Bilanz Bau neuer Windkraftanlagen an Land kommt nicht voran

Die Windkraft ist einer der Hoffnungsträger für eine von fossilen Brennstoffen unabhängige Zukunft. Doch der Windkraft-Ausbau ist auch im ersten Halbjahr dieses Jahres noch nicht wieder in Gang gekommen.

Hinter einem Rapsfeld an der A 14 erstreckt sich ein Windpark.
An der A14 zwischen Leipzig und Dresden entstehen zwei Windkraftanlagen, die im September in Betrieb gehen sollen. Bei dem Projekt wurden zwei alte Anlagen abgebaut, die nun durch die neuen Windräder ersetzt werden ("Repowering"). Bildrechte: dpa

Der Bau von Windkraftanlagen an Land stagniert in Deutschland nach wie vor. Im ersten Halbjahr 2022 wurden 238 neue Windräder mit einer Leistung von zusammen 977 Megawatt installiert – in etwa so viel wie im Vorjahreszeitraum. Das teilten der Bundesverband Windenergie und der Fachverband VDMA Power Systems am Donnerstag mit.

Wenig Zuwachs in Mitteldeutschland

Von den neu installierten 238 Anlagen entfallen 20 auf Mitteldeutschland (Sachsen: zwei, Thüringen und Sachsen-Anhalt je neun). Das entspricht 8,4 Prozent.

Um die Ausbauziele deutschlandweit erreichen zu können, werde das fünffache Volumen benötigt, teilten die Branchenverbände mit. Weil auch alte Anlagen stillgelegt wurden, lag der sogenannte Netto-Zubau im ersten Halbjahr bei 878 Megawatt, etwas mehr als im Vorjahresvergleich.

In Sachsen-Anhalt wurden mit 21 Anlagen vergleichweise viele zurückgebaut, wodurch der Zuwachs an Leistung hier mit sechs Megawatt eher gering ist. Der Anlagenbestand ist im Land mit 2.830 Anlagen im Vergleich zu Thüringen (850) und Sachsen (871) jedoch hoch. Sachsen konnte im ersten Halbjahr ebenfalls einen Zuwachs bei der Leistung um sechs Megawatt erreichen, im ersten Halbjahr 2021 ging die Leistung sogar um sechs Megawatt zurück.

Politik versucht, Ausbau zu beschleunigen

Bundestag und Bundesrat hatten erst vor Kurzem ein umfangreiches Maßnahmenpaket für einen schnelleren Ausbau des Ökostroms aus Wind und Sonne beschlossen.

Die erneuerbaren Energien spielen eine zentrale Rolle, um Klimaziele erreichen zu können und weniger abhängig von fossilen Energien wie russischem Gas zu werden. "Wir erwarten dringend weitere Gesetzesvorlagen zur Verstärkung und Beschleunigung für mehr Flächen und Genehmigungen", sagte Dennis Rendschmidt, Geschäftsführer von VDMA Power Systems.

Die europäischen Hersteller von Windenergieanlagen und ihre Zulieferer stehen nach den Worten von Rendschmidt durch Kostensteigerungen und eine unzureichende Marktdynamik unter erheblichem wirtschaftlichen Druck: "Bei zu geringem Marktvolumen besteht die Gefahr des Verlusts von Know-how, Wertschöpfung und Beschäftigung." Der Windkraftanlagen-Hersteller Nordex etwa hatte für das erste Halbjahr angekündigt, seine Rotorblatt-Fertigung in Rostock zu schließen.

dpa(pfh)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Das Nachrichtenradio | 14. Juli 2022 | 12:30 Uhr

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