht, als erstes stiegen die Preise!!!!

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