Auf dem Fußboden liegen mehrere Weihnachtsgeschenke, unter anderem eine Puppe in einem Wagen.
Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Strohsterne und Plastekugeln Weihnachten in Wittenberg im Wandel der Zeit

von Susanne Reh, MDR SACHSEN-ANHALT

09. Dezember 2023, 05:00 Uhr

Wem noch immer nicht weihnachtlich zumute ist, dem sei ein Besuch im "Haus der Alltagsgeschichte" in Wittenberg empfohlen. Denn das Museum ist vom Keller bis zum Dachgeschoss auf Weihnachten eingestellt. Gezeigt wird, wie Familien in den 20er Jahren bis zur Wendezeit gelebt, gewohnt und Weihnachten gefeiert haben.

Ein Bett, ein Schrank, ein Tisch. Darauf steht eine Schale mit Äpfeln. Kein Tannenbaum, kein buntes Geschenkpapier. Es ist die Wohnung einer Flüchtlingsfamilie in der dritten Etage im "Haus der Alltagsgeschichte" in Wittenberg. "Weihnachten 1945 gibt es nicht viel zu schenken", erzählt Museumschefin Christel Panzig. "In der Schale auf dem Tisch liegen drei Äpfel, das ist schon was besonders in jener Zeit, dazu ein Weihnachtsmann aus Pappmache, den haben sie vermutlich noch aus der Heimat mitgebracht und einen Stern aus Papier gebastelt."

In einem Museum ist ein Wohnzimmer im weihnachtlichen Stile der 1920er Jahre dekoriert. Darin sitzen Puppen.
Weihnachten in der Nachkriegszeit, das war nicht immer prunkvoll. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Nebenan in der Wohnung einer Bauernfamilie aus Wittenberg fällt das Weihnachtsfest in der Nachkriegszeit schon etwas üppiger aus. "Die hatten natürlich auf dem Dachboden noch ihren Schmuck und die Weihnachtskerzen und Kugeln", erzählt Christel Panzig. "Geschenke gibt es auch für die Kinder. Etwa einen Brummkreisel aus Holz." Die Produktion von Spielsachen und Weihnachtsschmuck läuft nach dem 2. Weltkrieg nur schleppend an. Die Menschen brauchen erst einmal Wohnraum, sagt Christel Panzig. Doch Not macht erfinderisch, es werden Sterne aus Papier oder Stroh an den Baum gehangen.

Nussknacker der Marke Eigenbau in Wittenberg

Auch in den Siebzigern, als es Weihnachtliches oft nur unter dem Ladentisch gibt, hat man einfach selbst gebastelt, zeigt die Museumschefin im nächsten Raum. "Damals ging der Weihnachtsschmuck, der im Erzgebirge produziert wurde, erst einmal in den Export. Da haben die Leute auch hier in der Region Nussknacker einfach selbst gedrechselt". Auch ein Kerzenhalter aus Sperrholz, mit der Laubsäge ausgeschnitten und mit Renntieren und Kerzen verziert, ist so ein Weihnachtsprodukt Marke Eigenbau. 

Wo die Ausstellung zu sehen ist

Geöffnet ist das Museum "Haus der Alltagsgeschichte" in Wittenberg auch an den Weihnachtsfeiertagen. Nur Heiligabend ist geschlossen.

Schlossstraße 6, 06886 Lutherstadt Wittenberg,
Tel. 03491-669453
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 Uhr bis 17 Uhr
Die Ausstellung ist noch bis Mitte Januar zu sehen.

Plastik macht die Wohnzimmer bunt

In den Achtzigern dann – auch das zeigt die Ausstellung in Wittenberg – wird Weihnachten bunt und üppig. Rotkäppchen-Sekt steht auf dem Tisch. Unter dem Baum, der auf einem Stuhl in der Ecke steht, türmen sich verpackte Geschenke. Christel Panzig zeigt in den Raum: "Da haben wir Mutter, Vater, die Oma war auch dabei und das Kind, alle in festlicher Kleidung, und dann die Geschenke. Hier das Kind hat gerade ein Monchhichi bekommen, das war Kult in den Achtzigern".

Auch künstliche Weihnachtsbäume kommen auf. Die sind begehrt in den ferngeheizten Wohnungen. "Vorher hatte man eine Kiefer und die waren nicht immer die Schönsten", lacht Christel Panzig. "Plastik war dann die Lösung und diese bunte Beleuchtung war ein bisschen der Trend in den Achtzigern."

Vergangenheit wird lebendig

Beim Gang durch die Jahrzehnte fällt auf, dass es auch in Sachen Baumschmuck verschiedene Moden gibt. Mal war Lametta in, mal Strohsterne, erst handgeblasene Kugeln, später bunte Plasteanhänger. Spielzeug ging dagegen immer: zu sehen unter anderem in einer extra Spielzeugausstellung mit Puppenstuben und Kaufmannsländen und auch im komplett ausgestatteten Kindergarten aus DDR-Zeiten.

Eine Hand zeigt auf ein Tablet in einer Ausstellung, auf dem mehrere Fotos abgebildet sind.
Per Touchscreen geht es durch die weihnachtliche Ausstellung im Haus der Alltagsgeschichte in Wittenberg. Bildrechte: MDR/Susanne Reh

Fotos, die man auf den drei Ausstellungsetagen von Touchscreens abrufen kann, lassen Vergangenheit wieder lebendig werden. Eine gute Gelegenheit, den Kindern von eigenen Weihnachtserlebnissen zu erzählen oder selbst Erinnerungen aufzufrischen, meint Christel Panzig.

Es ist ein sehr nostalgischer Streifzug durch die Jahrzehnte, den man im "Wittenberger Haus der Alltagsgeschichte" erleben kann. In allen Räumen entdeckt man Bekanntes oder früher innig Geliebtes. Besucher können sogar ein bisschen Erinnerung mit nach Hause nehmen. Im Museumshop liegen neben Sandmann, Pitti und Co auch DDR-Einkaufsnetze und die Koch- und Backbuchklassiker aus den DDR-Küchen.

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MDR (Susanne Reh, Oliver Leiste)

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 05. Dezember 2023 | 19:00 Uhr

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