Corona-Zahlen steigen Mehr Corona-Infizierte in Sachsen-Anhalts Krankenhäusern

11. Oktober 2022, 19:30 Uhr

In Sachsen-Anhalt und bundesweit gibt es wieder mehr Corona-Fälle. Auch die Zahl der Menschen, die mit Covid-19 in einem Krankenhaus behandelt werden, steigt. Allerdings sind die Daten mit Vorsicht zu betrachten, weil sie unvollständig und verzögert gemeldet werden. Gleichzeitig nimmt die Nachfrage nach der Corona-Impfung zu. In Halle wird das Impfzentrum wieder eröffnet. Viele Städte und Kreise haben zentrale oder mobile Impfstellen. Eine Übersicht dazu gibt es hier.

Die Corona-Zahlen in Sachsen-Anhalt steigen weiter an. Laut Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hat sich die 7-Tage-Inzidenz im Vergleich zur Vorwoche von 378,2 auf 754,5 annähernd verdoppelt. Auch bundesweit haben sich mehr Menschen mit Corona infiziert: Das RKI meldet 787,5 Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Am vergangenen Dienstag betrug der Wert demnach noch 468,3.

Die höchste 7-Tage-Inzidenz in Sachsen-Anhalt hat dem RKI zufolge der Landkreis Mansfeld-Südharz mit 954,5, gefolgt vom Saalekreis mit 893,8 und dem Landkreis Harz mit 867,9. Die niedrigsten Werte verzeichnen demnach die Landkreise Wittenberg (556,2) und Anhalt-Bitterfeld (565,7) sowie der Salzlandkreis (635,1).

Mehr Menschen mit Corona im Krankenhaus

Mit der Zahl der Infektionen steigt auch die Zahl der Menschen, die mit einer Corona-Infektion im Krankenhaus behandelt werden. Laut Pandemieradar des RKI sind deutschlandweit 12,37 Corona-Infizierte pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern in einer Klinik. Damit sei die Hospitalisierungsrate im Vergleich zur Vorwoche um mehr als 7 angestiegen.

In Sachsen-Anhalt beträgt die Hospitalisierungsrate demnach 15,3 und ist im Vergleich zur Vorwoche um 4,15 gestiegen. Nach Angaben der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) sind derzeit 46 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung auf einer der Intensivstationen im Land, von denen 16 beatmet werden. Landesweit seien 88 Intensivbetten frei, im Schnitt rund zwei pro Standort. Davon sind demnach 27 Betten speziell für Covid-Patienten.

Zahlen zeigen ein verzerrtes Bild

Im Vergleich zu den vergangenen Tagen sind die Infektionszahlen sowohl bundesweit als auch in Sachsen-Anhalt scheinbar sprunghaft angestiegen. In der Stadt Halle und im Kreis Jerichower Land ist die 7-Tage-Inzidenz den Zahlen zufolge von Montag auf Dienstag um mehr als 200 gestiegen, in vielen weiteren Kreisen um rund 100.

Ein Grund dafür zeigt sich in den Zahlen der Vortage: Viele der Kreise haben über das Wochenende und bis zum Montag keine oder nur verhältnismäßig kleine neue Infektionszahlen an das RKI gemeldet. Dieses kann nach eigenen Angaben in seiner Tagesübersicht nur die Zahlen wiedergeben, die die Gesundheitsämter ihm mitteilen. Zum Teil handle es sich dabei um Fälle, die die Ämter bereits an früheren Tagen erfasst haben.

Warum die Corona-Zahlen ungenau sind Die Zahlen spiegeln nur ein ungenaues Bild des Infektionsgeschehens.

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen.

Allerdings zählen nur positive PCR-Tests in die Statistik ein. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Ein Vergleich mit den Werten der Vorwoche sei zudem aktuell ebenfalls schwierig, erklärt der Journalist Gereon Asmuth in einem "taz"-Artikel. Grund sei der Feiertag am 3. Oktober, durch den die Corona-Zahlen am Folgetag mit Verzögerung gemeldet worden seien. Die Daten des RKI spiegeln das wider: In jedem Bundesland macht die Kurve der 7-Tage-Inzidenz am 4. Oktober einen Knick nach unten, ab dem 5. Oktober steigen die gemeldeten Werte wieder auf das Niveau vor dem Feiertag – und mittlerweile auch deutlich darüber.

Corona-Impfung wieder gefragt – vor allem zweiter Booster

Laut Statistik des RKI lassen sich bundesweit wieder mehr Menschen impfen. Demnach sind am vergangenen Donnerstag mehr als 100.000 Impfdosen verabreicht worden. Das ist den Zahlen zufolge mehr als dreimal so viel wie einen Monat zuvor und ein Wert, der zuletzt im Frühjahr erreicht worden war. Allerdings variieren die Zahlen von Tag zu Tag stark. Zudem ist vor allem die vierte Impfung, also der zweite Booster, gefragt.

Die Impfquote steigt der RKI-Statistik zufolge weiterhin sowohl bundes- als auch landesweit nur langsam. In Sachsen-Anhalt gelten derzeit 74 Prozent der Bevölkerung als grundimmunisiert, etwas weniger als die deutschlandweite Quote von 76,3 Prozent. Eine erste Auffrischungsimpfung haben landesweit bisher 58 Prozent der Bürgerinnen und Bürger erhalten, eine zweite sieben Prozent.

Halle eröffnet Impfzentrum wieder

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte zuletzt erneut eine größere Impfkampagne angekündigt. Ursprünglich war deren Start bereits für Ende September vorgesehen. Wie das Bundesgesundheitsministerium am Montag mitteilte, sind nun Menschen über 60 Jahre in ganz Deutschland von ihrer Krankenkasse über eine empfohlene Booster-Impfung informiert worden.

Wer sich gegen das Coronavirus impfen lassen sollte

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Corona-Impfung ab einem Alter von fünf Jahren. Eine dritte Impfung, also der erste Booster, wird ab zwölf Jahren mit einem der Omikron-angepassten Impfstoffe empfohlen. Die vierte Impfung, beziehungsweise der zweite Booster, ist laut Stiko ab 60 Jahren und ebenfalls mit den an die Varianten BA.1 oder BA.4/BA.5 angepassten Impfstoffe empfohlen. Diese Empfehlung gelte zudem für Menschen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-Verlauf haben sowie für Personen, die in medizinischen oder Pflegeeinrichtungen leben oder Arbeiten.

In Halle soll das Impfzentrum der Stadt zufolge am Montag, den 17. Oktober, wieder öffnen. Der neue Standort ist demnach im Saale Center. Für die Grundimmunisierung gebe es Impfstoffe der Hersteller Biontech, Moderna, Novavax und Valneva. Als Booster-Impfung würden auch die neuen Impfstoffe von Biontech und Moderna angeboten, die an die Omikron-Variante des Coronavirus angepasst sind.

Im Verlauf der Pandemie haben viele der Städte und Kreise in Sachsen-Anhalt ihre Impfzentren geschlossen, weil die Nachfrage nach Impfstoff immer geringer wurde. Einige haben mittlerweile wieder zentrale oder mobile Impfangebote, andere verweisen Impfwillige an Hausarztpraxen. Bei vielen der Impfstellen ist kein Termin nötig, kann aber online oder telefonisch vereinbart werden. Die Städte, Kreise und Impfzentren geben auf den verlinkten Websites dazu Auskunft.

Wo in den Landkreisen geimpft wird

  • Altmarkkreis Salzwedel: Nach Angaben des Kreises befindet sich eine Impfstelle in Salzwedel, eine weitere in Gardelegen.
  • Anhalt-Bitterfeld: Derzeit gibt es nach Angaben des Kreises kein Impfzentrum. Ein Sprecher sagte MDR SACHSEN-ANHALT, man plane gegenwärtig keine Neueröffnung, schließe sie aber auch nicht aus.
  • Burgenlandkreis: Der Website des Kreises zufolge gibt es Impfstellen in Naumburg und Zeitz sowie ein Impfzentrum in Zorbau.
  • Börde: Nach Angaben des Kreises gibt es am 25. Oktober Impftermine in Eilsleben und Rogätz sowie am 7. November in Flechtingen und am 15. November in Weferlingen.
  • Dessau-Roßlau: Das Impfzentrum befindet sich seit Mitte Juni im Berufsschulzentrum. Dienstags und donnerstags sowie am letzten Freitag im Monat werden dort laut Information des Kreises Impfungen angeboten.
  • Harz: Das Impfzentrum im Landkreis Harz befindet sich in Quedlinburg. Dort werden einer Sprecherin zufolge am 14. Oktober wieder Impfungen angeboten. Das Impfzentrum wechsle sich wöchentlich mit einem Impfbus ab, der am 21. Oktober auf dem Halberstädter Holzmarkt zu finden sei.
  • Jerichower Land: Der Landkreis hat auf seiner Website eine Übersicht mit Arzpraxen, die gegen das Coronavirus impfen, veröffentlicht. Ein Impfzentrum gibt es demnach derzeit nicht.
  • Magdeburg: Wie die Stadt auf ihrer Website mitteilt, gibt es derzeit kein städtisches Impfzentrum. Interessierte sollen sich demnach an Arztpraxen wenden.
  • Mansfeld-Südharz: In der früheren Impfstation in Sangerhausen wird nach Angaben des Kreises derzeit nicht geimpft. Der Kreis verweist auf Hausarztpraxen.
  • Saalekreis: Das Impfzentrum befindet sich dem Kreis zufolge in der Marktgalerie in Merseburg und ist Dienstag bis Donnerstag geöffnet.
  • Salzlandkreis: Das Impfzentrum in Staßfurt ist laut Website des Landkreises geschlossen.
  • Stendal: Seit Juni befindet sich das Stendaler Impfzentrum in der ehemaligen Frauen- und Kinderklinik in der Bahnhofsstraße. Dem Landkreis zufolge wird dort dienstags und donnerstags geimpft.
  • Wittenberg: Das Impfzentrum des Landkreises befindet sich in der Lutherstadt Wittenberg in der Dessauer Straße und ist den Angaben zufolge Montag bis Freitag geöffnet.

MDR (Maren Wilczek, Marie Zinkann), dpa

6 Kommentare

Denkschnecke am 12.10.2022

Das ist Quatsch. Es gibt inziwschen genügend repräsentative Untersuchungen zur Todesursächlichkeit. Danach war bei 86% der in Deutschland gemeldeten Verstorbenen COVID direkt todesursächlich, bei den restlichen zu einem guten Teil immerhin noch den Tod begünstigend (von Stillfried et al., 2022 Lancet).
Es sind inzwischen in Deutschland über 150 000 Menschen "mit" COVID gestorben - also ziemlich sicher 130 000 "an" COVID. Wenn Sie fordern, dass allen diesen Fällen Autopsien durchgeführt werden, kommen Pathologen nicht mehr dazu, Ihre Biopsie auf Bösartigkeit zu untersuchen. Stellen Sie solche Fragen bei Kettenrauchern eigentlich auch - an oder mit Zigarette gestorben?

Fischlein am 12.10.2022

Warum muss plötzlich wieder so ein Wind um diese Erkältung gemacht werden. Der Bundesrat hat am 7. Oktober beschlossen COVID-19 als besonders ansteckende Krankheit aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. Demnach wird es keine Betretungsverbote für Kitas, Schulen und Heime mehr geben. Abgeschafft wird auch das Frei-Testen nach einer Corona-Infektion. Vor 3 Jahren waren mit Sicherheit auch Menschen mit einer Erkältung im Krankenhaus. Ob die Erkältung der Grund war oder die Menschen wegen anderen Problemen da waren hat niemanden interessiert. Seit Ende 2019 wird ein Wirbel darum gemacht. Man sollte endlich aufhören die Leute damit zu nerven und zu gängeln. 🙄

Brigitte Schmidt am 12.10.2022

"Corona-Impfung wieder gefragt – vor allem zweiter Booster"

Es gibt also eher zufriedene Kunden als Neukunden. Hier muß weiter am Marketing gearbeitet werden.

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