Sachsen und Thüringen Autoindustrie sieht sich gut vorbereitet auf Verbrenner-Aus

16. Februar 2023, 14:11 Uhr

Das EU-Parlament hat beschlossen, dass ab 2035 keine Neuwagen mit Diesel- oder Benzinmotoren mehr zugelassen werden dürfen. Autos, die davor hergestellt wurden, dürfen noch weiterfahren. Die Autobranche steht damit vor großen Veränderungen. In wichtigen Standorten in Sachsen und Thüringen ist man aber gut vorbereitet.

Dass dem Verbrenner kein ewiges Leben beschieden ist, war Rico Chmelik lange klar. Er ist der Geschäftsführer des Netzwerks Automotive Thüringen. Unter dem Dach des Verbands sind zahlreiche Fahrzeugzulieferer organisiert, die vom Motorengehäuse über Karosseriebleche bis hin zur Kunststoffverkleidung alles herstellen, was ein Auto zum Auto macht.

Seit einigen Jahren produzierten diese Firmen immer mehr Teile für Elektrofahrzeuge, sagt Chmelik: "Wir haben jetzt letztes Jahr im Dezember eine Umfrage gemacht. Das machen wir immer Ende des Jahres, das vierte Mal in Folge. Da wurde uns einmal mehr bestätigt, dass weit über 75 Prozent der Thüringer Zulieferer schon Aufträge für Elektrofahrzeuge haben." So stellt zum Beispiel die AE Group aus Gerstungen neben Motorenteilen auch Batteriegehäuse her.

Die Entscheidung der EU zum Ende der Verbrenner habe die Thüringer Autoindustrie deshalb nicht unvorbereitet getroffen, sagt Rico Chmelik. Jobverluste befürchtet er auch kaum: "Wir wissen, dass die Beschäftigungsrisiken im Bereich Antrieb am höchsten sind. Das liegt auch unter anderem an den Entscheidungen, dem Verbrenner ein Aus geben zu wollen. Aber wir wissen, dass Wachstumspotentiale auch in anderen Fahrzeugbereichen existieren, vor allem bei Elektronik, Software und Interieur. Das heißt, da werden wir einen Arbeitsplatzzuwachs, eine Chance erleben. Und in der Summe sind nach unseren Analysen keine Minuseffekte festzustellen."

Ohnehin sei der Bedarf an Fachkräften enorm hoch, erklärt Chmelik. In der Thüringer Zulieferindustrie seien mehr als 6.000 Stellen ausgeschrieben, die besetzt werden könnten.

Verbrenner im Rest der Welt noch gefragt

Mit dem Verbot von Neuzulassungen ab 2035 werde die Industrie rings um Verbrennermotoren indes nicht gleich zum Erliegen kommen, prognostiziert Ulrich Köster, Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kfz-Gewerbe. Für die Millionen Bestandsfahrzeuge würden Ersatzteile gebraucht, und in anderen Regionen der Welt seien Verbrennerautos nach wie vor gefragt: "Auch die Hersteller haben das schon verlautbaren lassen, dass sie für die verschiedenen Märkte auch entsprechende Antriebskonzepte anbieten werden. Insofern ist das Aus für Verbrenner zwar für Europa beschlossen, aber weltweit noch längst nicht durch", sagt Köster.

Wie sich die Entscheidung der EU auf die Preise für Verbrenner- und E-Autos auswirken wird, wagt bisher kaum einer vorherzusagen. Man verliere aber womöglich viel Know-how in der Motorenentwicklung, befürchtet Dirk Vogel vom Netzwerk Automobilzulieferer Sachsen: "Indonesien ist genauso groß wie Europa und die Fahrzeughersteller sind unterwegs, dort ihre Werke zu bauen. Das heißt: Motorenproduktion wird dahin wandern. Motorenentwicklung ist zum Teil schon abgewandert und wird weiter abwandern. Das ist eine sehr schlechte Nachricht für die Forschungseinrichtungen von Fraunhofer-Institut bis hin zu den Hochschulen."

Unter anderem deswegen hätten sich Vogel und die anderen Experten gewünscht, dass die EU zumindest den synthetischen Kraftstoffen, den sogenannten E-Fuels, Raum zur Entwicklung lässt.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 16. Februar 2023 | 06:00 Uhr

109 Kommentare

Peter am 17.02.2023

Ilse: Es gibt schon die ersten Akkus, die statt Lithium Natrium verwenden. Keine Angst, die Ingenieure arbeiten weltweit an Lösungen nicht nur für die Akkus von E-Autos.

astrodon am 17.02.2023

@Ilse: Haben Sie mal die Entwicklungen an der Batteriefront verfolgt?
"CATL hat für 2023 eine neue Zellchemie angekündigt, die nicht nur ohne Kobalt und Nickel, sondern auch ohne Lithium auskommt" oder "Forscher in den USA haben eine Aluminium-Schwefel-Batterie entwickelt, die im Vergleich zur klassischen Lithium-Ionen-Batterie deutlich kostengünstiger und aus reichlich verfügbaren Materialen besteht"?
Nur mal so als Beispiele ...

forsa am 17.02.2023

Wissen Sie warum die Ford so viele Stellen streichen muss? Ganz einfach, weil wohl anscheinend kaum noch jemand Ford fahren will. Das ist dann aber Fehler des Managements und nicht der Politik. Ford hat einfach nur den Trend hin zur neuen Technologie verpennt. So einfach ist das.
Oder wollen Sie behaupten, das Aus bei Opel war auch nur wegen politischen Handelns gekommen? Die Marke hat sich auf Dauer nunmal nicht durchstzen können. Nennt man auch Marktwirtschaft. ;)

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