recap Höhere Preise im Supermarkt: Werden wir abgezockt?

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Wegen der hohen Inflation und gestiegener Produktionskosten wollen viele Lebensmittelkonzerne ihre Produktpreise erhöhen. Da spielt der Handel nicht mit. Der Vorwurf: Lebensmittelkonzerne nutzen die Lage aus und versuchen, auf den Rücken der Kunden, mehr Gewinn zu erwirtschaften. Manche Supermarktketten reagieren sogar mit Boykotten. Die Folge: leere Regale in vielen Supermärkten. Aber schützt der Handel wirklich die Kunden – oder eher die eigene Gewinnmarge?

Ein Mann steht neben vier verschiedenen Markenprodukten. Einer Coladose, Hundefutter, Milkaschokolade und einem Mars Riegel. Dabei tippt er sich mit dem Finger an die Stirn.
Derzeit streiten viele Lebensmittelkonzerne mit Handelsketten über Preise, darunter auch Coca-Cola, Mondelez und Mars. Bildrechte: MDR/Tim Walther/Imago/Shotshop

Bei den Supermarktketten Rewe und Edeka sowie deren Discounter-Töchtern Penny und Netto gibt es derzeit keine oder höchstens noch Restbestände von Produkten des Mars-Konzerns. Dazu gehören neben den Schokoriegeln Mars, Twix, Bounty und Milky Way unter anderem auch M&Ms, Wrigleys, Miracoli, Ben's Reis und Tierfutter-Marken wie Sheba, Whiskas und Pedigree. Insgesamt sind mehr als 350 Produkte betroffen.

Worum es bei dem Streit geht

Der Lebensmittelkonzern Mars will die Preise für seine Produkte erhöhen und begründet das mit der Inflation und gestiegenen Energie- und Rohstoffpreisen. Auf Anfrage der recap-Redaktion schreibt der Konzern: "Wir fangen steigende Kosten weiterhin so gut wie möglich intern auf, angesichts der aktuellen Marktsituation ist jedoch ein gewisses Maß an Preisanpassung nötig."

Angesichts der aktuellen Marktsituation ist ein gewisses Maß an Preisanpassung nötig.

Tanja Tutschka, Mars Wrigley

Die Handelsgruppen Rewe und Edeka sind damit nicht einverstanden. So erklärt Rewe schriftlich auf Anfrage der recap-Redaktion: "Einen Teil dieser Forderungen – zum Beispiel auf Basis von Rohstoff- und Energiestoffpreisen – können wir nachvollziehen. Andere jedoch sind in Höhe und Begründung nicht nachvollziehbar."

Einen Teil dieser Forderungen können wir nachvollziehen. Andere jedoch sind in Höhe und Begründung nicht nachvollziehbar.

Andreas Krämer, Rewe Group

Auch Stefanie Schmitt von der Edeka-Zentrale Nordbayern-Sachsen-Thüringen vermutet, "dass viele international agierende Markenhersteller die aktuelle Lage für sich ausnutzen. Sie versuchen, auf der Inflationswelle mitzureiten, um ihre Renditen zu erhöhen." Die Folge des Streits: Leere Regale, solange keine Einigung gelingt. 

Wann endet der Streit?

Man sei weiter in Verhandlungen, heißt es von beiden Seiten. Wann wieder Verträge geschlossen und damit Produkte geliefert werden, ist derzeit aber nicht absehbar. Doch ewig wird dieser Streit nicht gehen. Handelesexperte Erik Maier sagt, beide Seiten hätten ein Interesse daran, sich schnellstmöglich zu einigen: "Wir haben jetzt viel Wind und Druck. Irgendwann ebnet sich das, weil das einfach rational agierende Unternehmen sind, die aufeinander angewiesen sind."

Das sind rational agierende Unternehmen, die aufeinander angewiesen sind.

Erik Maier, Professor für Handel und Marketing der Handelshochschule HHL Leipzig

Lebensmittelkonzerne wollen Produkte verkaufen und brauchen dafür Handelspartner wie Supermärkte. Dort finden zu teure Produkte jedoch keinen Absatz. So entsteht eine Abhängigkeit. Claudia Lasarczik von der Verbraucherzentrale Sachsen sagt: "Supermärkte sind Wirtschaftsunternehmen, die daran interessiert sind, Gewinn zu erwirtschaften. Wie schaffen sie das? Indem sie natürlich bei den Herstellern so kostengünstig wie möglich einkaufen."

Hersteller oder Händler: Wer hat mehr Macht?

Ob Supermärkte oder Lebensmittel-Konzerne uns abzocken und wie viel Macht wir als Kundinnen und Kunden haben – diese Fragen beantworten wir in der aktuellen Folge recap.

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | recap – bei Youtube | 30. Oktober 2022 | 11:00 Uhr

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